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Heimweh?

So schnell vergeht die Zeit: ich bin nun schon 5 Monate hier auf den Philippinen und Weihnachten steht vor der Tür. Viel ist passiert und ich möchte euch von ein paar Ereignissen berichten.

Es ist nicht immer alles glatt gelaufen die letzten Monate. Es gab sehr viele schöne Momente, aber auch Tage, an denen ich einfach mein richtiges Zuhause vermisst habe. Ich denke, das erste Mal in meinem Leben, habe ich Heimweh bekommen.

Viele verschiedene Faktoren haben letztendlich dafür gesorgt: mein großer Bruder Sebastian hatte mich für zwei Wochen besucht, ich war mehrmals krank, ich fühlte mich hier in meinen Entscheidungen eingeschränkt und das „Angeklotzt werden“ von den Männern ging mir einfach nur noch auf den Geist. Dazu kam auch noch die eindeutige „Erleuchtung“, dass ich mein Leben und meine Familie in Deutschland niemals eintauschen würde. Manchmal muss man einfach ganz weit weg von Zuhause sein, um zu verstehen, was man eigentlich hat. Damit meine ich jetzt gar nicht so Deutschland und welches Leben mir das ermöglicht, sondern meine Familie. Dass es ein ziemliches Privileg ist, in Deutschland zu leben und man damit viele Möglichkeiten hat, war mir glaube ich schon vorher ziemlich gut bewusst. Aber seitdem ich hier bin, habe ich meine Familie, nochmal ganz neu und sehr schätzen gelernt. Es ist ja nicht so, dass ich meine Familie davor schon nicht total geschätzt habe, aber jetzt, jetzt ist mir ganz viel bewusst geworden. Wenn man die Personen erstmal nicht mehr hat, seine sozialen Kontakte ganz neu aufbauen muss und das erste Mal in seinem Leben einen einigermaßen richtigen Arbeitsalltag hat, hat man doch -sage ich mal- ziemlich viele Erleuchtungen. Eine meiner Erleuchtungen war auf jeden Fall, dass ich die beste Mama und den besten Papa, die allerbesten Brüder und Familie auf der Welt habe. Ich bin meiner Familie so dankbar für alles, das kann ich eigentlich gar nicht in Worte fassen.

Mit meinem Bruder Sebastian hatte ich zwei unglaubliche Wochen hier; wir waren sehr viel unterwegs und haben viele wunderschöne Orte gesehen. Ich muss sagen, dass ich auch ziemlich stolz war, endlich mal jemanden das Land zu zeigen, wo ich jetzt lebe. Hier ein paar Bilder von unserer Reise:

Nachdem  er dann weg war, ist mir ein bisschen die Decke auf den Kopf gefallen. Ich habe angefangen, meinen Bruder und meine Familie sehr stark zu vermissen und wollte einfach nicht, dass er geht. Ich hatte mich gerade wieder dran gewöhnt, ihn bei mir zu haben und dann war er schon wieder weg. Auch ist mir durch ihn wieder aufgefallen, wie stark man hier in der Provinz doch angeschaut wird und man eigentlich nicht unbeobachtet herumlaufen kann.  Ich habe angefangen mich über jeden Blick, über jedes hupende Fahrzeug und über meine Extrabehandlung als „Weiße“ tierisch aufzuregen und habe es vermieden rauszugehen.

Eine Woche nachdem mein Bruder weg war, ging es für mich und Max eine Woche nach Vietnam. Das kam mir ganz recht, um mal hier aus dem Alltag rauszukommen; ich habe die Zeit in Vietnam sehr genossen. Vietnam ist auch ein wunderschönes Land und unterscheidet sich sehr von den Philippinen. Die Ordentlichkeit, Ruhe und Westlichkeit waren in diesem Moment sehr angenehm.

Trotzdem war ich dann wieder sehr froh, Zuhause in Mabini zu sein und es ging mir schon deutlich besser. Es war ein schönes Gefühl nach den letzten Wochen nochmal neu und richtig Zuhause anzukommen und den ganzen Stress fallen zulassen.

Pünktlich zur Reisernte war ich zurück und habe spannend verfolgt, wie unser eigener Reis geerntet wurde.

Ich wurde auch mit der ganzen Weihnachtsdeko empfangen…. Unser Haus leuchtet jetzt in ganzen vielen Farben.

Leider wurde in dieser Woche auch bekannt, dass uns unser Bischof Riccardo verlassen wird. Damit wird das Bistum Alaminos einen ganz tollen Bischof verlieren. Ich hatte Max einmal erzählt, dass Bischof Riccardo für mich eine Art Ersatz-Opa geworden ist. Wir verstehen und so gut mit ihm und können ihm immer alles anvertrauen. Ich werde ihn sehr vermissen. Ich hätte mir in meinem Leben nicht vorstellen können, mal so gut mit einem Bischof befreundet zu sein!?

Das letzte gemeinsame Mahl

Kurz danach stand auch die SPED Olympics an, wo sich alle „Special“ Schüler aus der Region getroffen haben und gegeneinander angetreten sind. Es gab ganz viele verschiedene Disziplinen: Bocce, Leichtathletik, Tanzen, Malen, …. Unsere Schüler hatten alle fleißig auf diesen Tag hintrainiert und es hat sich gelohnt. Mit lächelnden Gewinnern, traten wir nach einem sehr langen Tag den Heimweg an. Damit sind alle für die nächste Runde qualifiziert. Im Februar starten wir dann nochmal in eine neue Runde.

Eine Sache, an die ich mich schwer gewöhnen kann, ist, dass die Regeln hier Zuhause doch strenger sind. Philippinische Eltern lassen ihre Kinder nicht so einfach gehen. Man kann abends nicht einfach mal so ausgehen.

1. Es gibt gar nichts, wo man abends groß hingehen könnte,

2. Die letzten Busse zu mir nach Hause fahren um 21/22 Uhr,

3. In der Dunkelheit ist es gefährlich, vor allem für mich als blondes Mädchen,

4. Ich würde niemanden groß finden, der mit mir weg geht,

5. Wenn ich jemanden finde, ist es ein Junge und ich sage mal so, es ist nicht sehr gerne gesehen, mit einem Jungen auszugehen…

Auch ist es nicht üblich mit 19/20 Jahren auszuziehen und hier gilt auch nicht die Regel, ich bin über 18 Jahre alt und darf machen, was ich will. Ich denke unabhängig von den Eltern wird man hier erst, wenn man weit weg von den Eltern ist oder eine eigene Familie hat.

Das heißt aber keines Falls, dass ich hier kein Spaß habe:

In den letzten Monaten war ich öfters in Manila. Darunter auch zweimal auf Veranstaltungen der deutschen Botschaft. Zum Tag der deutschen Einheit, gab es ein großes Fest in einem Luxus Hotel in Makati. Wir Freiwilligen waren nicht schlecht beeindruckt und haben viel gutes deutsches Essen verschlungen. Das andere Mal waren wir im Haus der deutschen Botschaft bei einer Weihnachtsfeier. Die Feier war sehr klein und ich würde fast schon sagen familiär. Die schöne Weihnachtsmusik und deutsche Sprache haben wir alle sehr genossen.

Auch wenn ich Manila an sich überhaupt nicht mag, genieße ich meine Zeit immer sehr dort. Unabhängig zu sein und das Gefühl, ein paar aufregende Sachen machen zu können, spricht mir dann doch sehr zu und somit wird die Zeit in Manila immer vollkommen ausgenutzt.

Das wichtigste, was hier jedoch in den letzten Monaten passiert ist, war Christ the King (Christkönigsfest). Ich würde mal behaupten, dass größte gefeierte Kirchenfest hier. Auf diesen Tag hatte sich Mabini das ganze letzte Jahr vorbereitet. Die komplette Stadt wurde auf Vordermann gebracht, die Kirche renoviert und nebenbei auch sehr viel Geld ausgegeben.

Dafür kam die ganze Diözese hier in Mabini zusammen; jeder Priester war da und viele Menschen aus den verschiedenen Gemeinden. Nach einem langen überfüllten Gottesdienst mitten in der Mittagshitze auf dem Plaza, startete die 8 km lange Prozession durch die Barangays. Jeder musste laufen mit Ausnahme des Bischofs, der im Auto fahren durfte.

Es war auf jeden Fall ein sehr schöner Tag und ich glaube jeder war am Ende froh, dass es vorbei war. Meine Gastmutter hatte die letzten 5 Monate damit verbracht, diesen Tag vorzubereiten. Seitdem ist sie auch endlich wieder mehr Zuhause.

Die Weihnachtszeit ist im ernsten Sinne des Wortes ziemlich crazy hier. Jeden Tag gibt es eine Christmas Party und wir verbringen unsere Zeit eigentlich nur noch mit Essen oder Karaoke singen. Alles ist wunderschön kitschig geschmückt. Eine weitere typische Sache ist: Caroling. Kinder und Jugendliche gehen von Haus zu Haus und singen Weihnachtslieder. Dafür bekommen sie Geld oder Süßigkeiten. Traditionell geht man in den letzten neun Tagen vor Heiligabend jeden Tag um 4:30 Uhr morgens in die Kirche. Bis jetzt war ich immer dabei, aber mal sehen, wie lange ich noch aushalten werde…

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und alles Gute für das Neue Jahr 2020!

Ein Kommentar

  1. Joachim Joachim 18. Dezember 2019

    Sehr beeindruckend, was und wie Du schreibst, Theresa. Auch sehr ehrlich und offen.

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