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Besuch von allen Ecken und Enden

Nachdem ich letzten Monat unseren holprigen Weg zum „Missionarsvisum“ beschrieben hatte, fängt der vergangene Monat gleich damit an, wofür das Visum sowas von essenziell war: Vietnam!

Vorweg sollte ich vielleicht sagen, dass das unser privater Urlaub war und wir den zu 100% selbst finanziert haben. Nur um klarzustellen, dass Weltwärts keine Urlaube finanziert. Ermöglicht wurde uns dies aber trotzdem, da wir ebenfalls Ferien haben, wenn die Schüler frei dies auch haben. 

Da in der Woche vor unserer Reise die „Klausurenwoche“ war, hatten die Schüler danach eine Woche „Semestral break“, also quasi so etwas wie Herbstferien. 

Zwei Touristen in Vietnam

Vietnam, Kurz und knapp

Dieser Eintrag soll jetzt aber nicht dazu missbraucht werden, zu beschreiben, wie unsere Reise genau aussah. Ich möchte nur einen kurzen Vergleich zwischen den zwei asiatischen Ländern ziehen. Da ich zuvor nur die Philippinen kennengelernt habe, ist es für mich doch noch mal spannend gewesen, die Unterschiede zwischen dem asiatischen Festland und den Philippinen zu sehen. Ein wichtiger Unterschied sind die Regierungsformen. Die Philippinen sind eine präsidentielle Demokratie, wie zB in den USA, während in Vietnam ein die sozialistische Einheitspartei regiert. Aber diese rein formalen Unterschiede sagen noch nichts über das Land selbst. 

Geschichtlich haben beide Länder auch noch eine weitere Gemeinsamkeit, sie waren beide Kolonien. Die Philippinen von Spanien, später von Japan und dann von den USA, während Vietnam anfangs von Frankreich, später von China und der Soviet Union teilweise beherrscht wurde und später sich die USA erneut eingemischt hat…

Was mir persönlich an Vietnam aufgefallen ist, war der starke Tourismus, während die Philippinen davon gerade in den Provinzen, in denen Theresa und ich leben, eher unberührt geblieben ist. Vom „echten“ Vietnam haben wir bis auf die Bilder in den Ausstellungen der Vietnamkriegsmuseen nicht viel gesehen, auch wenn wir durch die kleinsten Dörfer mit dem Zug gefahren sind. Das erleben wir hier natürlich viel besser…

Aber auch dass wir dort, so viele Europäer und Amerikaner, wie schon lange nicht mehr, gesehen haben. Hier sieht man vielleicht mal in Alaminos beim einkaufen ein paar nicht-Filipinos, wozu ich aber später auch nochmal komme. 

Wer aber trotzdem wissen will, was wir in Vietnam gemacht haben, den verweise ich auf meine Social-Media Accounts…

„Alle drei zusammen“

Aber nun zurück auf die Philippinen:

Wieder in meinem temporären Zuhause angekommen, war ich nicht der einzige, der erwartet wurde. Einige Stunden nach mir würden der Cousin und die Cousine meiner Gastmutter aus den USA ankommen. Am Abend darauf lernte ich diese dann auch kennen. Ich habe mich gleich mit beiden angefreundet. Das lag auch daran, dass mein Englisch mittlerweile so gut war, dass wir über alles reden konnten. Am Morgen darauf wurde ich dann spontan eingeladen mit den beiden Amerikanern, meiner Gastmutter, meiner Gastschwester und ihren gleichaltrigen Cousinen zu den Hundred Islands zu fahren. Sowas lies ich mir natürlich nicht entgegen. Somit kam ich dazu noch ein paar der anderen Inseln dort zu sehen und seit langem einmal wieder schwimmen zu gehen. 

Der Grund warum ich nie die Zahlen meiner Familienmitglieder angebe…

Aber das „Family-gathering“ war noch nicht vorbei. Am nächsten Morgen, meine Chefin hatte mir zuvor gesagt, dass ich aufgrund eines Seminars an dem meine Kollegen teilnehmen müssen, zuhause bleiben könne, wurde ich um 6 Uhr morgens geweckt. 

„Auf geht’s nach Surip!“, hieß es. 

Ich packte also schnell meine Sachen: Badehose, Taucherbrille, Handtuch – eben alles was man für einen Strandtag brauchte und los ging es…

Dort angekommen ging ich direkt schwimmen und kam, nachdem ich glaubte alles gesehen zu haben, auf die Idee ein bisschen Plastik aus dem Meer zu fischen. Allerdings kam ich gerade mal dazu eine Flasche, eine Gabel und einen Plastikteller an Land zu bringen, bis die nächste Aktivität wartete: Cliffdiving – Klippenspringen. Mit Booten ging es etwa 10 Minuten zu einer Klippe. Ich weiß, wenn ich von Klippenspringen spreche, hat man da erstmal die krassesten Bilder im Kopf, aber es war wirklich halb so wild. Ich schätze irgendwas zwischen 5 und 7 Metern Höhe, müssen es gewesen sein. Als Gast der Familie musste ich dann auch als erstes springen… 

Den Deutschen zuerst..!

Wieder angekommen am Strandhaus in Surip gab es – wie war es anders zu erwarten – Essen. Ein kurzes Nickerchen in der Hängematte später gingen wir die umliegenden Höhlen erkunden, die teilweise mit Meerwasser gefüllt waren. 

„Max, nicht schlafen..!“
Auch ein Strandhaus hilft bei mir nichts: Ich bin immer noch weiß…

Nachdem Programm schnappte ich mir mein Buch und setzte mich ein wenig an den Strand und genoss den Sonnenuntergang. 

Und mit etwas Karaoke klang der Abend schließlich typisch Filipino aus. Schlafen würden wir in einer der Hütten. 

Besonders gut geschlafen hatte ich allerdings nicht, aber es reichte. 

Am nächsten Morgen ging es immerhin schon um 6 Uhr wieder zurück nach Bani. Meine Gastmutter musste in die Schule nach Bolinao und ich – wie sich auf Nachfrage bei meiner Chefin herausstellte – auch. Bedeutete: kurz duschen gehen und dann ab auf die Arbeit. 

Für diesen Tag war Training angesetzt. 

Ja tatsächlich Training. Am Mittwoch darauf würden nämlich in Lingayen die Sped Olympics stattfinden. Das ist ein Treffen aller Sped-Schüler aus Pangasinan, die dann in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten. 

Wir hatten knapp eine Woche zuvor angefangen zu trainieren und für diesen Freitag stand ebenfalls Training an. Da ich nicht ganz ausgeschlafen war, machte ich mir meinen Job als Schiedsrichter so einfach wie möglich. Ein Stuhl im Schatten eines Baumes, eine Flasche zu trinken und ein Block zum Notieren der Ergebnisse. Fertig. 

Monatsanfang

Da ich bereits jetzt das vierte Mal das Monatsende erreicht hatte, fuhr ich nach der Schule nach Alaminos, um mein Taschengeld und das Geld für meine Gastfamilie abzuholen. Im Büro des Bischofs angekommen, fand ich neben meinem Taschengeld noch ein Paket für mich vor. Eins von der Royal Mail…

Ist ja wie Weihnachten…

Es ist nicht so mysteriös, wie es jetzt vielleicht klingen mag, denn meine Eltern hatten mir als Weihnachtsgeschenk ein paar Bücher meiner Wahl zugeschickt. Beziehungsweise Amazon hatte das. Da ich hier recht viel Freizeit habe und man hier nicht so einfach in irgendwelche politischen Organisationen kommt, lese ich sehr viele Bücher über Politik und Geschichte. Über Geopolitik, zum Ablauf der Flüchtlingskrise 2015, über Martin Schulz‘ Auf- und Abstieg habe ich jetzt bereits einiges gelesen. 

Nur ein Punkt mehr…

Sped Olympics

Nachdem wir dann auch noch Montag und Dienstag trainiert hatten war am Mittwoch der große Tag gekommen. 

Morgens um 5 Uhr war Treffpunkt an der Bani Town Plaza. Gefahren wurden wir nach Lingayen mit zwei Jeepneys, die uns dann später auch zurück fuhren. 

Dort angekommen gab es erstmal eine Begrüßung von einigen wichtigen Menschen, bis es dann auch los ging mit den Spielen. Da ich bereits zuvor beim Boccia Training dabei war, sollte ich dann dort die Fotos machen. 

Dort traf ich dann auch auf Theresa, die ihr Team aus Mabini anfeuerte. Boccia hatte mit einem Punkt Unterschied Theresa’s team aus Mabini gewonnen, wer aber am Ende die meisten Medaillen hatte, weiß ich gar nicht mehr, da es hierbei ja um den Spielspaß der Kinder geht und nicht welcher der Lehrer sich als bester Trainer profilieren kann. 

Nachdem auch die anderen Disziplinen beendet waren gab es Mittagessen, gefolgt von einem Talentwettbewerb, für den ich mir Tag für Tag den gleichen Song anhören musste, während meine Schüler trainierten. Die Nächte in denen ich trotz ausgeschalteter Klimaanlage das Lied hörte, waren es anscheinend wert, denn der Talentwettbewerb ging an Team Bani!

Auch wenn so gut wie jedes Jahr Freiwillige aus Deutschland bei den Sped Olympics dabei sind, war es für die – in meinem Fall Schülerinnen und Lehrerinnen – doch so besonders uns Deutsche dort zu sehen, dass ich wirklich häufig entweder nach einem Foto gefragt wurde oder einfach fotografiert wurde. Manche waren geschickt darin es zu verbergen, manche weniger…

Ich hatte es damals für übertrieben gehalten, als die ehemaligen Freiwilligen uns das erzählten, aber es stimmt tatsächlich. Man fühlt sich dann schon irgendwie ein bisschen wie ein Prominenter…

Am Tag darauf war für alle Sped Lehrer und Schüler regulär Schulfrei. Ich nutze meine Zeit, um nach Alaminos zu fahren und anzufangen diesen Blogeintrag zu schreiben. Später traf ich mich dann noch mit meiner Gastschwester und ihren Cousinen in Tea Boss. 

Wenn man hier mal grade nicht damit beschäftigt ist Fotos zu machen, spielt man hier auch gut und gerne mal UNO

Allerdings erwartete mich zuhause eine böse Überraschung… meine Gastmutter hattet vor lauter Gäste aus den USA und Organisation von Familienfesten vergessen die Stromrechnung zu bezahlen. Deshalb wurde uns der Strom abgestellt. Da kommt Freude auf…

Allerdings hatte mein Gastvater die clevere Idee eine Lampe und einen Ventilator mit dem Auto zu betreiben, also gab es zumindest etwas Wind. Besonders gut geschlafen habe ich nicht, aber naja was soll man machen…

Der nächste Morgen: in der Hoffnung ich könne in der Schule mein Handy laden, packte ich meine Steckerleiste plus sämtliche Kabel ein. Allerdings stellte sich heraus, dass mal wieder eine ganz tägliche Wartung am Stromnetz stattfand, sodass ich bis 17 Uhr keinen Strom hatte…

Das Ende vom Lied war dann, dass ich am nächsten Morgen nach Alaminos fuhr, um Lukas, den einen Freiwilligen aus Manila abzuholen, der zusammen mit Alice das Wochenende hier mit uns in Alaminos und Umgebung verbringen würden. Allerdings war auch als ich wieder kam noch kein Strom, bis wir dann irgendwann bemerkten, wie ein Hebewagen vor unserem Haus hielt und eine gewisse Vorrichtung wieder anschraubte. Dann ging auch der Strom wieder – endlich, nach über 36 Stunden ohne… 

Lukas, der über Nacht aus Manila gekommen war, hatte Schlaf ebenso nötig, wie ich, weshalb wir uns erstmal ein kurzes Nickerchen genehmigten. 

Später ging es nach Alaminos, zu Tea Boss, um mit Theresa und Alice gemeinsam unseren Flug zum Zwischenseminar nach Negros zu buchen. Lustigerweise findet das Zwischenseminar genau über meinen Geburtstag statt. Meiner Ansicht nach feiern die Deutschen immer noch am besten, zumal ich viele von denen ja auch schon vom Wiedervereinigungsabend der deutschen Botschaft kenne. Abends ging es dann mit Arnold, Ericka und Luck feiern.

Was für mich eine regelmäßige Freude war, ist für Theresa, Alice und Lukas das erste mal gewesen: Pigar Pigar!

 Allerdings ging die Party so lange, dass wir am nächsten Morgen schwer aus dem Bett kamen. Wir hatten nämlich geplant auf die 100 Islands zu fahren. Diese waren allerdings wegen schlechten Wetters nicht anfahrbar, weshalb wir uns kurzerhand nach Bolo Beach hatten fahren lassen, wo wir bereits einmal mit Father Mel in unserem Eingewöhnungsmonat waren. 

Am Abend brachten wir die beiden dann zum Bus Terminal nach Alaminos. 

Viermonatiges

Vielleicht zum Schluss noch. Diese Woche bin ich jetzt bereits vier Monate auf den Philippinen. Auch wenn ich volle Monate immer gern zum Ziehen eines Resümees nutze, fällt mir dies zunehmend schwerer. Es ist nun mal normal geworden hier zu sein. Alles hat seine Ordnung, also soweit das hier möglich ist und ich habe auch einen mehr oder weniger geregelten Tagesablauf. 

Was ich sagen kann, was ich klar vermisse ist es zu diskutieren oder es sogar zu müssen. Auch wenn man hier eine für Filipinos kontroverse Meinung hat, wird dies meistens mit einem okay beantwortet. Besonders gemerkt habe ich, dass mir das fehlt, als ich mit Lukas die Chance hatte über Gott und die Welt zu diskutieren. Ihm geht es tatsächlich auch so, weshalb es immerhin nicht langweilig wird, wenn wir beide uns sehen…

Da ich auch nicht grade der Sportlichste bin und wir halt nur an der Seite sitzen und das Spiel bewerteten, waren auch die letzten zwei Wochen nicht so besonders spannend für mich. Ich fand das schade. Ich freue mich mittlerweile darauf einmal wieder zu unterrichten ohne, dass großartig irgendwelche Gäste oder Aktivitäten dazwischen kommen. Meine Stärke ist dann nämlich eher Mathe oder Geographie zu unterrichten, als Sport…

Was aber eine deutliche Verbesserung zu den letzten Monaten darstellt ist, dass ich seit dem Zwischenfall mit dem Strom öfter mal ohne Klimaanlage schlafe. Es ist zwar weiterhin warm wie eh und je, aber trotzdem schalte ich zumindest mal für die halbe Nacht oder noch länger die Klimaanlage aus, weil es mir schlichtweg zu kalt ist. 

Dass es hier auf den Philippinen aber noch deutlich kälter geht, zeige ich in meinem nächsten Blogeintrag…

P.s. vielen Dank für die Wahl in den Pfarrgemeinderat. Trotz meiner Abwesenheit habe ich trotzdem die drittmeisten Stimmen erhalten, dafür wollte ich auch noch einmal hier danke sagen!

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