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Ich fange einfach mal an…

Ich lebe jetzt beinahe 2 Monate auf den Philippinen. Und was soll ich sagen, ich habe mich mittlerweile so an das Leben hier gewöhnt, ich weiß schon gar nicht mehr richtig was ich schreiben soll. 

Das kommt daher, dass in den ersten Wochen einfach alles neu für einen ist: Die Kultur, die Leute, das Essen, die Arbeitsstelle, die Transportmittel – einfach Alles! Aber mittlerweile ist es einfach schlichtweg Normalität geworden. Es ist schon so normal für mich, dass ich fast nur noch in langen Jeans herumlaufe, weil selbst das Klima für mich normal geworden ist. 

Auch der Umrechnungskurs für den Peso, der für mich und Theresa glücklicherweise, für alle anderen unglücklicherweise sank, ist bei mir im Kopf fest drin. Danach kann ich immer gut beurteilen, ob etwas teuer ist oder nicht. Hat etwas den gleichen Preis wie in Deutschland? Dann ist es verdammt teuer..!

Ein einzigartig gestaltetes Jeepney in Manila

Verkehr auf den Philippinen 

Ein weiterer Punkt, an den man sich hier erst gewöhnen muss, ist beispielsweise der Verkehr. Wer mich kennt, weiß dass ich am liebsten Bahn fahre. Ruhig, schnell und manchmal auch pünktlich. Zudem hat die Bahn dort einen festen Fahrplan, der dann ab und an auch mal eingehalten wird…

Außerdem geht man in Deutschland am Zebrastreifen über die Straße, wenn das Auto angehalten hat. Oder wenn die Ampel grün zeigt. 

Das ist hier auch anders. Hier sind die Fahrzeuge andere und auch wie gefahren wird ist sage ich mal eher flexibel. 

Was ich hier aber wirklich sehr gern habe, was aber so gar nicht, wie die Bahn ist, sind Jeepneys. Ich habe darüber bereits schon einmal geschrieben, aber ich muss es einfach nochmal erwähnen. Ich liebe diese Art der Fortbewegung. Jeepneys sind wahrscheinlich doppelt so alt, wie ich, weshalb eben noch auch entsprechend Abgase ausgestoßen werden – ungefiltert! Aber das hat einfach seinen Charme. Man sitzt meist eng aneinander gepresst mit 19 anderen Leuten auf Bänken, natürlich ohne Gurt und hinten mit Tür offen. Das Jeepney fährt auch erst los, wenn das Jeepney voll ist. Das klingt jetzt aber schlimmer, als es ist. Wenn das Jeepney bremsen muss, quetscht es sich eben vorne und beim beschleunigen eben hinten. Hierfür gibt es also auch eine Lösung. 

Ich finde es einfach schön damit zu fahren, da sie sich aufsammeln, wo du willst und dich auch wieder raus lassen, wo du willst. Das ist echt flexibel. 

Was ich dagegen aber wirklich hasse sind Tricycles. 

Damals in Indiana Jones und der letzte Kreuzzug war der Beiwagen für Indy‘s Vater noch cool, aber hier sind die echt nur nervig. 

Tricycles sind – im Gegensatz zu Jeepneys echt teuer – aber auch verdammt langsam. Die haben eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 40 Km/h und blockieren damit die gesamte Landstraße. Das ist echt ärgerlich…

Zudem passen in ein Tricycle neben einem Fahrer nur drei weitere Leute rein. Wenn du dann noch etwas größer oder breiter, als ein gewöhnlicher Filipino bist, kann die Fahrt schon echt unbequem werden. Deshalb vermeide ich Tricycles bis jetzt ziemlich erfolgreich…

Wie ich gesagt bekommen habe, plant die Regierung Tricycles zu verbieten, würde sich dann aber mit einer ganzen Berufsgruppe anlegen. 

Ich sage mal so, würden Tricycles schneller fahren können, wäre es nicht ganz so schlimm, aber krieg das hier mal durchgesetzt…

Als Fußgänger geht man hier über die Straße, wenn man sich sicher ist, dass man nicht überfahren wird. Zögern ist nicht! Gehen oder bleiben. Und da es gerade in der Hauptverkehrszeit doch mal voll auf den Straßen werden kann und Filipinos nicht gerne rennen, heißt es grade in Gruppen dann eher warten. 

v.l. Marvin, ich, Arnold und Luck beim Pigar Pigar essen
Hin und wieder haben wir auch Spaß…

Zeitgefühl

Warten ist ein gutes Stichwort, denn Pünktlichkeit ist hier auch flexibel. Meine besten Freunde hier haben es mittlerweile verstanden, dass man in Deutschland pünktlich kommt und befolgen dies auch entsprechend. Wenn ich sage, ich bin um 16:30 Uhr vor der St. Jospeh Cathedral in Alaminos, dann sollten sie um 16:30 Uhr auch dort sein, dass wir starten können…

Aber ansonsten geht es halt meist danach, wenn alle fertig sind. Ein demokratisches Zeitgefühl – auch ein interessantes Konzept. 

Zudem läuft hier für gewöhnlich alles über die Gruppe hier ist man nicht allein, sondern immer mit jemandem zusammen. 

Es läuft hier etwas kollegialer, als in Deutschland. Als ich meinen Freunden erzählt habe, dass man in Deutschland eher unter sich bleibt – eben eher bei Leuten, die man gut kennt, haben sie mich verdutzt angeschaut und gefragt, wie man dann neue Leute kennenlernt. Dafür gibt es auf den Philippinen ein Rezept: Du bist das „Mitbringsel“ auf einer Party. Wenn man sich dann noch gut Namen merken kann – nicht so wie ich, hat man auch schon neue Leute kennengelernt. 

Vielleicht sollte ich aber noch dazu sagen, dass ich diesen Tapetenwechsel doch die meiste Zeit sehr zu schätzen weiß. Auch wenn es hin und wieder wie meckern rüber kommt, sollte ich vielleicht noch sagen, dass ich hier sehr viel lerne. Man muss hier vieles mit Humor nehmen. Humor einfach in allen Eigenschaften, die menschlich sind. Aber auch Entspannung und überrascht zu werden, lerne ich hier zur genüge. Manchmal ist es vielleicht einfach die beste Option sich keine Gedanken zu machen, was nachher kommt und sich einfach entspannt treiben zu lassen. 

So wie ich gehört habe, soll eine Altersvorsorge hier eher unüblich sein, da man sich eben nicht um die Zukunft sorgen möchte. Irgendwie ein schöner Gedanke. Da hier eher alles über die Familie läuft, kann man hier die Kinder als Altersvorsorge betrachten. 

Matheunterricht mit Sir Max
Geduld ist nicht meine Stärke…

Uff de A’beit

Vielleicht noch ein paar Worte zu meiner Arbeitsstelle, in der ich jetzt bereits einen Monat arbeite. In der Zeit gab es öfter mal Tage, an denen es ein besonderes Programm gab. Beispielsweise haben wir ein paar typisch philippinische Spiele vorbereitet und diese dann zusammen mit Leuten vom Kuwanis Club gespielt. Danach gab‘s dann auch noch essen…

Oder einen Wettbewerb für die beste Sportkleidung und und und…

Ich muss aber sagen, dass ich die normalen Tage lieber habe. Teilen meiner Kollegen geht das aber auch so. Es ist dann meist laut, voll und eben nicht ruhig. Es ist dann doch schon anstrengend. 

Das erinnert an eine ehemalige Lehrerin von mir, die mit ihrer Klasse in die Stadt gefahren ist, in der sie wohnt, da sie es dann nicht so weit hat. Das war halt wirklich nicht so cool für die Schüler, da alle anderen Klassen eben an Orte fuhren, die sie erstens nicht schon kannten und zweitens eben auch wirklich was erleben würden. 

In diesen Momenten konnte ich sie verstehen und alle anderen Lehrer, die all die Jahre keine Lust auf Ausflüge hatten. Es ist nun mal schlichtweg einfacher, aber ob im Bereich der Bildung einfacher immer das Richtige ist, lasse ich jetzt mal dahingestellt…

Aber ich muss auch sagen, dass ein normaler Tag anstrengend sein kann. Aber nach einem normalen Tag habe ich zumindest das Gefühl, wirklich etwas geschafft zu haben, da man in Mathe, mit der Schülerin weiter gekommen ist. Ich habe mir, nach der Absprache mit Madame Pinky, auch vorgenommen meine Schülerin zukünftig auch in Geographie zu unterrichten, da ich darüber zuvor ein Buch gelesen hatte. Das Buch ging eigentlich um Außenpolitik, aber dafür benötigte man ein Grundverständnis an Geographie. Das hat bei mir die Lust geweckt. 

Generell lese ich momentan sehr viel, da ich hier relativ Zeit habe und ich meinen Kopf bei Laune halten will. 

Aber zurück zum Thema: Mittlerweile unterrichte ich auch manchmal andere Schüler. Meistens in Mathe. Dann meist Einfacheres, aber dann auch manchmal für taubstumme Schüler, was dann wirklich eine Herausforderung ist. 

Interessant war, dass ich vorletzte Woche zu dem Wochenende und einem Feiertag zusätzlich noch zwei weitere Tage frei hatte, aufgrund von Typhoongefahr. Vielleicht sollte ich anmerken, dass ich davon nichts mitbekommen hat und ich auch niemanden kenne, der hier betroffen war.

Austausch

Ich lebe jetzt knapp 2 Monate in einem anderen Land ohne meine Familie, in einer Kultur ohne meine deutschen Freunde und ich muss sagen, es kommt in letzter Zeit immer seltener vor, dass ich mir denke: „Lasst mir alle die Ruh‘!“

Diese Momente gab es und gibt und wird es auch weiterhin geben. Vor allem dann wenn man eben mit gewissen Teilen der Kultur aneckt. Oder mit den Menschen. Oder mit dem Essen. Aber das gibt einem dann auch den Drang darüber nachzudenken und nach einer gewissen Zeit kann man sich irgendwie damit arrangieren. 

Theresa und ich planen unsere Vietnam-Reise bei Tea Boss

Eine weitere Sache, die Theresa und ich mittlerweile machen; wir treffen uns für gewöhnlich ein Mal in der Woche, meist auf einen Milktea bei Tea Boss – unserem Lieblingscafé in Alaminos – und reden einfach deutsch. Das tut echt gut!

Auch wenn wir beide immer wieder gesagt bekommen, wie gut wir englisch sprechen können und das im Alltag auch nie wirklich ein Problem ist, tut es dann doch mal gut, wieder in der Sprache sprechen zu können, die man gewohnt ist und in der man nach wie vor auch denkt. 

Das ist nämlich ein interessantes Phänomen, was mir vor kurzem aufgefallen ist, ich denke teilweise, wenn ich viel englisch spreche, in englisch. Das habe ich so vorher noch nie gehabt, aber das nur so nebenbei…

Meist reden wir dann darüber, was wir so erlebt haben und was uns teilweise dann doch etwas verwundert oder genervt hat. Da bin ich dann manchmal dann doch recht froh, dass ich mit meinen Konfrontationen nicht alleine bin. Diesen Stoff, der am Ende zu einer Konfrontation führt, den bringt man ja schließlich mit und dann ist es eher schwierig darüber mit einheimischen zu sprechen, da die das dann teilweise nicht nachvollziehen können, da ihnen meist der Vergleich fehlt. 

Die anderen Seiten…

Ein Thema über das auch nicht gern gesprochen wird ist Armut. Armut erlebe ich hier tagtäglich. Ob auf meiner Arbeit, im Supermarkt oder schlichtweg auf der Straße. Armut ist hier allgegenwärtig. 

Sie begegnet mir in der Schule, wenn wir einen einen Wettbewerb für die schönste Sportkleidung veranstalten und es Kinder gibt, die sich andere Kleidung einfach nicht leisten können. 

Sie begegnet mir im Supermarkt, wenn ich mit einem ungerechnet 20€ Schein bezahle und ich am Blick des Verkäufers erkenne, dass das gerade wirklich wirklich viel Geld ist, was er nicht mal an einem Tag verdient. 

Sie begegnet mir auf der Straße, wenn ich kleinste Hütten sehe, in denen ganze Familien leben. 

Was Armut angeht, habe ich hier bereits einiges gesehen. Ich lebe hier noch in einer Wohlhabenden Familie. Wlan, Klimaanlage, Fernseher…

Aber das hat hier nicht jeder und das bringt einen dann doch zum grübeln. Ich komme hier in ein Land, in dem der mittlerweile normale deutsche Lebensstandard absoluter Luxus ist. Das schockiert dann schon. Ich frage mich, was denn der Grund dafür ist. 

Wenn man aus einer anderen Perspektive in das Land schaut, wie ich gerade, stellt man natürlich fest, was aus der eigenen Sicht falsch läuft. Dies kann aus meiner Sicht aber schon bei der Anschnallpflicht anfangen. Deshalb halte ich es aber für falsch wie es bereits so oft auf den Philippinen geschehen ist, mit einer Überheblichkeit zu behaupten man wisse, was für das jeweilige Land das richtige sei und dies dann der Bevölkerung hier aufzuzwingen. Innovation und Entwicklung entsteht nicht unter Zwang, sondern unter Freiheit und Wissensdurst, durch Lust nach Aufbruch. 

Ich möchte damit keinesfalls entwicklungspolitische Projekte schlecht reden, ich sage nur, dass diese nur einen Sinn ergeben, wenn dies im Dialog geschieht. 

Ich merke es einfach immer wieder, wie vieles man erstmal nicht versteht, wenn man es aus deutscher Sicht betrachtet. Dazu hilft es dann auf der anderen Seite dann auch, eben mal mit nicht-Deutschen über seine Verwunderung zu sprechen. 

Dann kann es durchaus passieren, dass man nach knapp zwei Monaten durch das Haus der Gastfamilie läuft und sich fragt, ob man sich grade wirklich auf den Philippinen befinde. 

Ich hatte mir meinen Aufenthalt teilweise mehr abenteuerlich vorgestellt, als er dann tatsächlich die meiste Zeit ist. Eine Sache, die es dann tatsächlich doch immer mal wieder abenteuerlich macht, sind die Stromausfälle, die es hier gibt. Ich weiß wirklich nicht, ob es am Wetter liegt, denn stark regnen, tut es momentan immer noch recht häufig und auch recht stark. Aber zum Beispiel heute bin ich aufgewacht, weil meine Klimaanlage ausgegangen ist. Das war nicht weiter schlimm, da es die ganze Nacht geregnet hatte und somit kühl war. 

Ich legte mich also wieder aufs Ohr, bis ich kurz darauf eine Nachricht von Theresa bekam, die offenbar bald mit einem leeren Handy-Akku da stehen würde. Das macht die Sache – zumindest für sie abenteuerlich. Meins war über die Nacht geladen gewesen und ich hatte noch eine Powerbank da, die mir notfalls noch die Verbindung nach zuhause retten würde. 

Tatsächlich habe ich einen Stromausfall wie diesen – in einer solchen Länge hier noch nie erlebt. Es gab einige kürzere, ich habe mitgezählt, es waren 9 Stück in meinem gesamten Aufenthalt hier auf den Philippinen. Dieser jetzt war bis jetzt wirklich der stärkste. Theresa war dafür sogar bereit jetzt nach Alaminos zu fahren, da es dort einen Generator gibt. Ich bin gespannt, wie lange diese Situation hier noch anhält…

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