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Einmonatiges

Heute ist es schon so weit: ich lebe nun bereits einen Monat auf den Philippinen. Es ist wirklich unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht.

Ich muss aber sagen, es fühlt sich an, als wäre ich schon eine Ewigkeit hier. Nicht weil es mir hier nicht gefällt, sondern weil wir einfach mit Erfahrungen und Eindrücken bombardiert werden!

Aber nun mal zurück zum Anfang; Was habe ich bis jetzt alles erlebt?

Die letzten vier Wochen waren ruhig und turbulent zugleich. Wir waren viel unterwegs, hatten aber auch viel Zeit für uns selbst – was auch gut war.

Wir haben angefangen Tagalog bzw. Filipino zu lernen, das zusammen mit Englisch die Landessprachen auf den Philippinen sind. Wir haben Bekanntschaften gemacht und Freundschaften geknüpft und vor allem ganz viel gegessen!

Aber mal der Reihe nach. Etwa in den ersten zwei bis drei Wochen – ich weiß es schon gar nicht mehr so genau – haben wir uns die verschiedenen Gemeinden und Projekte angeschaut. Normalerweise heißt es ja immer, das was zuletzt kommt, bleibt am ehesten im Gedächtnis, aber mir blieb der erste Ort am besten in Erinnerung. Es ist kein Geheimnis, dass ich Bani von Anfang an sehr schön fand, weshalb ich nächste Woche nach Bani ziehen werde, um dort in der Sped-Class zu arbeiten. Ich hatte mich einfach gut mit den Menschen in Bani verstanden, sowohl in der Gemeinde, als auch am Arbeitsplatz, weshalb ich für die anderen Projekte etwas voreingenommen war… 

Platz zwei wäre Mabini gewesen – der letzte Ort, den wir besucht hatten, aber für den hatte sich Theresa entschieden, von daher passte dies gut. Ob wir beide in eine Gemeinde, geschweige denn in ein Projekt hätten gehen können, weiß ich bis heute nicht, aber das spielte auch nie eine Rolle.

Die darauf folgenden zwei Wochen haben wir dann fast nur noch Tagalog gelernt und – man kann es wirklich nicht anders nennen – Urlaub gemacht. Wir haben auch diese Woche noch jeden Tag zwei Stunden Tagalog am Tag. Eine Stunde am Morgen bei Madame Santos, um Konversation zu üben und eine Stunde Grammatik am Nachmittag bei Father Mel. Dazwischen haben wir frei. Das ist recht angenehm. Viel Zeit für sich und für die neu geknüpften Freundschaften, aber dazu komme ich später noch einmal.

Ein paar der anderen Freunde hatten wir vor einigen Wochen durch Zufall kennen gelernt. 

Zu Gast bei Jorelyns Familie

Freundschaft durch Zufall

Father Mel hatte uns als „Mitbringsel“ auf eine Thanksgiving-Feier nördlich von Dagupan mitgenommen. Theresa und ich wussten nicht so recht – wie so häufig – was uns an unserem Zielort erwarten würde. Nach etwa anderthalb Stunden Fahrt mit unserem Fahrer Noli und Father Mel stieg „Ate Nila“ zu. 

Ich merke grade, wie viel ich erlebt habe, dass ich noch nicht über Bruno und Nila geschrieben habe.

Bruno und Nila waren Father Mels Gastfamilie, als er in Europa studiert und gelebt hat. Sie lebten damals in Luzern und haben beide die schweizer Staatsbürgerschaft. Doch vor einigen Jahren entschlossen sich die beiden auf die Philippinen zu ziehen. Nila ist selbst Philippina, weshalb Mel damals über die philippinische Gemeinde in Luzern zu Bruno und Nila kam. Father Mel ist regelmäßig bei ihnen zum essen eingeladen, wozu er uns einmal mitgenommen hatte, als wir ein Projekt in Dagupan besuchten. Dort hatte mir kuya Bruno und Ate Nila – also großer Bruder Bruno und große Schwester Nila – das San Miguel Grande näher gebracht. Father Mel hatte uns bereits San Miguel probieren lassen. Ich mag es wirklich gern. Es ist eine gute Alternative zu deutschem Bier. Allerdings war San Miguel Grande noch mal ein Level mehr. Bei San Miguel Grande handelt es sich um eine 1-Literflasche San Miguel. Einige Wochen später ließen uns Bruno und Nila eine weitere Flasche San Miguel Grande zukommen. Bruno und Nila wollten es offenbar nicht haben, weshalb wir dies dann gemeinsam an unserem „Deutschen Abend“ tranken. Theresa und ich hatten an einem Abend Schnitzel mit Bratkartoffeln gekocht.

San Miguel GRANDE

Jetzt ist auch klar, wer Nila ist. Dass hier aber noch viele weitere Schweizer auf uns warteten, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Zusammen mit Nila fuhren dann noch eine Weile weiter mit dem Auto, bis wir irgendwann an einer Villa hielten. Überall Menschen um unsere Auto herum. Dies sollte der Ort sein, wo wir Jorelyn kennenlernen würden. 

Relativ schnell fanden wir heraus, dass auf dieser Feier noch mehr Schweizer waren, die natürlich auch deutsch konnten – eine Erleichterung! 

Die Gastgeberin war eine alte Bekannte von Father Mel, dessen Nichte Jorelyn war mit der wir uns relativ schnell angefreundet hatten. Ein Essen und eine Diskussion zwischen Theresa und Jorelyns Vater zum Thema Ökologie später waren wir für die Woche darauf in Manila eingeladen.

Manila, die dritte

Nun hatten wir endlich auch mal die Chance Manila wirklich kennenzulernen und eben nicht nur das Immigration Office und den Jollibee dort um die Ecke.

Am Montag darauf fuhren Theresa und ich morgens um 3 Uhr mit dem Nachtbus nach Manila.  Deutschland hat die Deutsche Bahn und Flixbus, die Philippinen haben Victory Liner und Five Star. Wer schnell durchs Land kommen will, kommt um diese Unternehmen eigentlich nicht drum rum.

Jorelyn und ihre Eltern holten uns netterweise vom Cubao Terminal, wo die Fernbusse ankamen, ab. Wir legten nur kurz unsere Sachen ab und machten uns dann schon auf den Weg in die Greenhills Mall. Theresa und Jorelyn ergatterten einige Schnäppchen und ich kam auf meine kulinarischen Kosten. Später würden wir noch mit ihren Cousins und Cousinen essen und in eine Bar gehen. 

Am Tag darauf war Sightseeing angesagt!

Das erste Mal während meines Philippinen-Aufenthalts hatte ich hier einmal wieder die Chance mit einer Bahn zu fahren – mit der Manila Lightrail – einer Hochbahn, die hier ebenfalls pünktlicher ist, als die Deutsche Bahn…

Zum Abendessen besuchten wir ein typisch philippinisches Restaurant in der Mall of Asia und machten uns dann auf den Heimweg, denn wir würden ja noch in einen Club feiern gehen. Diesen verließen wir auch erst wieder, als es hell wurde. Wenn ich bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt einen Schlafrythmus gehabt haben sollte, war er spätestens jetzt zerstört. 

v.l. Ich, Jorelyn und Theresa in der Mall of Asia
Zu Gast bei der Familienfeier

Am Nachmittag waren wir zu Gast bei einer weiteren Familienfeier und anschließend ging es noch zum Bowling und Karaoke, bis wir dann um 3:30 Uhr morgens den Bus am Cubao Terminal in Richtung Alaminos nahmen. Ich war durch Interrail gut geübt gewesen, was schlafen im Sitzen angeht, weshalb ich beinahe die komplette Fahrt durchschlief – Theresa genauso.

Zurück in Alaminos

Den Morgen hatten wir von Father Mel frei bekommen. Wir hatten nur nachmittags eine Stunde Tagalog bei ihm. 

Für das Wochenende war eine Übernachtung in einer Gemeinde geplant, was aus gesundheitlichen Gründen des Priesters vor Ort jedoch ausfiel, weshalb wir uns entschlossen den Samstag sinnvoll zu nutzen. Wir fuhren nach Bolinao mit dem Bus und dann mit dem Tricycle weiter nach Patar, wo sich laut Internet die „Enchanted Cave“ befinden sollte. Es war wirklich schlechtes Wetter an diesem Tag. Deshalb hatten wir einen Deal mit einem Tricycle-Fahrer, dass er an der Höhle auf uns warten würde und uns anschließend zurück nach Bolinao bringen würde. 

Untertage-Swimmingpool

Überhaupt nicht überraschend war, dass wir die Enchanted Cave quasi für uns hatten, ebenso den anliegenden Pool. Bei dem Wetter wollte sich das eben niemand außer uns geben, aber ich sag’s mal so: wer beim schwimmen untenrum schon nass geworden ist, kann es auch von oben. Wir waren da nicht pingelig.

Priestday 

Am Tag darauf, dem Sonntag, wäre dann eigentlich ein freier Tag geplant gewesen. Ich wollte meine Kleidung waschen und später wollten wir zusammen zur Youth Mass gehen, einer eigenen Messe für die Jugendlichen in der Gemeinde um 17 Uhr. Eine super Sache, wie wir finden. Denn ich stelle mir die Frage: warum muss ich an 5-6 Tagen in der Woche früh aufstehen, um dann am Sonntag ebenfalls früh aufzustehen? So füllt man sonntags nämlich auch eine Kirche mit Jugendlichen. Wer seine Jugend genießt und am Samstag einfach mal länger weg bleibt, sollte dann nicht übermüdet in die Kirche müssen. 

Daher meine Empfehlung an Deutschland: Jugendmessen besser nachmittags!

Neben dem Waschen hatte ich mir vorgenommen nach Lucas Wharf mit dem Fahrrad zu fahren, da das Wetter an diesem Wetter einigermaßen gut war. Durch die Regenzeit ist es nicht immer so einfach sich hier sportlich zu betätigen… Aber es sollte anders kommen. Ich bekam eine SMS von Anette, einer Mitarbeiterin des Bischofs, dass wir doch bitte zur Feier des Priest Days kommen sollen. 

Offenbar ist der 4. August hier auf den Philippinen ein anerkannter Tag zum Feiern der Priester der jeweiligen Gemeinde. Ich würde behaupten, es ist wie ein zweiter Geburtstag. 

Es gab ein vorbereitetes Programm, das Leute aus dem ganzen Bistum Alaminos vorbereitet hatten und aufführten. Danach gab es Essen und Geschenke für die Priester. Als deutsche Gäste durften am Priestertisch sitzen. Ich verstehe bis heute nicht, warum wir hier auf dem Niveau eines Priesters gehandhabt werden…

Dort lernten wir bei Pancit und Frühlingsrollen Father AJ kennen. Er ist der jüngste Priester in der Gemeinde und deshalb für die Jugend zuständig. Er stellte uns kurz darauf „seine“ Jugend vor. Von Schülern bis zu Lehrern, war alterstechnisch alles dabei. Wir wurden direkt eingeladen später mit Ihnen den Priestertag zu feiern. Es gab Kuchen, Pizza und Nudeln, sowie ein vorbereitetes Video für Father AJ. Sie haben versucht mir einen Tanz beizubringen, da ich aber, was Tanzen angeht, so unbegabt bin, gaben wir das relativ schnell auf. Ich hingegen zeigte ihnen dann den Burgersong von DJ Ötzi – liebe Grüße an Tobias aus Neupotz. Wer den Song nicht kennt, einfach mal googeln 😉

Später ging es dann doch noch in die Youth Mass und danach mit dem Tricycle nach Lucap Wharf, wo wir alle zusammen zu Abend aßen und uns weiter kennenlernten. 

Unterwegs mit der „Youth of Alaminos“

Man hatte uns schon mehrfach versucht Balut anzudrehen – eine typisch philippinische Spezialität. Nur an diesem Abend besonders penetrant. Ich werde hier nicht erklären, was das genau ist, ich sage nur so viel, ich hatte bereits beim Anblick davon einen Würgereiz. Theresa hatte es tatsächlich probiert – ich nicht und das war auch gut so.

Wie ich bereits am Anfang des Blogs schon geschrieben habe, kann ich es immer noch nicht fassen, dass ich jetzt schon einen Monat am anderen Ende der Welt lebe. 10.000 Kilometer weg – 6 Zeitstunden unterschied – 16 Flugstunden von daheim entfernt, aber muss sagen ich finde es gar nicht schlimm. Die Philippinos sind so zuvorkommend, hilfsbereit und einladend, da kann man sich wirklich nur wohl fühlen. Ich geb’s zu ich hatte auch meine Momente, in denen ich die Heimat und vor allem Familie, Freunde und Haustier vermisst habe, aber das gehört auch ein Stück weit dazu. Das kann man eben nicht so einfach abstellen. 

Durch soziale Medien ist es ja wirklich einfach geworden in Kontakt zu bleiben. Ich telefoniere jeden Sonntag mit einer Familie und regelmäßig auch mit einigen Freunden, bin also immer auf dem neusten Stand, was in der Heimat abgeht. Ich lese auch weiterhin Nachrichten, ich weiß also auch, dass die EU eine neue Kommissionspräsidentin hat, Deutschland eine neue Verteidigungsministerin und Großbritannien einen neuen Premierminister (…) hat.

Aber nur Vorteile hat es natürlich nicht. Es ist manchmal schwer die doch recht viel gewordenen Nachrichten einfach mal zu ignorieren und hier zu leben. Schwierig sind die Momente, in denen das Smartphone die Priorität Nummer eins hat…

In solchen Momenten ist es dann einfach auch mal das Beste die Heimat warten zu lassen. Nicht das Beste für die Heimat, aber das Beste für mich selbst.

Glücklicherweise ist es hier auf den Philippinen üblich, sich jeden Tag zu treffen und etwas zu machen. Die Freundschaften, die wir hier knüpfen, sind also alltäglich spürbar. Hier muss ich persönlich aber auch hin und wieder sagen, dass ich Zeit für mich selbst brauche und dass mir tägliches Treffen dann doch zu viel werden kann.

Alles in allem bin ich aber sehr zufrieden mit der Situation, in der ich mich befinde. Als ich neulich von unserem Kurztrip aus Manila zurückgekommen war und morgens durch die Tore der St. Joseph Cathedral schritt und dann in mein unaufgeräumtes Zimmer blickte, verspürte ich ein Gefühl von heimkommen. Ich bin endlich angekommen – und nächste Woche geht’s schon wieder weiter – an einen anderen Ort. 

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