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Die Arbeit ruft!

Am Sonntag habe ich Alaminos, nach einem Monat Eingewöhnung wieder verlassen müssen. Müssen ist wahrscheinlich etwas zu hart. Jetzt ist auch mal wieder Zeit produktiv werden – so nach vier Wochen „Urlaub“…

Nun musste der Koffer gepackt werden und mein Zimmer geräumt werden. Ich habe das Gefühl der Inhalt meines Koffers ist deutlich mehr geworden…

Theresa hatte ich zuvor verabschiedet und dann ging es für mich los. Wir beide hatten es ja nicht wirklich weit zu unserem neuen Zuhause. Nur 13 Kilometer wohne ich jetzt von Alaminos entfernt. 

Begrüßt wurde ich typisch philippinisch – mit einem Musik, Tanz und viel Essen. 

Ok, ich muss gestehen die Feier war nicht nur meinetwegen, es wurde auch ein Priester, Reverent Manni Unto, der die Gemeinde Bani verließ verabschiedet und ich willkommen geheißen. Somit wurden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Aber ich denke auch wenn ich der einzige Grund gewesen wäre zu feiern, hätte die Feier nicht anders ausgesehen. Das beweist Theresas Willkommensfeier. 

Es gab einige nette Grußworte sowohl von der Jugend, aber auch von Vertretern des Parish pastoral council – dem philippinischen äquivalent zum Pfarrgemeinderat, dem Priester Father Marco und zum Schluss von mir selbst. Ich war nicht vorbereitet, obwohl ich es ja eigentlich hätte wissen müssen. Also sagte ich einfach das was tatsächlich mein Grund gewesen war nach Bani zu kommen – der freundliche Empfang der Menschen dort, was sich ja in diesem Moment erneut bestätigt hatte. 

Nach einiger Zeit des ausgelassenen Feierns holte mich meine Gastmutter Madam Nida ab und wir gingen nach Hause. Ich hatte zwar meinen großen Koffer und meinen Reiserucksack dabei, aber das war kein Problem, da ich fast auf der anderen Seite des City Plazas wohnte, der direkt neben der Kirche ist. Ebenfalls nah von meinem neuen Zuhause befand sich Franks N‘ Burgers, ein kleiner Burgerladen, der wie mir Madam Nida erzählte auch Christian, meinen Vorgänger öfter in seinen Bann gezogen hatte… ich habe ihn mittlerweile schon ausprobiert. Mein Fazit: gut und günstig, aber leicht süßlich. 

v.l. Meine „neue“ Tante, Cousine, ich, mein Gastvater, meine Gastschwester und meine Gastmutter

Das neue Zuhause 

Als wir in meinem neuen Heim ankamen, begrüßte mich auch gleich mein Gastvater Jojo. Mit ihm, seiner Frau Nida und der Tochter Sofia würde ich mir dieses Haus die kommenden 11 Monate teilen. Auch wenn das eigentlich gelogen ist, wenn man das Zwischenseminar, die Zeit bei Preda und den Urlaub rausrechnet. 

Mein neues Zuhause war wirklich schön eingerichtet. Es gab einen Fernseher, zwei Sofas, überall Ventilatoren, eine Hängematte und was das beste war: ein eigenes Zimmer mit großem Bett und Klimaanlage und WLAN. Wie die Toilette und die Dusche aussieht, dazu komme ich noch. 

An diesem verregneten Sonntag ging nicht mehr so besonders viel. Was auch gut war, denn ich war wirklich müde, warum auch immer. Ich legte mich aufs Bett und schlief erstmal die nächsten zwei Stunden. Bis es dann irgendwann Abendessen gab. Es gab erneut Pancit, mein Lieblingsessen hier auf den Philippinen. Das sind quasi einfach nur gebratene Nudeln mit immer anderen Beilagen. Schlicht aber gut. 

Nach dem Essen zog ich mich auch schon relativ schnell wieder zurück in mein Zimmer, woraufhin ich nach dem Berichterstatten für Familie und Freunde auch recht schnell schlafen ging. 

Montag? Schulfrei!

Ich hatte mich am gleichen Tag noch direkt mit der dortigen Jugend in Kontakt gesetzt und eigentlich eine Radtour für den nächsten Morgen organisiert – für 6 Uhr morgens…

Würde ich heute nicht nochmal machen, hab ich auch nicht, denn es hat geschüttet, wie aus Eimern. 

Deshalb konnte ich mein neues Bett weiter zur genüge einliegen. Gegen 11 Uhr bin ich dann wieder aufgewacht. Meine Gasteltern waren grade auf dem Weg zum Einkaufen. Meine Gastschwester war bereits auf dem Weg ins Kino mit ihren Freundinnen. Ich hatte also einen Tag für mich. Kein Programm. Fand ich spitze. Ich verbrachte also den ganzen Tag entweder im Bett oder beim Lesen oder Serien schauen. Mir passte das recht gut, denn ich brauche für gewöhnlich an einem neuen Ort erstmal etwas Ruhe und Zeit für mich.

Gegen Nachmittag kamen meine Gasteltern wieder und gegen Abend meine Gastschwester. Abends schauten wir noch zusammen einen Film. Was ich wirklich nicht erwartet hatte, war dass meine Gastfamilie Netflix hatte. 

Privatunterricht

DIENSTag

Da ich den ganzen letzten Tag wirklich so gar nicht produktiv gewesen bin, kam ich am Tag darauf so gar nicht gut aus dem Bett. Ob die Dusche am Morgen gut gewesen wäre, weiß ich nicht, da ich dies am Abend bereits erledigt hatte. Bis es aber erstmal dazu kam, musste fast ein ganzer Tag vergehen. Ich hatte mich zuerst ein wenig davor gedrückt gehabt, da in der Dusche eine neue Erfahrung auf mich wartete. Es gab keinen Duschkopf, sondern einen Eimer mit Wasser und etwas, das die Filipinos Tabo nannten. Ein Tabo ist quasi nochmal ein kleinerer Eimer mit Henkel, der dann den Duschkopf ersetzt. Es war schlichtweg ungewohnt für mich gewesen, aber mittlerweile bin ich ein ziemlicher Profi darin geworden nur mit Tabo zu duschen. Ich habe auch das Gefühl, dass es damit schneller geht. 

Ach und nur so als Anmerkung, warmes Wasser hatte ich seit Deutschland nicht mehr gesehen gehabt…

Ich ging also zur Schule, die von meinem neuen Zuhause etwa 5 Minuten zu Fuß entfernt lag. Madame Pinky, meine Betreuerin in der Sped-Class, sowie meine Kollegen Sir Claro und Madame Riza kannte ich schon. 

Zu Anfang sollte ich mich einfach zu den Kindern setzen. Dies diente dazu, dass die Kinder mit mir vertraut wurden, wie mir Madame Pinky später erklärte. 

Relativ schnell fanden wir auch eine – ich nenne es gern Mission – Aufgabe, die ich über die Zeit hinweg erledigen sollte. Es gab dort ein Mädchen, das wie ich später gesagt bekam, Autistin ist, die aber sonst recht normal wirkte und wirklich clever war. Ich sollte sie von nun an in Mathe unterrichten. Kein Problem… immerhin hatte ich nen Mathe LK. Hätte ich auch einen Tagalog LK gehabt, wäre es sicher einfacher gewesen, aber nun ja. 

Sie verstand relativ gut englisch, nur sprechen konnte sie es nicht so gut. Das tat sie meist auf Tagalog, was ich weder verstand, noch darauf antworten konnte. 

Aber bereits nach den ersten Übungen merkte ich ihre Fortschritte. Sie hatte teilweise auch schon meine Schreibweise übernommen. Man muss dazu sagen, sie ist erst 9 Jahre alt, weshalb ihre Aufgaben auch noch Grundschulniveau haben und sie deshalb auch an den Fingern abzählt. Oder wie ich es ihr beim geteilt rechnen beigebracht habe mit Strichen zu arbeiten. 

Dies allein motivierte mich schon für den nächsten Tag. Ich war stolz ihr und den Kindern etwas beibringen zu können. 

Die nächsten Tage gingen um wie im Flug. Jeden Tag weitere Aufgaben für meine Schülerin vor, spielte in den Pausen Basket- oder Volleyball mit den Schülern oder lernte mit der anderen Sped-Class bei Madame Sheryl die Zeichensprache. 

Es ist nämlich so, dass die Hälfte der Schüler mich nicht verstehen, egal in welcher mündlichen Sprache ich mit ihnen rede. Denn sie sind gehörlos, genauso wie Sir Claro mit dem ich diese Woche größtenteils über ins-Handy-eintippen-und-zeigen kommuniziert habe. Er tat das genauso. 

Ich weiß nicht wieso, aber spätestens ab Donnerstag hatte Ate Pinky – sie wollte, dass ich sie so nenne – angefangen mit mir auf Tagalog zu sprechen. Nicht weil ich es so gut konnte, dies ist nämlich wala (nicht) der Fall. Ich weiß nicht wie sie darauf kam, dass ich auf einmal Tagalog sprechen konnte, aber wahrscheinlich wollte sie es mir einfach beibringen, denn hin und wieder verstand ich einen Fetzen und das reichte dann um den Satz zu verstehen. 

Somit würde ich jetzt zwei Sprachen lernen – wortwörtlich auch mit Händen (und Füßen)…

In der Mittagspause fuhr ich – wenn wir denn mal zur gleichen Zeit am gleichen Ort waren – mit meinem Gastvater, der ebenfalls an der Bani eastern integrated school arbeitete in seinem Tricycle nach Hause, um zu essen und meist auch um zu schlafen. Während ich auf ihn wartete oder wenn wir nachmittags zusammen nach Hause fuhren, lernte ich seine Kollegen kennen. Ein interessantes Gefühl jetzt mit Lehrern auf Augenhöhe zu reden und zu arbeiten…

Deshalb wurde ich am Donnerstag auch hin und wieder aus dem Unterricht zugezogen, da ich irgendwem wichtiges für Bildung vorgestellt werden sollte. Leider bin ich immer noch nicht gut darin mir Namen zu merken…

Am Freitag Nachmittag habe ich dann kurz das Basketballspiel „betreut“ und abends hatte mein Gastvater seine Kollegen – zu denen ich ja jetzt auch irgendwie gehöre – eingeladen zum Chicken feet essen und Bier trinken. 

Vor den Chicken Feet habe ich mich bis jetzt sehr erfolgreich drücken können, ebenfalls wie vor Balut. 

An diesem Abend lernte ich auch noch ein paar andere Lehrer von anderen Schulen kennen. Es ging teilweise auch um Politik, wobei jeder so ein bisschen aus der Heimat berichtete. Interessant finde ich, dass jeder mit dem ich mich bis jetzt so über die Politik auf den Philippinen unterhalten habe – das waren tatsächlich einige – irgendwie nicht so recht mit der Sprache rausrücken wollte, aber da doch einiges an Kritik in den jeweiligen Personen schlummerte. Ein interessantes Phänomen, was hier bei nahezu jedem wieder zu erkennen ist. 

Pancit bei guter Gesellschaft 😋

Endlich Wochenende

Ich war froh am Samstag ausschlafen zu können. 

Die Woche war wirklich hart gewesen, da ich an einem Abend auf einer Familienfeier eingeladen war, am anderen auf einem Geburtstag als „Mitbringsel“ dabei war. Dazu kam noch, da ich die letzten zwei Monate nicht wirklich einen geregelten Tagesablauf gehabt hatte. 

Ja ich weiß, in Alaminos gab es einen Tagesablauf, aber da wurden quasi keine wirklichen Ansprüche an mich gestellt. Jetzt musste ich 8 Stunden am Tag arbeiten, woraufhin ich dann abends immer direkt ins Bett fiel, sofern da keine Feier dazwischen kam…

Falls sich also jemand gewundert hat, warum ich immer 1-2 Tage zum antworten von WhatsApp-Nachrichten gebraucht habe, das war der Grund. 

Am Samstag Nachmittag war ein Programm der Kirchenjugend angesetzt, von dem ich einmal wieder nicht so genau wusste, was wir machen würde und wie lange es dauern würde. 

Über die Woche hinweg hatte ich guten Kontakt mit der Jugend in Alaminos, aber auch in Bani gehalten. Trotz erneutem nachfragen von mir bekam ich immer nur wage Antworten, aber naja. 

Sonnenuntergang im Infanta

Um 14 Uhr trafen wir uns an der Kirche. Um 16 Uhr ging es dann tatsächlich los. Der Priester, Reverant Manni Unto, der Bani verließ, tat dies eben an diesem Samstag. Dafür war extra ein Jeepney organisiert worden, damit ihn auch alle Jugendlichen, die wollten von ihm verabschieden konnten – in Infanta, das etwa eine Stunde mit dem Jeapny entfernt lag. Dort aßen wir dann zu Abend. Es gab mein Lieblingsgericht: Pancit! Nachdem wir dann auch genug Bilder vom Sonnenuntergang gemacht hatten, ging es dann auch wieder zurück nach Bani. Zwischendurch gab es noch für jeden eine Kokosnuss zum austrinken. Aus der Hülle würden wir dann später noch Kokosnusssalat machen. 

Der philippinische Durstlöscher
Hier bereiten wir grade den Kokosnusssalat vor

Der war für die Youth Catechism am nächsten Tag nach der Messe gedacht. Man muss es sich vorstellen wie eine Bibelstunde. Dies ist auch ein Weg gläubig zu erziehen. Ein Grund, warum dies tatsächlich auch funktioniert ist, da hier eben gut 20-30 Jugendliche teilnehmen und die Zeit zusammen verbringen können. Insgesamt eine gute Sache, aber wie ich schon gesagt habe, muss es denn wirklich Sonntag Vormittag sein?

Das war meine erste Woche an einem neuen Ort – in einem neuen Zuhause. Ich habe eine nette Familie, nette neue Freunde aus Kirchenjugend hier, nette Kollegen auf der Arbeit und genug Freiraum für mich. Auch wenn ich hin und wieder mal etwas zu verarbeiten habe, gefällt es mir gut hier. 

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