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Sach- und Beziehungsebene

Alle die mit mir das Vorbereitungsseminar in Bonn mitgemacht haben wissen, wovon ich spreche. 

Interkulturelle Kommunikation mit Max Engl. 

Trotzdem erkläre ich hier nochmal ganz kurz was das genau ist. Die Sachebene bezeichnet den Teil des Gesprächs, der sich rein auf die Sache bezieht. Ist diese Sache eben erledigt, ist das Gespräch für gewöhnlich vorbei. Sowas ist typisch für Deutsche. 

Dazu kommt noch die Beziehungsebene. Diese bezieht sich rein auf die Beziehung der Menschen, die grade mit einander kommunizieren. Das Gespräch ist also nicht rein sachdienlich, sondern eher zur Förderung der Beziehung (im besten Fall). Dies ist – wie mir immer wieder auffällt – auf den Philippinen meist der Fall. 

Ein Erlebnis, was perfekt beschreibt, wo die Unterschiede zwischen Philippinos und Deutschen liegen, ist mir heute morgen nach dem Frühstück passiert. 

Kurz vorweg: Hier in der Gemeinde St. Joseph in Alaminos gibt es wie in jeder Gemeinde ein Pfarrbüro. Eben jenes Pfarrbüro hat einen Bürohund (Haustiere im Büro sind übrigens die beste Erfindung nach dem grünen Abbiegepfeil, aber das nur nebenbei…). 

Eben jener Hund – ich glaube er heißt Coconut – lief frei im Hinterhof der Kirche herum, aber niemand war in der Nähe. Ich fragte mich, ob das so richtig war. Kurz darauf kam Theresa nach und ich bat sie auf den Hund aufzupassen, während ich ins Büro ging, um zu fragen, ob das so gewollt sei. 

Dort angekommen, kam mir eine der Frauen entgegen, die im Pfarrbüro arbeiten. Ich hatte ihren Namen leider nicht verstanden: „Hey Max, how are you? Do you like it here on Philippines?…“

Ich sagte ihr, dass ich mich nur vergewissern wollte, ob es ok sei, dass der Hund im Hinterhof bei offenem Tor frei rumläuft. Nachdem ich es auch geschafft hatte die richtigen Worte auf englisch zu finden und sie mich verstanden hatte sagte sie mir zu, dass es ok sei. Da ich es eilig hatte, da wir kurz darauf nach Bani fahren würden, verabschiedete ich mich und ging. 

Aber das war der große Unterschied, sie dachte es geht um einen gewöhnlichen Plausch, den man hier wirklich oft führt, aber für mich ging es nur darum, dass der Hund sicher ist. 

Das sind eben Situationen, an die man sich erst gewöhnen muss. 

Ihr ging es darum die Beziehung zu stärken und sich ein bisschen zu unterhalten, ich hingegen wollte nur die eine Sache abklären. Das war von mir auch ganz und gar nicht böse gemeint, es ging mir in dem Moment tatsächlich nur um die Sache. 

Ich merke wirklich, dass ich durch meinen Aufenthalt hier, gleichermaßen über die deutsche Kultur und über mich selbst erfahre, sowie über die Kultur vor Ort, da ich mir der Alltag hier immer wieder Kontraste bietet. 

In welchen Punkten die Beziehungsebene einem wirklich was bringen kann, durfte ich später am Tag erfahren. 

Wir waren kurz darauf auf dem Weg nach Bani. Dort waren wir vor einigen Tagen schon gewesen und hatten uns vorgestellt. Wir wussten also, worauf wir uns einließen…

An diesem Tag würden wir die Sped-Classes besuchen. Das sind Schulklassen für körperlich und geistig beeinträchtigte Kinder. Pio, Dulce und die anderen Begleiter aus Bani hatten uns nämlich beim letzten Treffen versprochen, dass wir an den Strand fahren würden. Also packten wir einen Van voll mit Essen und Getränken und fuhren gefühlt einmal um die nächste Straßenecke, wo wir bereits an der Schule angekommen waren. Wieder fielen wir dort auf – gerade Theresa mit ihren blonden, lockigen Haaren schien das Highlight der Schüler an diesem Tag dort gewesen zu sein. Wirklich angenehm war, dass der Raum, indem sich die Sped-Class befand, klimatisiert war…

Wir wurden im Chor von den Kindern und Betreuerinnen begrüßt und stellten uns dann vor. Hin und wieder fiel mir auf, dass einige der Schüler ihre Handys holten und heimlich von uns Fotos machten. Ich nahm es mit Humor und lächelte in die Kamera. Damit hatte ich wohl einen Stein ins rollen gebracht: Nun wollten immer mehr Kinder mit uns Bilder machen – manche dann auch nur allein mit uns. Interessant fand ich an der Sped-Class, dass dort Schüler mit einer sehr großen Altersspanne unterrichtet werden. Einer der Schüler, war 20 – also älter als Theresa und ich. Aber dies schien hier kein Problem zu sein, da dort jeder kommen könne, der Lust dazu hat – egal wie alt. 

Einige der Kinder hatten uns direkt ins Herz geschlossen, ob ich deshalb jetzt eine Verpflichtung habe dort hin zu gehen… ich weiß es nicht 😉

Nachdem wir noch etwas mit den Erziehern geredet hatten, und herausgefunden hatten, dass Pio einst einer der Lehrer jener Betreuerin gewesen war, fuhren wir weiter zu einer anderen Sped-Class.

Die zweite Sped-Class in Bani

Diese war ein bisschen weiter außerhalb von Bani. Dort gab es zwar keine Klimaanlage, aber wir wurden genauso freundlich empfangen. Dort aßen wir dann auch zu Mittag. Es gab so eine Art Frühlingsrollen, die ich schon aus Deutschland kannte. Ich sag’s mal so: dank mir blieben keine übrig…

Anschließend fuhren wir – nachdem die „Arbeit“ erledigt war – an den Strand. Wir hatten einige Tage zuvor schon den Bolo Beach in der Nähe von Alaminos besucht gehabt. Ich dachte wirklich schöner als der Bolo Beach könnte kein Strand mehr sein, da ich vorher noch nie einen schöneren Besucht hatte. Leider war das schwimmen am Bolo Beach nicht so schön gewesen, da das Wasser relativ trüb war und es viele Algen und Felsen im Wasser gab. 

Aber dann fuhren wir durch einen Wald einen Weg hinunter. Zwischenzeitlich konnte man bereits das Meer erkennen. Voller Vorfreude im ganzen Auto kamen wir dem Strand immer näher…

Ich fühlte mich in dem Bus wirklich gut aufgehoben. Es war eine ausgelassene Stimmung und diese Gruppe war für mich wie eine kleine Familie. Offensichtlich hatte dies auch Christian – einer von unseren „Vorgängern“ hier auf den Philippinen – gut gefallen, weshalb er sich für Bani entschieden hatte. 

Pia, der mich schon nach unserem ersten Treffen zusammen mit Father Marco eine jeweils Freundschaftsanfrage auf Facebook geschickt hatte und deshalb gesehen hatte, dass ich die Wochen zuvor per Interrail in Europa unterwegs gewesen war. Ich erzählte ihm, wo ich rum gekommen war und wie es war allein zu reisen – ein Luxus den sich viele Philippinos nicht leisten konnten. Hierbei war es schwierig, da ich es ja eben nicht leugnen konnte, dass man in Deutschland oft reist und dies eben auch für Junge Menschen in Europa möglich gemacht wird – und das vom Staat. Aber Pio war selbst schon viel rumgekommen und hatte auch schon Deutschland besucht.

Nun kamen wir am Strand an und ich konnte meinen Augen nicht trauen. 

Ich hatte vermutet, dass es ein üblicher Strand war, vielleicht eine Bucht, aber die „Familie“ aus Bani hatte tatsächlich beim ehemaligen Bürgermeister aus der dortigen Gegend angefragt, ob sie für diesen Tag sein Strandhaus bekommen können. Dort gab es eine Küche, wo sie später frittierte Bananen machten, die wir zuvor schon in Bani gegessen hatten, aber auch einen Ausguck, von dem man einen wunderbaren Blick auf das Meer und den Wald dort hatte. Theresa und ich wollten natürlich sofort ins Wasser, als wir dort ankamen. Es war zwar auch steinig, aber das Wasser war klar und es gab ein paar Stellen, an denen man gut ins Wasser kam. Ich hatte wieder meine Taucherbrille mitgenommen, dass ich sehen konnte, was auf dem Meeresboden so lebte. Ich konnte zusammen mit Fischen in der Größe meines Fußes schwimmen oder Muscheln auf dem Grund sammeln. Es gab Krebse an den Felsen zu sehen… und einen Seeigel, den ich zu spät sah. Er war aber noch sehr klein. Nach dem ersten „Plantsch“ gingen wir zur Gruppe zurück zum Essen. 

Reis, Shrimps, Röllchen… alles was das Herz begehrt

Sie hatten wirklich dick aufgetischt, denn von den Frühlingsrollen, die ich so gern hatte und natürlich Reis auch Shrimps, die uns Pio lehrte zu schälen. 

Wir hatten wirklich das Gefühl, dass wir im Paradies angekommen waren – ein Paradies, das ohne die Beziehungen der Menschen hier vor Ort so nie möglich gewesen wäre. Ein Paradies, das abgesehen von den klimatischen und geografischen Gegebenheiten so wahrscheinlich nur gegen eine dicke Stange Geld in Deutschland möglich gewesen wäre.

Und darin liegt der Unterschied zwischen beiden Ländern. In einem konzentriert man sich auf die Sache und hat damit andere Vorteile, als wenn man sich auf die Beziehung konzentriert. Was von beidem jetzt besser ist, kann und will ich nicht entscheiden müssen.

Was mir aber ganz klar ist, dass ich diese Denkweise dieses Jahr lang sehr genießen will, egal wie sehr sie mich manchmal verwundert.

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