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Alles neu

Mein neunter Monat in den Philippinen war von einer großen Veränderung geprägt. Da die Sommerferien in den Monaten April und Mai anstehen wurden Elena und ich ganz gemäß der Traditionen meiner Entsendeorganisation in die Stadt Olongapo versetzt, um bei der Kinderrechtsorganisation PREDA zu arbeiten. PREDA steht für „People´s Recovery Empowerment Development Assistance“ und wurde vom irische Pfarrer Shay Cullen im Jahr 1974 in Olongapo City gegründet. Pfarrer Shay hat es sich vor langer Zeit zur Aufgabe gemacht Kinder vor Missbrauch zu schützen sowie minderjährige Straftäter, die meist aufgrund großer Armut zu deren Taten wie Diebstahl oder Betteln gezwungen sind, aus den philippinischen Gefängnissen zu holen. PREDA setzt sich des weiteren für die Rechte der indigenen Stämme in den Philippinen ( wie den Aetas) sowie Fair Trade Produkte ein, mit deren Verkauf sie einen Großteil ihres benötigten Kapitals erwirtschaften.

Als Elena und ich am 1. April ankamen wurden wir sehr herzlich von Pfarrer Shay in Empfang genommen. Kurz darauf lernten wir auch die anderen Freiwilligen kennen. Die beiden Deutschen Robert und Caroline waren privat für 10 Tage in PREDA beschäftigt. Die Irin Claire ist bereits seit knapp 2 Monaten hier und bis zum heutigen Stand immer noch vor Ort. Am längsten ist bereits die Deutsche Marina hier, die Elena und ich bereits im Januar bei Zwischenseminar in Dumaguete kennengelernt hatten.

In der ersten Woche gab uns Pfarrer Shay eine Einführung in die Arbeit und Geschichte PREDAs und erläuterte uns wie viele Kinder bereits erfolgreich durch diese Organisation gerettet wurden. Zwar ist der Sextourismus in dieser Gegend immer noch weit verbreitet allerdings längst nicht mehr so exzessiv wie zu Beginn seines Projektes.

Ich bin nun seit mehreren Wochen im „Boy´s Home“ angestellt und die Arbeit mit den Kindern macht großen Spaß. Ich arbeite 5 Tage die Woche von 9 Uhr bis 17 Uhr und komme damit gut zurecht. Mein Hauptaufgabe besteht darin mit den Kindern zu spielen und zu reden. Unterrichten oder andere wichtige Dinge sind für uns verboten und sind dem festangestellten Kollegium überlassen. Ich verstehe mich mit dem Kollegium gut und kann mich bei Fragen über die Vorgeschichte und Taten der Kinder immer an sie wenden. Alterstechnisch liegen die Jungs stark auseinander. Die Spanne reicht von 5 bis 16. Hauptsächlich spiele ich Basketball mit den Kindern, da dies mit Abstand ihre Lieblingsbeschäftigung ist und ich ebenfalls großer Basketballfan bin, allerdings spielen manche auch gerne Schach oder Murmeln. Es werden Regelmäßig Ausflüge mit den Kindern unternommen wie zum Beispiel zu einem benachbarten Damm, normalerweise jedoch ist der der Tagesablauf der Jungs streng getaktet mit Therapiesitzungen, Wertekunde und anderen sozial-fördernde Maßnahmen, um den Kindern ein gutes späteres Leben zu ermöglichen. Wird ein Kind für reif empfunden darf es zu seiner echten Familie zurückkehren. Diese Kinder erhalten ein Stipendium von PREDA sodass sie die Möglichkeit haben einen ordentlichen Schulabschluss zu erreichen, allerdings werden alle Jungs regelmäßig überprüft ob sie rückfällig werden und Gefahr laufen wieder auf die schiefe Bahn zu geraten.

Ich bin auch bereits einmal mit nach Manila gefahren, da viele der Jungen aus der Hauptstadt stammen. Für zwei Jungen, die bereits in Olongapo sind standen Heimbesuche an. Beide lebten in sehr armen Verhältnissen. Wir fuhren darauf hin weiter zu einem Jugendgefängnis, aus dem wir zwei neue Jungs mit ins Boy´s Home bringen konnten. Die Konditionen in dem Gefängnis waren tatsächlich ziemlich erschreckend, da bis zu 10 Jungs in einer Zelle den ganzen Tag bei unglaublicher Hitze aufeinander gedrängt leben müssen.

Leider ist es mir als Mann vorenthalten im „Girl´s Home“ zu arbeiten, da beinahe ausnahmslos alle dieser Mädchen Opfer von sexuellem Missbrauch wurden und nicht selten durch weiße Ausländer wie mir. Jedoch gibt es eine Ausnahmeregelung, die es männlichen Freiwilligen erlaubt zumindest einmal die Mädchen für einen halben Tag zu besuchen. Das Kollegium besteht wie bei den Jungs aus Psychologen, Therapeuten und Sozialarbeitern. Im Girl´s Home werden grundsätzlich die selben Ziele verfolgt, jedoch dürfen die Mädchen erst zu ihren Familien zurückkehren wenn der Missbraucher hinter Gittern sitzt. Ich finde es zwar sehr schade, dass ich nicht mit den Mädchen arbeiten darf, da sie doch wirklich nette Kinder waren, allerdings kann ich die Gründe die diesem Verbot vorausgehen voll und ganz nachvollziehen.

In der zweiten Woche besuchten wir ein indigene Siedlung der Aetas in den Bergen. Aetas sind Nachkommen der philippinischen Eingeboren, die langer Zeit ihrer Rechte beraubt immer höher in die Berge getrieben wurden und wo sie bis heute Hausen. Die politische Lage der Aetas hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlcih verbessert, was nicht zuletzt auch an PREDAs Wirken hing. In alter Zeit waren Aetas Nomaden, die von der Jagd und dem Anbau lebten. Heut zu Tage ist ihnen nur noch der Anbau geblieben. Diesen betreiben sie allerdings so gut, dass PREDA ihnen vor allem Mangos zu fairen Preisen abkauft und in der ganzen Welt verkauft, um so einen Teil des eigenen Kapitalbedarfs zu decken. Wie fuhren also mit einem PREDA Mitarbeiter die Berge hoch, damit dieser den örtlichen Bauern einen Vortrag halten kann über die speziellen Anforderungen, die Fair Trade Produkte erfüllen müssen, wie zum Beispiel der Verzicht auf Chemikalien.

Neben der interessanten Arbeit hat Olongapo auch tolle Freizeitangebote vorzuweisen. Die Stadt ist genau an einer Bucht gelegen, was bedeutet dass ich nur einen Weg von 5 Minuten zurücklegen muss, um mich an den Strand legen zu können. Es gibt viele Restaurants, Bars und Clubs. Tatsächlich gibt es sogar eine deutsche Bäckerei, die das beste deutsche Essen anbietet, das ich seit 9 Monaten gegessen habe. Wir haben auch bereits am Strand gezeltet, was noch besser wurde als wir das fluoreszierende Plankton entdeckten, das mit jedem Schwimmzug anfing hell zu leuchten. Außerdem habe ich hier mit Kick-Boxen angefangen, um das Fehlen meines Fitnessstudios in Bani zu kompensieren.

Christian Voß

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