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Von Town-Fiesta bis Silvester

Zu Beginn des Monats befand sich mein Heimatdorf im absoluten Ausnahmezustand. Der Grund dafür war das unmittelbare Bevorstehen von Banis „Town Fiesta“. Die Town Fiesta ist ein jährlich stattfindendes Fest, das in jedem Ort in der Umgebung allerdings zu unterschiedlichen Zeiten gefeiert wird. Es nimmt eine kulturelle und kirchliche Sonderstellung ein und ist somit eines der wichtigsten Events des Jahres für jeden Filipino.

In meinem Dorf Bani erfolgt der Startschuss traditionell am ersten Dezemberwochenende. Die Vorbereitungen beginnen jedoch logischerweise deutlich früher. So kann man schon einige Wochen vorher durch die wunderschön geschmückten Straßen schlendern. Ich musste mich tatsächlich auch frühzeitig auf die Fiesta vorbereiten, da sowohl unsere SPED-Schüler, als auch ich für einen Auftritt proben mussten. So bestand unser Schulalltag in dieser Zeit hauptsächlich daraus den Kindern die Choreografie beizubringen und die Kostüme für den Auftritt zu basteln. Ich hatte mich ehrlich gesagt nicht darum gerissen auftreten zu dürfen, allerdings empfanden mein Gastvater und Pfarrer Marco dies als eine tolle Idee und so habe ich mich eben ihren Willen gebeugt.

Der erste Tag der Fiesta beginnt jedes Jahr mit einer Parade aller Schulkinder der direkten Umgebung durch Bani. Tatsächlich finden sogar zwei Paraden statt, da die Grundschulkinder und die älteren Schüler getrennt laufen, weil es ansonsten schlicht zu viele Teilnehmer wären. Ich nahm mit den SPED-Schülern an der Grundschulparade früh morgens teil. Nachdem wir den Marsch beendet hatten versammelten sich Schüler als auch Zuschauer in der Ortsmitte, um die folgenden Auftritte der einzelnen Jahrgangsstufen zu beobachten. Ich würde lügen, wenn ich den Auftritt unserer Schüler als perfekt beschreiben würde, aber ich denke sie hatten Spaß und das ist ja das wichtigste. Am Abend des ersten Tages folgten noch eine Lichter-Parade und die offizielle Miss Bani Wahl.

Am Samstag gab es keine großen Programmpunkte, allerdings kam an dem Tag meine Mitfreiwillige Elena an, da ich sie zum Fest zu mir eingeladen hatte. Sonntags folgte dann jedoch der „langersehnte“ Tag des Auftritts. Im Rahmen der „Grand Night“ würde ich mit meinen Mitsängern auf der Bühne stehen. Das Singen der Lieder war für mich jedoch kaum möglich, da sie ausnahmslos in Tagalog verfasst waren, mir wurde allerdings schon im Voraus versichert, dass es reichen würde, dass ich nur auf der Bühne stehe. Unsere Darbietung lief alles in allem gut und es hat tatsächlich viel Spaß gemacht, allerdings lief der Tanz, der mich komplett unerwartet unmittelbar nach dem Auftritt ereilte nicht so gut. Ohne Vorkenntnisse der Schritte war ich doch leider etwas hilflos, während meine Tanzpartnerin alles versuchte mir irgendwie zu helfen. Im Laufe des Abends hatte ich dann ein paar Gelegenheiten meinen schlechten ersten Eindruck auf der Tanzfläche ein wenig zu revidieren, was mir glaube ich zu Teilen gelungen ist.

Mit dem Ende der Grand Night war auch die Town-Fiesta beendet. Es war ein tolles Erlebnis und eine einzige große Party. Ich bin sehr froh, dass ich diesem Erlebnis beiwohnen durfte.

Kaum war die Fiesta vorbei begannen die Weihnachtsvorbereitungen und vor allem die Weihnachtsfeiern. Letztendlich besuchte ich drei Weihnachtsfeiern vor der eigentlichen am 24. Dezember. Sowohl die SPED-, also auch die Lehrer-, sowie die Fitnessstudio-Weihnachtsfeier waren alle sehr schön und hatten allem voran unglaubliche Mengen an köstlichem Essen zu bieten. Generell bestand meine Weihnachtszeit gefühlt nur aus Essen, was für meine Figur nicht zwingend förderlich war.

Eine Woche vor Weihnachten beginnt in den Philippinen die „Misa de Gallo“. Dies bedeutet in etwa so viel wie Morgenmesse und das aus guten Grund, da sie die Tradition beinhaltet eine Woche lang um vier Uhr morgens in die Kirche zu gehen und zu beten. Ich muss zu meiner Schande eingestehen, dass nicht eine Misa de Gallo besucht habe sondern immer nur der Abendmesse beiwohnte.

Heilig Abend war eine sehr schöne Erfahrung. Obwohl es für mich immer noch ein komisches Gefühl war bei 30 Grad Weihnachten zu feiern. Dass ich wenige Tage zuvor noch am Strand war, hatte dieses Gefühl auch nicht wirklich geschmälert. Nach der Weihnachtsmesse sind meine Cousinen und ich los zu unserer Familienfeier. Meine Gastfamilie hat deutlich mehr Mitglieder als meine Familie zu Hause, so war das eine ganz andere Atmosphäre. Die Kinder und ich wurden in drei Mannschaften aufgeteilt und so bestritten wir eine Art Turnier mit mehreren lustigen Spiele. Natürlich hatten wir auch sehr viel Essen vor Ort und mit den Älteren habe ich den ein oder andere alkoholische Getränk konsumiert. Es war eine sehr familiäre und lockere Stimmung zu spüren und ein echt cooler Abend.

Nach Weihnachten ging es an die Planung für Neujahr. Ich fragte bei meinen Kumpel Daniel an, ob er in Manila bleiben würde und so konnte ich Silvester in der Hauptstadt feiern. Bereits einige Tage vor Neujahr fuhren meine Gastfamilie und ich hoch nach Manila. Zwar verließen meine Gasteltern die Hauptstadt bereits wieder am nächsten Tag, doch konnte ich mit meinen Cousinen weiter in der Wohnung bleiben. Mit meinen Cousinen zusammen besuchte ich einige Malls, sowie Little Italy. Über Silvester bin ich dann zu Daniel weitergezogen. Ich hatte das Glück, dass wir erneut zum Livingston-Tower zu Simon fahren konnten und so das Feuerwerk vom Dach des höchsten Wohngebäudes Manilas sehen durften. Es war sehr schön. Daraufhin begaben wir uns ins Nachtleben und kehrten etwa um 6 Uhr früh zurück, wobei ich die Chance ergriff meine Freunde in Deutschland anzurufen, bei denen gerade kurz vor 12 war.

Christian Voß

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