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Es weihnachtet sehr

Der November begann für mich mit einem Schockmoment. Meine Gastmutter berichtete mir, dass sich ein neuer Taifun auf dem Weg zu uns befand. Nachdem der erste Taifun im September zwar keine größeren Schäden bei uns bei mir allerdings einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte, war ich doch sehr gespannt wie schlimm dieser Zweite ausfallen würde. Zu meiner Erleichterung war mein zweiter Taifun sogar deutlich lascher als der erste und hatte zum Glück nur zwei Tage von leichtem Schauer zur Folge.

Ebenfalls eine große Erleichterung war die Auskurierung des Sonnenbrandes, den ich mir Ende letzten Monats beim Surfen zugezogen hatte.Meine Rücken hatte eine Woche benötigt um sich wieder zu erholen,dementsprechend langweilig war diese Woche. Glücklicherweise wurde ich kurz darauf von meinem Gastvater Jojo und weiteren Lehrerkollegen auf einen zwei-tägigen Ausflug nach Anda eingeladen. Anda ist sehr nahe gelegen, sodass die Anreise nur etwas mehr als eine Stunde dauerte. Ein größeres Problem dagegen war es ein Hotel zu finden, das nicht ausgebucht war, da zu diesem Zeitpunkt gerade Hochsaison war und wir natürlich kein Zimmer vorgebucht hatten. Nach längererSuche fanden schließlich ein Hotel mit einem freien Zimmer, blöd war allerdings,dass dieses nur zwei Betten hatte, wir aber sieben Leute waren. Indem jeweils zwei in einem Bett, zwei auf ins Zimmer geschleppten Sonnenliegen und einer auf dem Boden schlief konnten wir das Problem aber lösen.

Ich habe bereits feststellen müssen, dass es immer ein wenig riskant ist mit Filipinos zu reisen, denn man weiß nie wie viel schon organisiert ist und was eben nicht, allerdings kommen dabei auch immer wieder lustige Geschichten bei raus.

Am nächsten Tag fuhren wir zum Haus einer Lehrer-Kollegin,um mit ihr ihren Geburtstag zu feiern. Als wir ankamen fiel mir direkt eine angeleinte Ziege auf, ganz nebenbei erzählte mir Sir Robert (einer der Lehrer),dass diese Ziege an diesem Tag unser essen sein werde. Ich konnte nicht zu sehen wie sie die Ziege geschlachtet haben, allerdings war das gemeinsame Kochen doch sehr schön und geschmeckt hat die bemitleidenswerte Ziege auch. Als letzten Abstecher dieses Trips fuhren wir zum Strand. Das war ein würdiger Abschluss eines sehr coolen Wochenendes.

Kurze Zeit später sind wir erneut nach Anda gefahren allerdings mit einer noch größeren Truppe. Mit 13 Passagieren in einem Auto kamen wir in einem sehr schönen Resort an, das direkt am Meer gelegen war. Als Deutscher fragt man sich vielleicht wie 13 Personen in ein Auto passen, allerdings saß ich auch schon bereits in einem Wagen mit 15 Mitfahrern. Das kommt daher, da wohl das wichtigste Kriterium für einen Filipino beim Autokauf der Platz ist. Meist besitzen die Autos hier 3 anstatt 2 Sitzreihen und oft werden auch noch an die Seiten des Kofferraums Sitzbänke montiert die man ebenfalls optional nutzen kann. Im Resort kochten wir erneut zusammen und schwammen später im Meer.

An meinem Arbeitsplatz in der SPED-Klasse von Bani lag der Fokus in diesem Monat vor allem auf dem Sport, da am 19. November die SPED-Olympics stattfanden. Das ist ein regionales Leichtathletik-Turnier für Kinder mit Behinderungen aus der ganzen näheren Umgebung. So lag es an uns unsere Schüler gebührend vorzubereiten.  Am Tag der Spiele war selbst der Präsident der Region Pangasinan kurzzeitig anwesend, was die Wichtigkeit dieses Events nochmal unterstreicht. In den Disziplinen 100 Meter, 200 Meter,Weitsprung und Kugelstoßen schlugen sich unsere Schüler sehr gut und beinahe ausnahmslos jeder unserer Athleten konnte mit einer Medaille nach Hause fahren.Viele waren tatsächlich sogar so erfolgreich, dass sie sich für die nächsthöhere Klasse qualifiziert haben und somit in dem Turnier in Ilocos Norte startberechtigt sind, das wahrscheinlich Ende Januar stattfinden wird.

Sehr cool war auch, dass eine Reporterin während den SPED-Olympics auf mich aufmerksam wurde (vermutlich weil ich weiß bin) und ein Interview mit mir führen wollte. Tatsächlich wurde dieses Interview einen Tag später gesendet,sodass ich nun strenggenommen schon fast als TV-Star auf den Philippinen durchgehen kann. 😀

Mittlerweile habe ich auch so etwas wie einen Zweitjob hierin Bani, da ich nun seit Anfang November Bruder Alvin in Deutsch unterrichte. Bruder Alvin ist nämlich der erste Freiwillige, der von den Philippinen aus für ein Jahr nach Deutschland geht, um dort zu leben und zu arbeiten. Ich unterrichte ihn jedoch nur einmal die Woche, da er zeitgleich Pfarrer Marco von Bani unterstützen muss. So bemühe ich mich ihn bestmöglich für seine Abreise im Dezembervorzubereiten.

Der November ist außerdem der Monat in dem die Wassermelonenernte beginnt. Meine Heimatstadt Bani ist berühmt für ihre Wassermelonen und das auch zu Recht, wie ich bereits überprüfen durfte. Von einem Freund meines Gastvater wurde ich auf seine Farm eingeladen, um ihn für einen Tag ein wenig unter die Arme zu greifen. Er ermöglichte es mir obendrein auf einem Karabau zu reiten,was sehr lustig war.

Ein weiteres Highlight war die Möglichkeit einen traditionellen philippinischen Tanz sehen zu dürfen, der von unseren Schülern mit Hördefiziten aufgeführt wurde. Der Tanz war ein Programmpunkt eines Seminars,dass Lehrer in Zeichensprache und im Umgang mit Hörbehinderungen schulen sollte.Die Ausführung des Tanzes war zwar nicht perfekt, doch vor allem aufgrund der schönen Kostüme toll mit anzusehen.

Eine etwas ungewohnte Erfahrung trug sich für mich letzte Woche zu als ich von der Schwester meiner Gastmutter Virgil in ihre Schule eingeladen wurde, um Juror bei einem Schönheitswettbewerb zu spielen. Es war ehrlich gesagt schon ein komisches Gefühl das Aussehen von 8-jährigen Jungen und Mädchen zu bewerten, allerdings versuchte ich mich doch auf meine Aufgabe zu konzentrieren, da ich wusste, dass die Titel und somit meine Bewertungen den Kindern uns Eltern viel bedeuten und es für sie mehr als nur ein Spiel ist. Der Talentpart hat mir an dem Wettbewerb am besten gefallen, da einige richtig gute Vorstellungen dabei waren. Am Ende haben wir sehr darauf geachtet, dass jeder Teilnehmer mindestens einen Titel gewonnen hat, damit niemand am Ende traurig ist.

Das was aber diesen Monat am meisten hervorstach war die überall aufkommende Weihnachtsstimmung. Man merkt die Vorfreude auf den Dezember überall. Zwar war offizieller Anfang der Weihnachtszeit ja bereits Anfang September, allerdings wird es erst jetzt deutlich, dass Weihnachten vor der Tür steht. Weihnachtsbeleuchtung und -lichter sind allgegenwärtig, die Menschen begrüßen sich seit Wochen bereits mit „Frohe Weihnachten“ und künstliche Weihnachtsbäume stehen an jeder Ecke. Ich muss zugeben, dass für mich die Vorstellung von Heilig Abend bei 30 Grad immer befremdlich wirkt und statt dem Weihnachtsgefühl denke ich immer noch in den Sommerferien stecken geblieben zu sein, aber vielleicht kommt es ja noch.

Christian Voß

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