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Mein Philippinen-Abenteuer beginnt

Es ist bereits mein zweiter Monat in den Philippinen vergangen, doch ich fühle mich als wäre ich erst vor wenigen Wochen hier angekommen. Diese zwei Monate sind so schnell vorbeigezogen wie nur wenige Dinge zuvor in meinem Leben und trotzdem habe ich bereits viele Geschichten zu erzählen.

Vor ziemlich genau vier Wochen bin ich bei meiner Gastfamilie in Bani eingezogen. Ich war teilweise sehr nervös, da ich nicht wusste wie sie mich aufnehmen würden und wie ich mich mit ihnen verstehen würde. Allerdings wurde mir schnell klar, dass ich mir die Nervosität hätte sparen können. Ich wurde sofort äußerst herzlich aufgenommen und fühle mich bereits vollkommen in die Familie integriert. Ich wohne bei der Familie Valderrama bestehend aus dem Vater Jojo und der Mutter Nida, sowie der 16-jährigen Tochter Sophia (auch Jaja) genannt. Eine Nichte wohnt ebenfalls bei der Familie. Jojo ist Lehrer und unterrichtet an derselben Schule wie ich, seine Frau Nida ist Schuldirektorin und nebenbei auch die persönliche Sekretärin des Pfarrers von Bani, während die beiden Mädchen noch zur Schule gehen. In der Nachbarschaft wohnen auch viele Verwandte, die uns oft besuchen. Jedes Familienmitglied war bisher sehr freundlich zu mir und insgesamt ist es eine sehr herzliche Familie.

Meine Lage in Bani ist generell sehr vorteilhaft. Mein Arbeitsweg zur Bani East Integrated School dauert in etwa 5 Minuten zu Fuß, die ich mir jedoch auch öfters sparen kann, da mich Jojo mit seinem Tricycle mitnimmt, wenn wir gleichzeitig aus haben. Bani hat wohl als einzige Kleinstadt in der Nähe von Alaminos ein ortsinternes Fitnessstudio, dass etwa 2 Minuten von der Schule entfernt ist. So kommt es, dass ich nach dem Arbeitstag entspannt ins Studio gehen kann und nicht immer eine halbe Stunde nach Alaminos fahren muss. Des weiteren ist die Kirche auch sehr nahe, sowie zahlreiche kleinere Läden und der Supermarkt. Kurz gesagt hätte ich keine viel bessere Wahl als Bani treffen können.

Die Arbeit in der Schule mit den behinderten Kindern in der SPED-Klasse macht Spaß aber ist zeitweise auch schlauchend, da die Kinder sich aufgrund ihrer Veranlagung sehr schwer tun neue Dinge zu lernen und so oft Stunden des Wiederholens der immergleichen Inhalte sehr anstrengend werden können. Meine Vorgesetzte Madam Pinke ist eine sehr nette Frau, die auch sehr gut ihre Schüler im Griff hat. Madam Sheryl und Sir Claro sind zwei weitere nette Kollegen von mir, mit denen ich aber seltener zusammenarbeite, da sie eher auf die tauben Kinder spezialisiert sind und ich mehr Madam Pinke bei den Kindern mit anderen Behinderungen wie Lernschwächen oder auch Down-Syndrom unterstütze. Meine Aufgaben verteilen sich auf verschiedene Felder. Ich unterrichte sowohl Englisch als auch Mathematik, doch oft geht es auch nur darum mit den Kindern zu spielen. So kommt es, dass ich, da ich den Umstand nicht verkraften konnte, dass Fußball in den Philippinen überhaupt keine Rolle spielt, angefangen habe den Schülern Fußball beizubringen. Ich bin zwar nicht der beste Fußballer, doch in einem Land in dem so gut wie keiner jemals gegen einen Ball getreten hat, da die alles dominierenden Sportarten hier eindeutig Basketball und Volleyball sind, kann sogar ich beindrucken. Erzählungen von Madam Pinke zur Folge haben bereits die regulären Schüler ohne Behinderungen angefangen in den Pausen Fußball zu spielen. Da soll noch einer sagen Freiwillige könnten nichts verändern. 😀

Sir Claro ist nicht nur mein Kollege sondern auch mein Lehrer für Zeichensprache. Da er selbst taub ist, ist er sehr bewandert auf diesem Gebiet. Ich glaube, dass ich mich im Bezug auf Zeichensprache ganz gut schlage, da ich vor einer Woche meine erste erfolgreiche kleine Konversation gemeistert habe. Allerdings muss ich noch viel lernen, damit ich mich wirklich unterhalten kann. Gleiches gilt auch weiterhin für mein Tagalog, dass zwar besser geworden aber immer noch Welten von gut entfernt ist.

In meiner kurzen Zeit in meiner Gastfamilie habe ich gelernt, dass Filipinos sehr gerne feiern. In meiner ersten Woche war ich bereits auf drei Geburtstagen. Außerdem hat mich Jojo zweimal eingeladen mit ihm und ein paar weitern Kollegen abends ein paar Bierchen zu trinken. Allerdings steht bei philippinischen Feiern viel weniger der Alkohol als das Essen im Mittelpunkt. Sowohl auf den Geburtstagen als auch bei den kleinen Runden mit Jojo und den anderen Lehrern wurde gefühlt die gesamte Zeit durchgegessen. Was mich allerdings geschockt hat war nicht etwa die Menge sondern was sie teilweise gegessen haben. In meinem letzten Blogeintrag habe ich geschrieben, dass die philippinische Küche eine der besten ist, die ich je probiert habe, doch sie hat auch ihre Schattenseiten. Vor allem das überall erhältliche Streetfood hat seine wie die Filipinos gerne sagen „exotischen“ Gerichte. Doch muss ich gestehen läuft mir nicht gerade das Wasser im Mund zusammen, wenn ich sehe wie Hühnerfüße und -köpfe gegessen werden. Doch das wohl schlimmste Streetfood hört auf den Namen Balut und ist nichts anderes als ein Ei, welches ein ungeschlüpftes Küken beinhaltet.

Etwas ebenfalls nicht ganz so schönes war der Supertaifun, der am Samstag meiner 2. Woche hier wütete. Er war begleitet von starken Niederschlägen und Wind, die den ganzen Tag anhielten. Sowohl die Wasser- als auch Stromversorgung wurde lahmgelegt und es wird wohl nicht als mein spannendster Tag auf den Philippinen eingehen da die Optionen an diesem Tag doch ziemlich überschaubar waren. Wir hatten großes Glück, dass der Sturm bei uns nicht übermäßig stark war, sonst wäre wohl mehr Schaden entstanden als die Blätter und Äste auf den Straßen am nächsten Morgen. Dennoch hatte ich phasenweise doch ein mulmiges Gefühl wenn ich aus dem Fenster sah und die Tropfen auf das Dach klatschen hörte.

Deutlich erfreulicher war da mein 20. Geburtstag am 19. September. Während ich vom Morgen bis zum Nachmittag von der Schule aus die Abteilung für soziale Wohlfahrt und Entwicklung (Department of Social Welfare and Development) besucht haben, die Menschen mit Behinderungen, Suchtvergangenheiten und Ex-Häftlingen eine Ausbildung und somit eine berufliche Zukunft in Aussicht stellen. Nach Beendigung unseres Trips wurde ich in Alaminos ausgelassen, da meine Gastfamilie für mich eine kleine Party organisiert haben, bei der die ganze Familie sowie der Pfarrer von Bani anwesend waren. Es war ein sehr schöner Abend. Am nächsten Morgen hatte Madam Pinke dann noch eine Überraschungsparty für mich vorbereitet, die mich ebenfalls sehr gefreut hat.

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