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Einer Kultur auf der Spur- Die Familie

Die Zeit der Townfiesta hat mich gedanklich auf das Thema meines nächsten Eintrags in der Rubrik „Einer Kultur auf der Spur“, nämlich die Familie, gebracht. Da für diese Veranstaltung so gut wie alle Familienmitglieder meiner Gastfamilie zusammen gekommen sind und fast die ganze Zeit zusammen verbracht haben, durfte ich einen tiefen Einblick in die gegeben Strukturen und Dynamiken werfen und eine Sache kann ich vorweg nehmen, Familie wird hier groß geschrieben. Augenscheinlich hat Familie einen höheren Stellenwert, als man das häufig von Deutschland gewöhnt ist und das Individuum steckt auch schon mal öfters zurück, um die Familie zu unterstützen. Das kann ich nur am Beispiel der Schwester meiner Gastmutter verdeutlichen. Denn diese hat ihr Studium abgebrochen und ist nach Japan gegangen um als Sängerin ihr Geld zu verdienen, nur damit ihre beiden Schwestern und ihre Nichte eine gute Ausbildung bekommen und aufs College gehen konnten. Generell ist das „Abroad-arbeiten“, also das Arbeiten im Ausland, ein weit verbreitetes Phänomen auf den Philippinen und viele Filipinas und Filipinos unterstützen und finanzieren ihre Familie vom Ausland aus. Das bedeutet wiederum für sie, dass sie ihre Heimat, Familie und Freunde verlassen müssen und in einem fremden Land mit meist unbekannter Sprache und Kultur leben, so zum Beispiel Saudi Arabien, Japan, USA… Da die Familien aber oft auf das Geld aus dem Ausland angewiesen sind, wird sich nicht oder nur indirekt beklagt.

Was im Allgemeinen auch auffällt ist, dass philippinische Familien häufig viel größer sind als Deutsche. Wobei mir gesagt wurde, dass auch hier die Entwicklung zu weniger Kindern zu sehen ist. Kein Wunder, denn Kinder sind teuer und nehmen viel Zeit in Anspruch (überspitzt gesagt). So könnte das jedenfalls ein karriere-orientierter Stadtbewohner sehen. Diese Mentalität ist auf dem Land aber noch nicht oder nur vereinzelt angekommen. Hier sieht man viele große Familien und auch häufig sehr junge Mütter. Einer der vielen Gründe dafür mag der unzureichende Zugang zu Verhütungsmitteln sein, aber auch generell der Umgang mit dem Thema Verhütung.

Außerdem erwähnenswert: Kinder werden unter anderem teilweise auch als eine Art Altersvorsorge gesehen, wer viele Kinder hat, hat auch später viele Menschen, die einen unterstützen und einem helfen. Denn die Familie bleibt oft zusammen wohnen bzw. man lässt sich nicht weit voneinander entfernt nieder. So wohnen zum Beispiel der Bruder meiner Gastmutter mit seiner Familie im Nachbarhaus. Auch häufig festzustellen ist, dass unverheiratete Kinder bei ihren Eltern oder Verwandten wohnen bleiben bis diese einen Ehepartner gefunden haben.

Nach näherer Beobachtung einer philippinischen Familie wird man sicherlich auch gewisse hierarchische Strukturen erkennen, die sich aber meiner Meinung nach von Familie zu Familie unterscheiden. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass den älteren Menschen sehr viel Respekt gezollt wird und das meiste sagen, was finanzielle Dinge angeht, hat häufig der Hauptverdiener (meist der Vater). Im Haushalt dagegen nimmt die Mutter dann die Schlüsselrolle ein. Das traditionelle Rollenbild wird augenscheinlich kaum durchbrochen.

So das war ein kurzer Einblick in einen großen und wichtigen Bestandteil des philippinischen Lebens. Familie geht hier wirklich über fast alles und von dieser Einstellung kann man sich bestimmt in manchen Situationen (Nicht immer, das ist klar) eine Scheibe abschneiden und öfters seine Lieben daran erinnern, wie wichtig sie einem sind. Grüße gehen raus nach Elz 🙂

 

Ein Kommentar

  1. Michael Schwertel Michael Schwertel 13. März 2018

    Sehr gut. Das spiegelt auch unsere Eindrücke wieder…

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