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Ein paar Tage daheim und das Ende einer Reise

Lange ist es her, dass ich das letzte mal geschrieben habe und seit dem hat sich viel getan.

Während meiner letzten Zeit im Heim von Mutter Teresa, habe ich mich in die Kunstszene Manilas mit meinem Contactstaff integriert, habe einige Flowfeste besucht auf denen auch ich performed habe, habe zu meinem Geburtstag eine Performance auf einem kleinen Festival eines guten Freundes gegeben, viele inspirierende Persönlichkeiten kennengelernt, welche schnell gute Freunde wurden und auch Buscalan, ein kleines Dorf in den Bergen Luzons, ein letztes mal besucht.

Die letzten 2 Monate sind geflogen und gingen schneller vorüber als ich es erwartet hätte und nun zurück in Deutschland, vermisse ich bereits meine Freunde auf den Philippinen.

Nachdem ich in Preda viel Zeit hatte um über all meine Erlebnisse nachzudenken und zu sprechen, hat sich gefestigt, wie es nun weitergehen soll. Ich bin mir meiner eigenen Person und den Veränderungen des Jahres bewusst geworden. So möchte ich meine Ziele mit neuem Elan anpacken und bin gespannt, wie ich diese in Deutschland verwirklichen kann. Großgeschrieben sind hier das Umweltingenieursstudium und die Integration in die Kunstszene Berlins mit meinem Contact Staff. Wer sich hierfür interessiert, kann sich auch ein Video auf meiner Facebookseite anschauen, welches durchaus sehr gelungen ist.

Die letzte abschließende Reise nach Buscalan hat mich sehr bewegt und wieder habe ich mehr gewonnen als ich mir je erhofft hatte. Vielleicht habt ihr einmal auf WDR oder Prosieben von diesem Dorf gehört in welchem eine alte Frau an die 100 Jahre alt traditionelle Kalinga Tattoos sticht. Ja da war ich, es ist wunderschön, aber beiweitem nicht so extrem, wie ein mancher es euch glauben lässt. Keine Hinterweltler, sondern mitunter die inspirierensten Persönlichkeiten, welche ich auf den Philippinen kennenlernen durfte. Man braucht nicht viel um glücklich zu sein. Und noch viel weniger um eine unglaubliche Gastfreundschaft und Offenheit zu beweisen. Es war der Abschluss meiner Erlebnisse auf den Philippinen und mit diesem Bewusstsein und der Ruhe der Berge habe ich mich sammeln können, um bewusst nach Deutschland zu gehen.

Und kaum hat man sich versehen, habe ich die Kinder im Heim von Mutter Teresa ein letztes mal gesehen, habe Abschied genommen, war einige Tage Krank und nach einer letzten Präsentation in meiner alten Gemeinde Salassa, saß ich im Auto auf dem Weg nach Manila.

Wie man meinem Schreibstil entnehmen kann, überfordert es mich immer noch ein wenig die vielen Erlebnisse und Menschen, welche mir so gut getan haben, festzuhalten, um sortiert darüber sprechen zu können.

Und plötzlich war auch der Moment dar wo ich von meinen engen Freunden in Manila Abschied nehmen musste. Da wurde mir das erste mal wirklich bewusst, dass es das nun war. Das Ende scheint nicht nur nah, sondern ist es auch wirklich. Ich werde sobald nicht zurückkehren können und der Gedanke einmal mehr alles zurückzulassen schmerzt immer noch ein wenig. Als wir im Flieger saßen war die Freude natürlich groß und ebenso die Spannung, wie es denn sein wird alte Freunde wiederzusehen, nachdem die Philippinen mit all meiner Liebe meine Heimat geworden waren.

Der erste Kulturschock erfuhr uns in Istanbul, wo wir aufgrund einer fehlenden Ansage und dem Vertrauen, das schon alles gut sein wird, den Anschlussflieger verpassten. Leander und ich schauten uns verwirrt an und werden wohl bis zum heutigen Tag die einzigen bleiben, die uns glauben werden, dass das Gate nie geöffnet wurde. Wenigstens einer der mir bestätigt, dass ich weder geträumt noch geschlafen habe, während wir am Gate warteten. Ohne Internet und Telefon, brauchte es eine Weile einen neuen Flug zu organisieren und hier möchte ich mich nochmal an unsere Familien bedanken, welche alles getan hatten, um uns aus unsere Miesere zu helfen. Das war wohl unser erster Kulturschock. Wir wurden endlos von A nach B geschickt und einige Stunden der Ungewissheit, was wohl als nächstes passiert, quälten uns. 30 Stunden später fanden wir uns tatsächlich in Deutschland wieder und konnten unsere Familien in den Arm nehmen. Merkwürdiger hätte dieser Moment allerdings kaum sein können. Es war keine Phantasie mehr, sondern eben Realität. Unseren Hund wieder im Arm, ein durchschnittliches Haus, dessen Luxus mich mehr als beeindruckte, und alte Freunde, mit welchen es fast so wirkte, als wäre gar nichts gewesen. Aber eben nur fast. Zum Glück habe ich meine Tattoos, welche mir am Morgen beweisen, dass es kein Traum war. Aus meinem Zimmer hätte ich am liebsten die Hälfte herausgeschmissen, da es einfach viel zu viel war. Viel zu viel Ablenkung, viel zu wenig Fokus. Und was nun wirklich Luxus ist, ist wohl eine sehr persönliche Frage und liegt meist fern des Materialismus.

Nun bin ich stets damit beschäftigt mich zu organisieren und alles Nötige hinter mich zu bringen, um nach Berlin zu gehen. Zu Beginn habe ich gehofft, ich hätte ein wenig Zeit anzukommen und Zeit mit meiner Familie zu verbringen, aber das war wohl ein Trugschluss. Bereits Ende nächste Woche, nach etwas mehr als 2 Wochen daheim, mache ich mich auf den Weg in meinen neuen Lebensabschnitt und bin gespannt was mich alles erwarten wird. Neben einem Haufen Arbeit, hoffentlich auch eine wunderbare Zeit. Zum Beispiel mit einem sehr engen Philippinischen Freund und Fotografen , welcher fast zeitgleich nach Berlin gegangen ist.

Falls einer von euch treuen Lesern eine spontane Idee zu einer Wohnung in Berlin hat, meldet euch doch bei mir.

Mein aktuelles Gefühl mich wieder in meinem alten Umfeld zu bewegen, ist kaum zu beschreiben. Freude, Unsicherheit, Spannung, Hoffnung, und ein wenig Ruhe. Wieder werde ich weit weg sein von allem was ich kannte und das erste Mal in einer großen Stadt leben. Ich bin auf dem Sprung, bleibe ein Reisender und komme noch nicht an. Wer weiss, wann und wo ich wieder Ruhe finde und mich nicht von den Möglichkeiten der Welt und meiner Begeisterung für ihre Schönheit treiben lasse. Das ist wohl das Wunder meines Alters in welchem so viel zu blühen beginnt. Ich hoffe nur, dass mir der zweite Neuanfang mit den paar Erfahrungen, die ich nun in mir trage, leichter fällt. Mit Loslassen, Einfachheit, Flexibilität und Herz nach den Sternen greifen.

Und wenn mich jemand fragt „Na wie war‘s auf den Philippinen? Bestimmt wunderschön oder?“, dann fällt mir keine bessere Antwort als „Unbeschreiblich, anders, und ja tatsächlich wunderschön“ ein. So viele Erlebnisse, so intensiv, so lehrreich, so unfassbar. Ihr da draußen, die den Mut aufbringt, die Welt zu entdecken, lasst euch nicht halten. Es wartet mehr auf uns, als wir uns je vorstellen können und in dieser Gewissheit stehen mir die Tränen in den Augen. Das Auf und Ab des Lebens und meine Emotionen gestalten mein Leben erst lebendig. Wer will schon das Nirvana?

Danke an all die Menschen, die meine Texte gelesen haben, meine Erlebnisse mit mir geteilt haben, mir schrieben, an mich dachten und mich nicht vergaßen. Danke an all euch lieben Menschen, welche mich von Anfang an unterstützt haben. Ihr habt mir meine Leiden erleichtert und meine Freuden geteilt. Keine Selbstverständlichkeit in einer Welt, die manchmal so kalt wirken kann. Es gibt mir in einer bunten Welt das flüchtige Gefühl von Sicherheit.

Auf bald!

Euer Jonathan

2 Kommentare

  1. Ute Stellmacher Ute Stellmacher 2. August 2017

    Lieber Jonathan, herzlich Willkommen wieder in Deutschland. Es hat mir viel Spaß gemacht deine Berichte und deine Erlebnisse zu verfolgen. Jetzt wünsche ich habe dir alles Liebe und viel Spaß für deinen Start in Berlin. L.G Ute

  2. Aziza Roosen Aziza Roosen 2. August 2017

    Hallo Jonathan,
    Dein ganzes Leben wird dich diese tolle Erfahrung begleiten.
    Danke, dass wir dich etwas begleiten durften.
    Viel Glück im nächsten Abschnitt und auf in ein neues Abenteuer.
    Alles Liebe
    Aziza