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Mein Leben bei Preda 1/2

Mein Leben bei Preda 1/2

Hallo liebe Leserinnen und Leser,
seit nun mehr einem Monat lebe ich bei Preda, einer Organisation, die sich schon seit über 40 Jahren für die Rechte der Kinder auf den Philippinen einsetzt.
Gegründet wurde sie 1975 von einem irischen Bruder, Father Shay Cullen.
Heute setzt sich Preda zum einen besonders für Jungen „in conflict with the law“ ein, also jene, die aus verschiedensten Gründen in den Gefängnissen oder sogenannten Jugendcentern, mit gefängnisähnlichen Zügen, landen.
Zum andere, befreien sie Mädchen, die von sexueller Gewalt, physischer Gewalt oder Prostitution betroffen sind aus ihren Konfliktfeldern und versuchen ihnen eine Kindheit zu schenken, die sie genießen können.
Eine weitere Abteilung der NGO betreut den Fairenhandel mit Mangos, für die Eine-Welt-Läden in Deutschland und Österreich.
Dabei unterstützt Preda die philippinischen Ureinwohner, die sogenannten Aetas und kauft ihnen ihre biologischen Mangos für einen weitaus höheren Preis ab, als er im Handel vor Ort üblich wäre.
Mit diesem Geld, können die Familien zum Beispiel ihren Kindern eine angemessene Schulbildung ermöglichen und so eine gute Grundlage für die Zukunft ihrer Kinder schaffen.
Wer noch weiter interessiert ist, an den Projekten von Preda, kann gerne einmal hier vorbei schauen: www.preda.org und sich einige Videos anschauen oder Artikel durchlesen.

Nachdem wir nun geklärt hätte, was Preda ist, komme ich jetzt zu meiner Arbeit und meinen Erfahrungen hier als Freiwillige.
Ich bin als Freiwillige im Girlshome eingesetzt und arbeite dort in der Regel 3 Mal die Woche.
In meinen ersten Wochen war ich immer mit Lara und Natalie, den Langzeitfreiwilligen, zusammen dort. Wir kannten uns schon vom Zwischenseminar im Februar und so war es sehr leicht für mich Anschluss zu finden und wurde auch von den Mädchen sehr herzlich willkommen geheißen.
Da zur Zeit Ferien hier sind, sind die Mädchen den ganzen Tag alle Zuhause und unsere Aufgabe besteht darin mit ihnen verschiedene Aktivities zu machen.
Zum Beispiel singen, backen oder malen wir mit ihnen, machen mit ihnen kleine Gruppenspiele oder trainieren für das kommende Sportfest, dass nun Ende Mai stattfindet.
Zur Zeit leben 31 Mädchen im home, die alle zwischen 6 und 18 Jahren alt sind, aber auch trotz der breiten Altersspanne finden sich immer wieder Aktivitäten, die wir mit allen zusammen machen können.
Die Arbeit im Grilshome macht mir wirklich sehr viel Spaß und die Mädchen sind mir auch schon in dieser kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen, was mich nun auch dazu veranlasst hat noch einen Monat länger zu bleiben und erst Ende Mai wieder zurück nach Pangasinan zu fahren.

Außer der Arbeit bei den Mädchen, habe ich die Möglichkeit auch andere Bereiche der Organisation kennenzulernen.
Zum Beispiel war ich schon mit dem Fairtradeteam einen Tag unterwegs um die Aetas kennenzulernen und zu Besuchen.
Zum anderen habe ich das PEPS-Team begleitet, dass sich für Aufklärungsarbeit einsetzt und in der weiteren Umgebung Seminare für Eltern und ein Puppentheater für Kinder anbietet, um die Frauen und Kinder sowie Eltern über ihre Rechte aufzuklären und die Arbeit von Preda. Natürlich immer mit dem Fokus auf den verschiedenen Formen von Missbraucht.

Ein besonderes Ereignis für mich war, als ich letzte Woche Montag mit einer Sozialarbeiterin von hier und Lara und Nata nach Laguna fahren durfte um ein Mädchen bei ihrem Hearing vor Gericht zu begleiten.
Da die Anreise so weit entfernt ist, haben wir im alten Center von dem Mädchen geschlafen und hatten somit die Möglichkeit Einblick in eine andere Einrichtung mit den gleichen Zielen zubekommen.
Die knapp 25 Mädchen in dem Home haben uns alle herzlich willkommen geheißen und es waren tolle Stunden, die wir mit ihnen verbringen druften.
Leider hat das Hearing dann nicht stattgefunden sondern ist in den Mai verlegt worden, aber da wir bei nächsten Mal wieder mitfahren dürfen eröffnet das uns die Möglichkeit die Mädchen alle noch einmal wieder zu sehen. ☺

An den Wochenenden ist es hier auch nie langweilig, da man immer etwas mit den anderen Freiwilligen unternehmen kann.
Zur Zeit sind wir 6 Freiwillige hier, die 3 Langzeitfreiwilligen, ich und noch zwei Freiwillige aus Österreich.
In meinen ersten Wochen war noch eine Besucherin aus Irland da und am Sonntag ist noch eine andere Österreicherin abgereist.
Außerdem waren bis letzte Woche noch 8 Schwedische Studentinnen hier, die sich das Projekt für ihre Studentischen Arbeiten angeschaut haben.
Also wie ihr seht, ist es hier immer bunt gemischt und wird nie langweilig. ☺

Zusammen fahren wir dann beispielsweise an den Strand oder gehen in die Stadt etwas bummeln, Abend etwas essen oder wir sitzen gemeinsam auf der Dachterasse und spielen.

Letzte Woche gab es für uns einen besonderen Abend, wir sind mit zwei Sozialarbeiterinnen und ihren Männern durch die Sexbars in Baretto gezogen und haben uns das Geschehen direkt vor Ort angeschaut.
Ich fand den Abend sehr spannend und die Mission der Sozialarbeiter lautet bei ihren Touren immer Ausschau nach Minderjährigen Mädchen zu halten.
In unserer 2. Bar hatte die eine Sozialarbeiterin auch schon Kontakte geknüpft und das Vertrauen von einem der Mädchen gewonnen.
Durch versteckte Fragen versucht sie dann im Laufe des Abends mehr über die anderen Mädchen in der Bar herauszufinden.
Bevor wir gegangen sind hat sie noch die Nummern mit ihrer „Freundin“ ausgetauscht, um auch weiterhin mit ihr im Kontaktzustehen.
Am nächsten Tag hat die Sozialarbeiterin mir erzählt, dass sie in sehr vielen Bars so genannte Kontaktpersonen hat, durch die sie versucht herauszufinden welches der Mädchen noch nicht volljährig ist.
Außerdem hat sie in jeder Bar einen anderen Namen und gibt ihre wahre Identität erst preis, wenn sie das Vertrauen eines Minderjährigen Mädchens gewonnen hat und sie ihr an einem neutralen Ort anbietet sie zu Preda zu begleiten.
Auch zu diesem Thema gibt es einige Videos und Artikel auf der Homepage, die ihr euch gerne anschauen könnt. ☺

Komme ich nun zu meiner letzten neuen Erfahrung in den letzten Wochen.
Und zwar habe ich am Freitag zusammen mit den beiden österreichischen Freiwilligen einen schweizer Gefangenen im Gefängnis in Olongapo besucht, der von Preda bei seinem Verfahren begleitet wird.
Er sitzt mittlerweile 1 ½ Jahre hier in Untersuchungshaft und ist laut seiner Aussage Opfer der philippinischen Korruption geworden.
Für mich war der Besuch im Gefängnis sehr beeindruckend, zur Besucherzeit waren auf dem Basketballfeld viele blaue Tische und Bänke aufgestellt und überall um einen herum liefen die Sträflinge oder man konnte sie durch die Gitterfenster in ihren Großraumzellen sehen.
Einige von ihnen haben Körbe geflochten, andere waren im Wäschereiraum eingesperrt, um ihre Wäsche dort zu waschen.
Der Schweizer hat uns erzählt, dass er vor kurzem in eine andere Zelle übergesiedelt ist, in der er nun mit 107 Gefangenen zusammen, allerdings auf größerem Raum, leben muss.
Zumindest gefällt es ihm dort besser, als in seiner alten Zelle, in der er auf kleinem Raum mit zweitweise über 40 Männern zusammen leben musste.
Sie schlafen dort auf sehr dünnen Matratzen auf dem Boden oder nur einfachem Pappkarton und nicht jeder hat das „Glück“, wie er auch mal raus zu dürfen auf den Court um Batminton zu spielen, sagt er, darüber ist er wirklich sehr glücklich.
Mit viel Glück ist sein Fall aber demnächst endlich abgeschlossen und er wird freigesprochen.

So viel zu meinen letzten 4 Wochen hier in Olongapo!
Morgen fahre ich jetzt aber erst mal wieder zurück nach Bani, um am Mittwoch bei der Installation unseres neuen Bischofes dabei zu sein.
Bis Sonntag werde ich aber noch Zuhause in Bani bleiben, da am Freitagabend die anderen Freiwilligen von hier kommen um am Wochenende mit mir zusammen meinen Geburtstag auf den 100 Islands zu feiern.
Am Sonntag machen wir uns dann wieder auf den Weg zurück nach Olongapo, wo ich bis zum 30. Mai noch bleiben werde. ☺

Euch wünsche ich einen schönen Frühling, ab jetzt hoffentlich ohne Schnee und ich werde mich wieder melden, zu berichten habe ich sicherlich wieder viel in den nächsten Wochen!

Alles Liebe,
Jasmine