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Dokumentation der 31. ÖPK

Vom 16. bis 18. Oktober 2015 fand in Bonn die 31. Ökumenische Philippinenkonferenz zum Thema »Recht auf Vielfalt – Menschenrechte und Erhalt der Lebensgrundlagen Indigener in einer globalisierten Welt« statt. Nun ist die dazugehörige Dokumentation erschienen. Ein Grußwort.

»Dieser Umschlag kann nur eines von zwei Dingen – einen Brief oder Geld – enthalten. Wenn es ein Brief ist, weiß ich nicht, wie man liest. Und wenn es Geld wäre, habe ich nichts zu verkaufen. So nehmen Sie Ihren Umschlag und gehen Sie.« So soll Macli-ing Dulag geantwortet haben, als Regierungsabgesandte versuchten, seine Zustimmung für den Bau von Wasserkraftwerken in seiner Region zu kaufen. Der Indigenenführer aus dem Volk der Igorot im Norden der philippinischen Insel Luzon führte den Widerstand gegen das von der Weltbank geförderte Projekt während der Zeit von Präsidenten Ferdinand Marcos an. Seine Weigerung war gut gerechtfertigt: Das »Entwicklungsprojekt« hätte Dörfer, Wälder und die Lebensgrundlage seines Volkes zerstört. Dafür hat er mit seinem Leben bezahlt: am 24. April 1980 wurde er von Regierungssoldat_innen ermordet.

Mehr als 30 Jahre sind seitdem vergangen, aber die Geschichte setzt sich fort, sie wieder- holt sich. Im März 2012 wurde Datu Jimmy Liguyon in der Provinz Bukidnon ermordet. Der Antibergbauaktivist weigerte sich, eine Bergbaukonzession zu erteilen. Laut Rural Missionaries of the Philippines sind 23 Indigenenführer im nördlichen Mindanao im Zeitraum von Oktober 2014 bis Juni 2015 getötet worden.

Fast 15 Prozent der philippinischen Bevölkerung sind Indigene, aber in der öffentlichen Wahrnehmung und ihrer Repräsentanz in der Gesellschaft sind sie unbedeutend. Beim Zugang zu sozialen Einrichtungen, wie z.B. Schulen und dem Gesundheitswesen, sind sie stark benachteiligt, stigmatisiert und gelten als fremd. Seit den 1990er Jahren wurden von Seiten des philippinischen Staates verschiedene Gesetze erlassen und Kommissionen eingerichtet, die ihre Lebensgrundlagen und Rechtssicherheit im Land verbessern sollten, doch klaffen formales Recht und dessen Umsetzung in der Wirklichkeit weit auseinander. Ihre Lebensgrundlagen sehen die Indigenen bedroht durch die Wirtschaftsinteressen nationaler und internationaler Unternehmen (z.B. Bergbau) und Landraub (z.B. Agrobusiness).

Mit den hier gesammelten Beiträgen der 31. Ökumenischen Philippinenkonferenz geben wir den Leser_innen einen Blick in die aktuelle Lebenswirklichkeit von Indigenen und auf ihren Anspruch auf einen angemessenen Platz in der philippinischen Gesellschaft. Vielleicht können sie dazu beitragen, gemeinsam richtige Ansätze zu finden, um den Kampf der Indigenen für ihre Rechte und Lebensgrundlagen auf den Philippinen zu unterstützen.

Es war ein besonderes Privileg, Victoria Tauli-Corpuz, UN-Sonderberichterstatterin für die Rechte indigener Völker, als Referentin zu haben und mit ihr ausführlich über ein Thema zu diskutieren, worüber sie später vor der UN berichtete: die Auswirkungen internationaler Investitionen- und des Freihandels auf die Menschenrechte der Indigenen.

Die ÖPK TeilnehmerInnen haben beschlossen, sich in einem Brief an den Bundeswirtschaftsminister für die Einhaltung der Rechte der Indigenen in den Philippinen im Zusammenhang mit dem anstehenden Freihandelsabkommen EU/Philippinen einzusetzen.