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Die Gemeinschaft zahlt den Preis

Eine Erklärung in Solidarität mit der Bevölkerung von White Kulaman, Kitaotao, Bukidnon (Bild: Glades Maglungsod, mindanews).

»Revolutionen werden gewagt und gewonnen, nicht allein durch den Lärm der Masse, sondern weil Menschen sich für eine Sache einsetzen, beharrlich für sie kämpfen, die Initiative ergreifen und begeistern. Solche Männer und Frauen braucht unser Land, heute mehr denn je. Tatsächlich können Menschen guten Willens aber wenig tun, um den Wahnsinn zu beenden, der unsere Nation noch immer fest im Griff hält. So bleibt uns, unsere Vergangenheit zu erforschen, zu ergründen, wo wir falsche Wege gingen, feststellen was zu diesem Idiotismus führte, was ihn nährte und wie wir am Ende sicherstellen, dass dies nie wieder geschieht.« (Jose W. Diokno).

Heute vor 43 Jahren wurde das Kriegsrecht ausgerufen. 1986 wurde es wieder aufgehoben, aber seine Schatten verfolgen uns noch heute. Die indigene Bevölkerung in White Kulaman schreit nach Gerechtigkeit, speziell für jene, die durch Militärs eingeschüchtert und vertrieben wurden und derzeit in Gefängniszellen ausharren.

Am 26. August 2015 verhaftete das 8. und 22. Infanteriebatallion in einer gemeinsamen Militäroperation dreizehn Zivilist_innen, darunter Elen Manlibaas, unter dem Vorwand, Unterstützer_innen der Neuen Volksarmee (NPA) zu sein. Weitere 42 Menschen sollten ihnen nachfolgen. Aus Angst vor weiteren Verhaftungen flüchten die Mitglieder der Gemeinde auf das Gelände der katholischen Kirche in Arakan. Bald aber müssen die Vertriebenen zurück nach White Kulaman. Die Reis- und Maisernte steht bevor, erstmals seit der Dürreperiode.

Die Situation ist das Resultat der Angst und des Verfalls von Prinzipien. Den Eliten werden wirtschaftliche Vorteile in Aussicht gestellt. Den Preis dafür zahlt die Gemeinschaft – eingeschüchtert, belästigt und vertrieben. Ihre Oberhäupter werden auf bloßen Verdacht hin gewöhnlichen Kriminellen gleich inhaftiert, um sie zum Schweigen zu bringen. Kindern fehlt es an Bildung, weil die wenigen Einflussreichen ihre sinnlose Habgier und wirtschaftliche Macht über das Wohl aller stellen. Das ist nicht nur politische, sondern auch ökonomische Unterdrückung und damit nur eine neue Fratze des Kriegsrechts, das die Rechte der Menschen weder anerkennt noch respektiert.

ICON-SP, das Netzwerk Interkultureller Organisationen für Solidarität und Frieden, unterstützt die Forderung der Menschen nach sofortiger Rückkehr in ihre Häuser und Fortsetzung ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten. Ebenso unterstützen wir den Anspruch der Kinder, ohne Angst in ihren Schulalltag zurückzukehren. Und wir rufen zur Freilassung der dreizehn Zivilist_innen auf, die gegenwärtig wegen des Verdachts, NPA-Unterstützer_innen zu sein, im Gefängnis sitzen. Wir fordern die Zivilbehörden auf, die wahre Stimme ihrer Bürger_innen zu sein und die zivile Herrschaft aufrecht zu erhalten zur unverzüglichen Beachtung und Verwirklichung der Forderungen der Bewohner_innen von White Kulaman. Wir rufen das Militär und die Zivilbehörden auf, die Rechte der indigenen Bevölkerung anzuerkennen und zu respektieren, ihr angestammtes Land zu regieren und zu erschließen. Wir fordern die Wiederaufnahme des Friedensprozesses zwischen der philippinischen Regierung, der Nationaldemokratischen Front (NDF), der Kommunistischen Partei der Philippinen und der Neuen Volksarmee (NPA), um den Weg zu bahnen für wirklichen Frieden und echte Entwicklung.

White Kulaman ist nur eins von vielen Barangays (Anm. d. Red.: Gemeinden) in einer schwierigen Situation. Zahlreiche andere Gemeinschaften sind Drohungen, Spaltung, Einschüchterung und Schikanen ausgesetzt, verbunden mit Morden und gut überlegten Verhaftungen durch Regierungstruppen bei der Durchsetzung ihres öffentlichen Programms für Frieden und Entwicklung (Peace and Development Outreach Program).

Nie wieder wollen wir eine Nation sein getrieben von Angst und Schweigen. Nie werden wir unserem Land erlauben, Sklave ausländischer Kapitalist_innen zu sein. Wir wollen eine selbstbestimmte Nation sein, regiert mit Gottesfurcht, wohltätigen und wohlmeinenden Führer_innen, die jederzeit das Volk an die erste Stelle setzen; Führungskräfte, die inspirieren, sich durchsetzen, Verantwortung übernehmen, standhaft bleiben und vor allem treu, furchtlos und philippinisch bleiben bis zum Ende.