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Bagyong Lando (Koppu) nanalasa sa Bani!

Hallo fleißige Leserinnen und Leser,

in diesem Blogeintrag möchte ich Euch von meinem Erlebnis mit dem Taifun Lando (international: Koppu) in der letzten Woche berichten.

Wie ich in meinem letzten Eintrag ja bereits erwähnt habe, kam Lando am Freitag auf die Philippinen und wir konnten ihn ab Freitagabend mit heftigen Windböen spüren.
Nachdem ich am Samstagnachmittag meinen Blogeintrag veröffentlicht habe fiel 3 mal das Licht aus und der Wind war abends so stark, dass meine Gasteltern und meine Gastschwester nicht oben unterm Dach schlafen wollten, sondern auf der Couch im Wohnzimmer.

In der Nacht auf Sonntag ist dann früh morgens unser Strom komplett ausgefallen und ging erst am Freitagabend wieder an.
Da es außerdem angefangen hatte heftig zu regnen haben wir zudem unseren sonntäglichen Gottesdienst ausfallen lassen und sind den ganzen Tag im Haus geblieben und haben darauf gewartet, dass das Wetter wieder besser wird.
Das Ende war allerdings noch lange nicht in Sicht.
Gegen Nachmittag hat Sir Jojo sich ein Regencape übergeworfen und uns noch eine große Meryenda besorgt und als es langsam dunkel wurde haben wir die ersten Kerzen aus den Kisten gepackt und aufgestellt.
Während unserem „Candellight“-Dinner kamen plötzlich zwei meiner vielen Cousins hier und der Bruder von Madam Nida zu uns und sie haben gefragt, ob sie bei uns schlafen können, da Ihr Haus schon mit Wasser vollgelaufen ist.
In dieser Nacht haben meine Gasteltern wieder hier unten neben meinem Zimmer geschlafen und gegen 4 Uhr morgens wurde ich plötzlich von einem Aufschrei von Jaja geweckt und mir war sofort klar, was passiert war.
„WE ARE FLUDDEN“ – hat mir meine Gastmutter nur durch mein kleines Fenster zugerufen und als ich meine Zimmertür aufgemacht habe war das Wasser grade so hoch wie meine Türschwelle.
In Rekordzeit habe ich alles, was auf dem Boden stand auf meine Couch und in meine Handtaschen gestopft, die ersten zwei Fächer in meinem Kleiderschrank noch oben geräumt und dann alles hoch in den 1. Stock getragen. Kurz danach wurde meine Couch und mein kleiner Tisch hoch geräumt und am Ende standen nur noch mein Bett und mein Schrank in meinem Zimmer.
Das Wasser ist immer mehr gestiegen, bis es gegen 8 Uhr kniehoch war.

Ich habe noch nie so einen heftigen Strum erlebt, wie am Sonntag und am Montag und das warten auf das Ende direkt unter unserem Dach war irgendwann sehr nervenaufreibend.
Ich habe im Grunde den ganzen Montag auf meiner Couch im 1. Stock zusammen mit Madam Nida verbracht. Wir haben quasi auf unser Dach aufgepasst und sind alle paar Minuten zusammen geschreckt, weil wir dachten: „Jetzt fliegt es gleich weg!“

Irgendwann nach dem Mittagessen, dass Ate Luz und Sir Jojo im Knietiefen Wasser zusammen in der Küche gekocht haben, hieß es dann jetzt muss alles hoch, weil das Wasser immer mehr gestiegen ist und wir alle elektronischen Geräte und alles wichtige hochbringen mussten.
Ich musste meinen ganzen Kleiderschrank ausräumen und sollte anfangen alles in Taschen und in meinen Rucksack zupacken, damit wir im Notfall alles schnell nehmen können und in die Kirche bringen können. Die Angst um das Dach ist bis in die nächste Nacht geblieben.

Besonders, als Madam Nida mir dann gesagt hat, dass bei unseren Nachbarn eine Wand weggeflogen ist und unserem Dach dadurch eine Wand gefehlt hat.
Wir wohnen quasi in einem Doppelhaus und da es keine Decke oben in dem Raum gibt, in dem wir uns alle aufgehalten haben, sondern gleich das Dach kommt, ist der Wind immer heftig durch unser Haus gezogen und ich konnte von meiner Couch jedes Mal sehen wenn der Wind unter das Dach kam und es sich kurz etwas angehoben hat.
Mir ist fast jedes Mal das Herz stehen geblieben und ich habe mich aufs neue erschreckt.

Gegen Nachmittag ist das Wasser im Erdgeschoss endlich wieder langsam gesunken, da der Fluss dann einen niedrigeren Wasserstand hat.
Nach dem Abendessen haben wir dann mit ganz vielen Taschenlampen das restliche Wasser aus dem Haus geschöpft.
Die Nacht haben wir aber dennoch alle zusammen oben auf unseren ganzen Couchen verbracht und ich habe fast kein Auge zubekommen, weil der Regen so laut auf unser Dach geschlagen hat und immer wieder Windböen durch den Raum gefegt sind.
Irgendwann wurde es dann aber tatsächlich besser und als ich am Dienstag morgen aufgewacht bin, dachte ich, dass es noch nie so leise hier war, seit ich hier bin.

Nach unserem Frühstück sind wir dann erst mal alle zusammen durch Bani gelaufen und haben uns angesehen was alles passiert ist.
Die Straßen waren alle grün und es sind sehr viele Bäume umgefallen!
Einigen Häusern fehlen Wände und Dächer und in unserer Schule hat unsere GYM auch ihr Dach fast ganz verloren…
Ein Schulgebäude hat es auch echt heftig erwischt und dem fehlt das Dach.
Die anderen Klassenräume waren alle geflutet.

Kurz nach unserem Rundgang, bin ich mit Madam Pinky zusammen wieder zurück zur Schule gegangen um mit dem Putzen und Aufräumen anzufangen.
Als sie die Tür aufgeschlossen hat, war es ein Anblick von riesem großen schmutzigen Chaos!
Einige Möbelstücke haben sich durch das Wasser bewegt, unsere Lernkarten sind scheinbar überall durch den Raum geschwommen, die untersten zwei Regal- und Schrankfächer sind alles nass gewesen und damit auch 70% unserer Bücher.
Aber bevor wir anfangen konnten alles zu sortieren und aufzuräumen, mussten wir erst mal den Fußboden von dem schlammigen lehmartigen Dreck befreien, der überall war.
Nach zwei Stunden war es endlich einigermaßen sauber und wir erst mal fertig für den ersten Tag.

Zuhause hat auf mich schon neue Arbeit gewartet und ich durfte mein ganzes Zimmer wieder einräumen und danach haben wir noch die Sachen für Wohn- und Esszimmer wieder runter gebracht und auch hier angefangen den Boden zu putzen und zu warten bis er endlich trocken wird… Das hat aber ein paar Tage länger gedauert!

Da wir seit Montagmorgen auch kein fließendes Wasser mehr hatten und es aufgehört hat zu regnen, wurde unser Wasser zum Waschen und Duschen immer knapper und auch unser Trinkwasser war fast leer.
Aber da ich dringend duschen musste und noch kein neues Wasser da war, hat Nida mir einen Eimer mit Trinkwasser abgefüllt zum duschen. Das hat sich nicht wirklich gut angefühlt und ich war froh, als wir ein paar Stunden später wieder Wasser zum duschen hatten, da die Männer sich mit dem Tricycles und großen Eimern auf den Weg in eine andere Barangay gemacht um dort aus einem Brunnen Grundwasser zu holen.
Kurz darauf sind wir dann wieder aufs Tricycle gestiegen um Trinkwasser zu holen, allerdings war das Wasser in Bani schon leer und mir mussten nach Alaminos fahren! Alle Wasserstationen unterwegs waren schon leer und dann haben wir in Alaminos knapp 2 Stunden angestanden und gewartet bis unsere Kanister aufgefüllt wurden.
Als wir wieder Zuhause ankamen war es schon dunkel und es gab wieder Abendessen bei Kerzenschein.
Die nächsten Tage war ich dann Vormittags immer in der Schule und wir haben dort sortiert, weggeworfen und fast wieder unsere alte Ordnung geschaffen. Bis sie wieder ganz da ist, braucht es allerdings noch ein paar Stunden Arbeit. 🙂
Nachmittags habe ich dann hier Zuhause geholfen aufzuräumen und alles zu Waschen, Nida und ich haben unser komplettes Geschirr spülen müssen und neu in die Schränke einsortiert und da wir sehr viel Geschirr haben, hat das 2 Tage gedauert.. 😀

Seit Freitag ist der alte Alltag aber immer mehr da und wir Teachers sind zu einem Seminar zum Thema ADHS nach Lingayen gefahren.
Als ich nach diesem langen und anstrengenden Tag nach Hause kam, gab es allerdings die frohe Botschaft, dass wir endlich wieder Strom haben!
Fließendes Wasser gab es schon am Mittwoch wieder, darüber habe ich mich sogar nich mehr gefreut, als über den Strom! 🙂

Gestern war dann noch unser Sportfest in der Schule und auf dem Plaza, mit allen Lehrern, einigen ehemaligen Schülern und einem Team aus Eltern, die in verschiedenen Sportarten und kleinen Spielen gegeneinander angetreten sind!
Das hat wirklich Spaß gemacht und ich durfte das Teachersteam beim Volleyball unterstützen!
Außerdem wurde Basketball gespielt und am Nachmittag gab es kleine Spielrunden.
Zwischendurch habe ich mich wie auf einem Kindergeburtstag gefühlt, aber ich bewundere immer wieder die lebensfrohe Art der Filipinos, wenn sie selbst nach dem Taifun beim anstrengenden Aufräumen in der Hitze ihr Lächeln nicht verlieren und sich immer wieder an den kleinsten Dingen erfreuen können.

So und mit diesen Worten gebe ich nach Deutschland, mir geht es sehr gut hier, ich habe sehr viel gelacht in den letzten Tagen, auch wenn wir immer mal wieder Schreckensmomente hatten und Angst um das Dach, wurde sehr viel gelacht und unsere kleine Flut hier im Haus mit viel Humor aufgenommen. 🙂

Bis bald und sonnige Grüße an das kalte Deutschland!
Eure Jasmine

2 Kommentare

  1. Christiane Gelnar Christiane Gelnar 4. November 2015

    Liebe Jasmine, sende Dir herzliche Grüsse aus dem kalten Deutschland – Jochen war so lieb mir Deine Blog-Anschrift zu senden, da ich auf Miras Geb. mit Deinen Eltern gesprochen hatte wie es Dir so ergeht – Du hast ja schon einiges erlebt – – toll dass Du diesen Block hier hast – -werde diesen eifrig verfolgen – -hab weiterhin eine tolle aufregende Zeit und bleib gesund – – sei umarmt Christiane mit Christian

  2. Andrea Weber, Klaus Oberndörfer Andrea Weber, Klaus Oberndörfer 22. November 2015

    Hallo Jasmin,
    wir hoffen es geabe bei geht Dir wieder besser. Deine Berichte verfolgen wir immer mit großem Interesse.Du erlebst ja jeden Tag neue Herausforderungen. Die Schilderungen von Dir haben uns Neugierig gemacht das Land ein mal zu besuchen. Wir sind gespannt auf Deine Schilderungen wenn Du wieder da bist.
    Eine weiter gute Zeit für Deinen Aufenthalt.
    Herzliche Grüße aus Deutschland mit etwas Schnee von Andrea + Klaus