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Parang Panaginip

Ihr Lieben,

schon wieder 3 Wochen zuhause, melde ich mich noch ein letztes Mal.

Meine letzten Wochen auf den Philippinen verliefen weiter spannend: Ich habe nochmal alle besucht, um mich zu verabschieden. Ein letztes Mal in Bacabac bei meiner ersten Gastfamilie übernachtet, das letzte Mal den Gottesdienst in Salasa besucht und zusammen mit den Scholars gescherzt und gelacht, Imelda und Simon in Mangatarem verabschiedet, noch einmal bei den MCs im Home of Peace vorbei geschaut… Dort war ich sehr überrascht über die vielen neuen Kinder, die meisten kannten mich noch gar nicht. Doch die „Dauergäste“, Jona und Arlene (sie werden dort aufgrund ihrer starken Behinderung für immer leben), wussten natürlich wer ich bin und Arlene begrüßte mich mit einem High-Five, sie erkennt mich nur an meiner Stimme, ein sehr berührendes Gefühl. Einer meiner Lieblinge, Renjay, den ich oft zu Arztterminen begleiten durfte und mit dem ich viel Lauftraining gemacht habe, er kam so geschwächt, dass er zunächst nur im Rollstuhl sitzen konnte, ist mir beim Besuch mit meiner Familie entgegen gerannt, als ich jetzt kam, lag er jedoch mit Wasser in der Lunge im Bett und sein Zustand war kritisch. Das hat mich sehr berührt, sein Schicksal werde ich nicht mehr mitbekommen. Mit der Ungewissheit, ob er es schafft oder nicht, fällt es mir schwer umzugehen.

In der Schule lief der Alltag weiter, bis in der letzten Woche zwei Typhoone nacheinander auf das Land trafen, somit fiel die Schule aus… Diesen Zustand hatte ich mir natürlich nicht so für die letzte Woche vorgestellt, weshalb die Untätigkeit, zu der ich dann gezwungen war, zunächst schwer auszuhalten war. Doch die Philippinen wären nicht Philippinen, wenn sich auch dann noch spontan was ergibt und das Beste aus der Situation gemacht wird. Ich hatte also nochmal viel Zeit mit meiner Gastfamilie, Zeit für einen gemeinsamen Regentanz und in den paar trockenen Stunden haben wir Avocados geerntet, was auch ein großer Spaß war. Außerdem habe ich Kim (Stipendiatin meiner Gasteltern) und ihren an Denguee-Fieber erkrankten Bruder im öffentlichen Krankenhaus besucht; mir wurde mal wieder vor Augen gerufen, dass unser Gesundheitssystem schon weit fortgeschrittener ist und was ein Glück ich hatte, dass ich das ganze Jahr über nicht ernsthaft krank geworden bin.

Am letzten Wochenende folgte dann Despidida auf Despidida, dh Abschiedsfeiern. Samstags waren wir noch mit dem Bürgermeister Mabinis essen, am Sonntag wurde ich in der Gemeinde verabschiedet, die Scholars in Mabini haben ein ganzes Programm aufgestellt; mit Tanz, Gesang und Bildershow. Auch meine Gastfamilie hatte etwas vorbereitet und meine Lieblingsessen bestellt. Insgesamt war es sehr berührend.

Sonntags bin ich dann auch schon nach Alaminos umgezogen, um dort meine letzten zwei Nächte zu verbringen, um am nächsten Morgen, direkt wieder nach Mabini zu fahren. Die Typhoone hatten sich zu unserem Glück verzogen, sodass meine kleine Fairwell Party in der Schule doch noch stattfinden konnte. Darüber war ich sehr glücklich, zu gehen ohne mich dort verabschiedet zu haben, wäre mir sehr schwer gefallen. So hatte ich aber dann nochmal die Gelegenheit alle meine Schüler, sie sind wirklich alle erschienen, in den Arm zu nehmen und mich zu verabschieden. Das war doch noch sehr schön.

Abends wurde dann auch noch in Alaminos gefeiert, einige aus den Partnergemeinden waren gekommen und natürlich alle aus Alaminos. Obwohl es der letzte Abend war, konnte ich das alles nicht realisieren, es fühlte sich nicht an, all die Personen, die im Laufe der Zeit Freunde und Familie geworden sind, für lange Zeit nicht mehr zu sehen. Es fühlte sich für mich einfach zu normal an, dass ich dort lebte, weil ich dort ein neues Zuhause gewonnen habe. Der Abschied fiel mir somit nicht wirklich schwer, in meinem Kopf wusste ich es zwar irgendwie, dass es ein Abschied für länger wird, aber in mir drin fühlte es sich so an, als sehe ich sie alle wie gewohnt am nächsten Tag wieder…

Am Morgen vor unserem Flug (18.30 Uhr Abflug) habe ich dann noch eine Komikshow für alle anwesenden Filipinos hingelegt: Abfahrt war für 6 Uhr geplant, der Fahrer kam dann um 7 Uhr und musste erstmal noch FRÜHSTÜCKEN… Da sind bei mir doch alle Fäden gerissen, ich hatte doch irgendwie Angst den Flug zu verpassen, Manila kann so verstopft sein, dass man mehrer Stunden braucht, um den Flughafen zu erreichen und als dann noch die Bemerkung kam „ja Manila sei womöglich überflutet“ da sind dann alle Sicherungen durchgeflogen. Aber die Priester hatten einen Spaß an mir, so früh am Morgen kann sich aber auch nur eine Deutsche aufregen 😉 naja, irgendwie hat es natürlich doch alles gepasst, somit waren wir dann mit genügend Zeit am Flughafen, wo wir entspannt mit unserem Gepäckberg einchecken konnten… und dann sicher und ohne Komplikation in Deutschland landen konnten.

Der Titel meines letzten Beitrages lautet „Parang Panaginip“, übersetzt heißt das: Like A Dream; Wie Ein Traum. Für mich fühlt sich meine Zeit auf den Philippinen ein wenig wie ein Traum an: Hier angekommen, war es direkt wie vorher, gefühlt hat sich außer die Größe meiner Schwester nichts verändert, ich habe mich sehr schnell wieder ins deutsche Leben eingefunden. Deshalb ist es ein wenig surreal, dass ich noch vor drei Wochen in so einer komplett anderen, aber so schönen Welt gelebt habe und dort meinen Alltag, mein Bett und meine Freunde hatte. Ein wenig ärgere ich mich aber auch darüber, dass ich mich so schnell wieder ans alte deutsche Leben gewöhnt habe, dass ich irgendwie wieder die „alte Caro“ geworden bin und ich bis jetzt noch nicht wahrnehme, dass ich mich dort verändert habe und auch hier verändert bin. Doch da wurde ich von vielen der Ehemaligen Freiwilligen, die ich auf „25. Jahre Internationaler Freiwilligendienst des Bistum Limburgs“ kennengelernt habe, beruhigt; das komme schon noch. Darauf bin ich jetzt mal gespannt und ich freue mich auch sehr auf unser Rückkehrerseminar, was im September noch ansteht.

Trotzdem möchte ich aber noch ein kleines Fazit ziehen: Mein Jahr auf den Philippinen hat mir viele Dinge über mich selber gezeigt, wie schwer ich mich am Anfang mit dem anderen Leben, dem ganzen Tumult auf der Straße, den anderen Gerüchen, Geräuschen und Gewohnheiten der Menschen getan habe. Ich muss zugebeben, dass ich ja fast Angst hatte auf die Straße zu gehen. Als ich einmal jedoch begriffen hatte, wie schön die Philippinen sind und ich angefangen habe meine Zeit dort zu genießen, da ging es immer nur noch bergauf. An jede Veränderung konnte ich mich schneller gewöhnen, der Kontakt zu den Menschen wurde mit meinen wachsenden Sprachkenntnissen immer leichter und intersiver, meine Geduld zu Warten wurde immer größer, all die Dinge, mit denen ich mich am Anfang so schwer getan habe, habe ich lieben gelernt,… Aber natürlich gab es nicht immer nur super schöne Momente, aber da ich irgendwann Freunde und „Familie“ hatte, fiel es sehr viel leichter die negativen Sachen zu kompensieren. Ich glaube zwar nicht, dass ich mit meinem Dienst die Welt gerettet habe, aber dafür habe ich versucht ein paar Brücken zu bauen, gegenseitiges Verständnis für die zwei so unterschiedlichen Kulturen zu erreichen, einige Vorurteile zu widerlegen und in meiner Arbeit Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken und natürlich habe ich sehr viel durch diesen Dienst gelernt.

Das wars jetzt aber auch!

Ihnen und Euch allen möchte ich Danke sagen, Danke für Ihre/Eure Unterstützung und dafür, dass Sie/Ihr alle so fleißig meine Beitrage gelesen haben. Einfach DANKE!

Unsere Nachfolger Jasmine und Martin werden am 14. August ausreisen, den beiden wünsche ich auch eine so wundervolle Zeit, wie ich sie erleben durfte! Vielleicht schauen Sie ja auch mal bei den zwein in ihre Beiträge. Wird sicher auch sehr spannend!

Euch noch einen schönen Sommer 🙂

Caro