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Schulfrei wegen Aufstandsbekämpfung – Rechte der indigenen Bevölkerung bedroht

Ihr Widerstand gegen illegale Abholzung und nicht mit den Umweltgesetzen konforme Bergbauprojekte auf ihrem angestammten Land hat die indigene Bevölkerung in einigen Regionen Mindanaos zur Zielscheibe neuer Maßnahmen der Aufstandsbekämpfung gemacht. Betroffen sind vor allem Kinder. So wurden Schulen in diesen entlegenen Gebieten geschlossen. Dagegen haben Schulkinder aus Talaingod und Davao del Norte protestiert, berichtet Piya Macliing Malayao, Generalsekretärin der KATRIBU. An die 3000 Kinder aus indigenen Siedlungen in Davao Oriental, Compostela Valley, den Provinzen Bukidnon und Agusan werden nicht unterrichtet, weil das Erziehungsministerium die Zulassung für alternative Schulen verzögert. Schulen für indigene Kinder brauchen seit kurzem eine besondere Genehmigung der nationalen Kommission für die indigene Bevölkerung. Diese ist wiederum verpflichtet worden, sich zuerst mit den vom Militär kontrollierten lokalen Peace und Order-Councils zu beraten.

Aus Sicht des Militärs handelt es sich bei den Dorfschulen, die häufig von Missionar_innen oder anderen religiösen Gruppen betrieben werden, um Unterstützungs-Infrastruktur für die kommunistischen Rebell_innen. Nun will die Regierung darauf reagieren, indem sie Soldat_innen und Paramilitärs dort einschleust, berichtet Piya Malayao.

Menschenrechtsverletzungen an Kindern in Mindanao sind 2014 um das Dreifache gestiegen im Vergleich zum Vorjahr, von 23 auf 64, so hat das Children’s Rehabilitation Center dokumentiert. Für dieses Jahr sind bis April 23 neue Fälle hinzugekommen.

Schulen werden häufig als Quartier für das Militär benutzt, so wurde etwa im Oktober 2014 eine Grundschule im Sitio Nastilaban vom 60. Infanteriebattalion und bewaffneten Kämpfer_innen der paramilitärischen »Amara« eingenommen und diente eine Woche als Gefechtsbasis. 300 Schüler wurden traumatisiert.

Allein aus Talaingod berichtet die Menschenrechtsorganisation Karapatan von ständigen Durchsuchungen, Konzentration der Bewohner_innen auf eine überwachte Kernsiedlung und den Missbrauch der Bevölkerung als lebende Schutzschilde bei Gefechten. In andern Orten wurden Schüler als Rebellennachwuchs beschimpft und die Lehrer_innen verhört.

Diese militärischen Interventionen, die laut Militärsprecher auch dem Erhalt und Reparatur von Schulgebäuden dienen, konzentrieren sich auf Regionen mit ehrgeizigen Investitionsprojekten und hoher Präsenz der Rebell_innen. Im Konflikt um die Schule von Taloingod etwa spielt der philippinische Alcantara-Clan eine Rolle, der schon seit den 80er Jahren Abholzung auf indigenen Land betreibt. Der Clan steht der Präsidentenfamilie Aquino nahe.

Zugleich sind dies Regionen, in denen staatliche Einrichtungen so gut sie nicht präsent sind. Neun von zehn Kindern aus der indigenen Bevölkerung haben keine Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Dieses Vakuum füllen inzwischen 146 alternative Schulen, meist von Gruppen mit religiösem Hintergrund getragen.