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Der Kampf gegen Taifune und die Folgen des Klimawandels

Es ist erst 17 Monate her seit Taifun Haiyan, der auf den Philippinen Yolanda getauft wurde, weite Teile der Visayas zerstört hat. Nur ein Jahr später brachte Hagupit (lokaler Name: Ruby) eine zweite Welle der Zerstörung und Anfang diesen Jahres waren es die Wassermassen von Senjang, die die Menschen in den Philippinen vor große Herausforderungen stellten. Die Liste lässt sich fortführen, während ich diese Zeilen schreibe bewegt sich Taifun Maysak (lokaler Name: Chedeng) auf die Philippinen zu.

Die Zahl verheerender Taifune weltweit steigt, betroffen sind vor allem die Menschen, die an den Küsten leben. Auf den Philippinen sind das 60 Millionen – viele von ihnen leben direkt oder indirekt von der Küstenfischerei. Doch nicht nur Taifune und der Anstieg des Meeresspiegels bedrohen ihre Lebensgrundlagen immer mehr – auch die Überfischung durch Großkonzerne, die Abholzung der Mangroven oder der Siedlungsdruck gefährden das Leben von immer mehr Küstenbewohnern.

Weltweit steigen die wetterbedingten Gefahren durch Wirbelstürme, Starkniederschläge, Erdrutsche und Überschwemmungen – 2012 gab es mehr als doppelt so viele dieser Naturkatastrophen wie 1990. Eine wichtige Ursache dieser Veränderungen ist der Klimawandel mit seinen Folgen, den die Menschen auf den Philippinen früher und deutlicher zu spüren bekommen als wir in Mitteleuropa. Im aktuellen Weltrisikobericht von »Bündnis Entwicklung hilft« stehen die Philippinen an erster Stelle der derjenigen Staaten mit großer Bevölkerung, in denen die Gefahr von Naturkatastrophen besonders hoch ist. Aber auch in Deutschland ist der Klimawandel bereits Realität. Längst werden Strategien gesucht, diesen Entwicklungen des Klimas Rechnung zu tragen. Doch die nur schleppend und von vielen als viel zu ungenügend empfundenen Vereinbarungen der Klimakonferenzen, ob in Lima, Warschau, Doha oder Durban, zeigen: Wenn internationale Vereinbarungen so schwierig sind, ist es umso wichtiger, dass jede und jeder Einzelne im persönlichen und gemeinschaftlichen Handeln Veränderungen wagt.

Mit der diesjährigen Fastenaktion unter dem Motto »Neu denken! Veränderung wagen.« machte MISEREOR auf vielen Veranstaltungen am Beispiel der Philippinen deutlich, welche Folgen der Klimawandel hat. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MISEREOR-Partnerorganisationen Philippine-Misereor Partnership (PMPI), Sikat, Mindanao Land Foudation und Pecojon sowie die Bischöfe Ledesma aus Cagayan de Oro und Varquez aus Borongan waren im Februar und März zu Gast in Deutschland. In zahlreichen Veranstaltungen gaben sie ein eindringliches Zeugnis vom (Über-)Leben mit den Folgen des Klimawandels. Für die Menschen auf den Philippinen und in anderen Ländern des Globalen Südens ist der Klimawandel längst mehr als eine Bedrohung, er ist Realität – mit dramatischen Folgen.

Die deutsche Politik forderte MISEREOR in diesem Zusammenhang auf sich international noch stärker für den Klimaschutz einzusetzen und in Deutschland ganz konkret den Ausstieg aus der Kohleverstromung zu beschließen und sämtliche Subventionen für diesen Zweck zu streichen und stattdessen erneuerbare, dezentrale Energien und deren Arbeitsplätze stärker zu fördern, des weiteren Wege aus der CO2-Falle zu suchen, indem gesetzliche Rahmenbedingungen für klimaintelligente Lebensstile und Produktionsweisen, vor allem in den Bereichen Energiegewinnung und Mobilität, geschaffen werden und der Ausstoß von CO2 besteuert und klimaneutrales Verhalten und Wirtschaften »belohnt« wird. Global sollte die Bundesregierung Verantwortung übernehmen und Klimaschutz-Finanzierungen im Ausland so gestalten, sodass diese gezielt armen Menschen zu Gute kommen und immer mit der Auflage der Wahrung und Stärkung der Menschenrechte vereinbar sind.

Die Gäste der MISEREOR-Fastenaktion haben bei ihren Veranstaltungen die Bedeutung dieser Forderungen auch für ihre konkreten Projekte in Davao, auf Siargao, in Guiuan und in Tacloban unterstrichen. Ebenso wichtig war ihnen aber auch die Botschaft, dass ihre deutschen Gastgeber im Umwelt- und Klimaschutz schon einiges geleistet haben und man hiervon auch lernen kann.

Die Bilder der Zerstörungen nach Haiyan und das harte Los der Küstenfischer auf Siargao oder der ehemaligen Seenomaden der Sama Dialut an der Flußmündung des Davao River, haben den Menschen bei den Fastenaktionsveranstaltungen vor Augen geführt was Klimawandel konkret bedeutet. Ein konkreter Aufruf neu zu denken und Veränderung zu wagen. Hier bei uns und weltweit.