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Ungleichheit ist skandalös

Die Ansprache des Papstes war eine laute Anklage der sozialen Verhältnisse auf den Philippinen und ein empörter Ruf an die Mächtigen im Land, sich für Verelendete verantwortlich zu fühlen, statt sich selbst weiter zu bereichern. Eine »skandalöse gesellschaftliche Ungleichheit« prangerte Franziskus vor der versammelten Staatsspitze um Präsident Benigno Aquino an. Mehr denn je brauche das 100-Millionen-Einwohner-Land politische Führer, »die für Ehrlichkeit, Integrität und den Einsatz für das Gemeinwohl stehen«. Nötig sei ein Wandel des Herzens und der Mentalität, forderte der Papst.

Grundübel ist die allgegenwärtige Korruption. Laut Transparency International sind die Philippinen eines der korruptesten Länder der Welt. Dieses System entziehe den Armen alle Ressourcen und schließe sie von jeder Teilhabe aus, warf der Papst den Eliten vor.

Im Kampf gegen die Armut muss für ihn auch die Kirche mehr leisten. Bischöfe und Priester müssten die Ersten sein, die gegen die Verfestigung ungerechter Strukturen neue Solidarität im Zeichen des Evangeliums einforderten, sagte er anschließend bei einer Messe mit Geistlichen in der Kathedrale von Manila. Hier gebe es »Verfehlungen und Sünde«. Niemals dürfe sich die Kirche mit den Verhältnissen abfinden. Zugleich ist die philippinische Kirche selbst eine der reichsten Institutionen im Land. Die Priester mahnte Franziskus zu einer bescheidenen Lebensführung. »Nur wenn wir selber arm werden, wenn wir unsere Selbstgefälligkeit ablegen, werden wir fähig sein, uns mit dem Geringsten unserer Brüder und Schwestern zu identifizieren«, so der Papst. Manilas Kardinal Luis Tagle bedankte sich für Franziskus‘ Besuch mit den Worten, der Papst bringe ein reinigendes Feuer und Waffen, die nicht töteten, sondern Gewissheit brächten.

Nach der Messe traf Franziskus die größten Verlierer der Slumkultur: In einer benachbarten Hilfseinrichtung begegnete er rund 200 Straßenkindern und ehemaligen Prostituierten. 20 Minuten lang ließ er sich deren Lebensgeschichten erzählen und segnete sie.