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Überbordende Erwartungen vor dem Papstbesuch

Drei Papamobile stehen Papst Franziskus bei seinem Besuch auf  den Philippinen zur Verfügung. Um auf alle Anliegen zu reagieren und auf alle Themen einzugehen, die von allen Seiten und aus allen Schichten an ihn herangetragen werden, müsste der Papst sich am besten auch verdreifachen und den viertägigen Aufenthalt im Inselstaat auf drei Wochen ausdehnen.

Schon seit einem Monat bereitet sich die Nation intensiv auf den Besuch des Kirchenoberhaupts vor. »Gewinne jemand für Gott – eine Kundgebung für den Papst«, unter diesem Motto stand kurz vor Weihnachten ein katholisches Jugend-Event in Quezon City. Tausende junge Filipin@s folgten der Einladung der Stiftung »Paare für Christus« und der Nationalen Bischofskonferenz, bis zur Ankunft von Franziskus auf den Philippinen mindestens einen Menschen für Gott zu gewinnen.

Die Veranstaltung in einem Einkaufszentrum war nur eine von vielen, bei denen die Menschen des einzigen großen katholischen Landes in Asien dem Papstbesuch entgegenfiebern. Eigentlich scheint der Papst sogar schon da: Auf Transparenten vor Kirchen grüßen Gemeinden den Heiligen Vater, und in vielen Kirchen der Zwölf-Millionen-Einwohner-Metropolregion Manila steht Franziskus als Pappfigur in Lebensgröße. »Mabuhay! Willkommen, Eure Heiligkeit Papst Franziskus«, heißt es auf tausenden Plakaten in den Straßen Manilas.

Wichtiger als Kalender oder Postkarten scheinen den Filipin@s deutliche Botschaften von Franziskus zu sein. Katholiken, Protestanten, Muslime, Atheisten und Homosexuelle – sie alle erwarten sich von dem Argentinier klare Worte zur Lösung der gesellschaftlichen und politischen Probleme des Landes. Auch Vertreter_innen der protestantischen Kirchen auf den Philippinen hoffen, dass der Papst die Kernprobleme wie Korruption und Armut ansprechen wird.

Auch die islamische Organisation Moro Islamic Liberation Front (MILF) begrüßt den bevorstehenden Papstbesuch. »Wir heißen Papst Franziskus willkommen und hoffen, dass er den Friedensprozess auf der Insel Mindanao unterstützen wird«, sagte Murad Ebrahim, Vorsitzender der MILF.

»Mindanao wird an ausländische Konzerne ausverkauft. Wir werden mit Gewalt vom Land unserer Vorfahren vertrieben«, klagte Jomorito Goaynon vom Stamm der Higaonon auf Mindanao. »Staatspräsident Benigno Aquino tritt unsere Rechte mit Füßen«. Der Papst solle Aquino dafür zur Verantwortung ziehen, findet Goaynon.

Neri Javier Colmenares, Parlamentsabgeordneter der Partei Bayan Muna, macht das Militär für viele der politischen Morde an kritischen Journalisten, Umweltaktivisten und Menschenrechtlern verantwortlich. »Die Kirche traut sich nicht, das Militär direkt anzugehen«, kritisiert er. An Papst Franziskus gefällt ihm, dass die Kirche »wieder politisch« werde. »Hoffentlich hat das Auswirkungen auf die Kirche hier«, so das Mitglied der Kolumbus-Ritter, einer internationalen katholischen Laienorganisation.

Selbst Filipin@s, die der Religion kritisch gegenüberstehen, schauen erwartungsvoll auf den Papstbesuch. Red Tani, Präsident der Freidenker, versichert: »Wir unterstützen das Versprechen von Fortschritt, für das Papst Franziskus steht – und wir ermutigen progressive Katholiken, laut jene Veränderungen einzufordern, die sie erwarten.«