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Manigong Bagong Taon Sa Inyong Lahat!

Erstmal ein frohes neues Jahr an euch Alle! Ich hoffe, ihr seid Alle, nach einer gemütlichen Advents- und Weihnachtszeit, gut ins neue Jahr 2015 gekommen.

Bei mir war Weihnachten und Silvester dieses Jahr doch sehr viel anders, als ich es sonst gewöhnt bin…

Der 24. fing erst mal ganz nüchtern mit einem riesigen Berg Wäsche und letzten Weihnachtseinkäufen an. Ganz wie in Deutschland, stürmen alle nochmal am 24. auf die Märkte. Beim Abendessen habe ich dann, für mich sehr überraschend, erfahren, dass ich, da meine Gastmutter etwas angeschlagen war, die Einzige bin, die zur Christmette um 22.00h geht. Die war jedoch sehr schön. Angefangen hat sie auch hier mit einem Krippenspiel, performed bei den Jugendlichen und als Musical gestaltet. Spannend fand ich, dass sie nicht mit der Verkündung Herodes anfangen, sondern wie Maria von Engel erfährt, dass sie Gottes Sohn auf die Welt bringen wird…

Vor Weihnachten wurde mir erklärt, dass auf den Philippinen Weihnachten, wie auch in den USA, erst am 25.12. sei, sodass man, wenn man von der Mitternachts-Christmette nach Hause kommt, das Weihnachtsessen isst und Geschenke auspacken darf. Durch diese Information hatte ich erwartet, dass wenn ich nach dem Gottesdienst, nach Mitternacht, nach Hause komme, die Geschenke schon ausgepackt wurden, da die Kinder es nicht mehr erwarten konnten…Es war jedoch genau das Gegenteil der Fall: Alles schlief. Nach und nach sind dann die Erwachsenen (es waren noch die Tochter mit Familie und der jüngste Sohn meiner Gasteltern aus Manila zu Besuch) langsam aufgewacht, sodass wir zusammen gegessen haben. Keiner hatte Hunger und das Geschenkeauspacken wurde auf den nächsten Morgen verschoben. Ich fand es sehr schade und die ganze Situation hat mich etwas betrübt…keine Kerzen, keine Weihnachtslieder die zusammen gesungen werden, kein nettes Beisammensein… Aber ich habe hier auch schon öfters festgestellt, dass es einfach ein ganz anderer Umgang mit Festivitäten ist: So fühlt es sich für eine Fremde wie mich so an, dass nur das Essen gegessen wird, evtl. noch was mit nach Hause genommen wird und das war’s so ungefähr…auch Geschenke haben eine andere Bedeutung. Für mich persönlich bedeuten Geschenke, dass man Jemanden schätzt oder liebt, weshalb man ihm/ihr eine Freude machen will. Ich freue mich im Gegenzug dadurch natürlich auch sehr über Geschenke. So hatte ich zum Beispiel hier einen Adventskalender für meine Gastfamilie gemacht… Sie wussten gar nicht wie sie damit umgehen sollen, weil sowas, nach meinen Beobachtungen, eben nicht so üblich ist. Das erklärt vielleicht, warum nie wirklich eine große Wertschätzung kam. Trotzdem ist es für mich etwas verletzend gewesen. Natürlich habe ich ihnen auch Weihnachtsgeschenke vorbereitet. Da meine Gastfamilie aber nur den Kindern was schenkt, gab es für mich erstmal auch nichts. Es war aber dann doch irgendwie goldig, dass zwei Tage später noch ein Geschenk für mich da lag. Zwei eigene Handtücher. Sie hatten es womöglich wirklich nicht von mir erwartet, dass ich Ihnen etwas schenke.

Ich möchte nicht, dass ihr jetzt denkt, dass die Menschen nicht dankbar sind, denn das stimmt wirklich nicht. Aber es ist einfach ein anderer Umgang mit Geschenken, eine andere Art der Wertschätzung. Ich lerne dadurch wieder einmal, mit anderen Reaktionen umzugehen und das erweitert natürlich meinen Horizont, mit einer der Gründe, warum ich mein FSJ im Ausland mache.

Die Tage nach Weihnachten waren dann aber sehr spaßig: Zweimal ging es ins Freibad, einmal mit den Scholars, einmal mit der Kirchenjugend…ich habe hier somit genau das Gegenprogramm vom Schnee in Deutschland… außerdem war die Weihnachtsfeier in der Kirche; mit „Gift-Giving“, Clowns und Spielen für die armen Kinder und ihre Eltern, mit einem Tanzwettbewerb zwischen allen Organisationen in der Kirche (Jugend, Katecheten, Chor,…) und natürlich mit einem gemeinsames Mittagessen.

Zuhause war dagegen sehr traurige Stimmung: Am 28.12. ist die Mutter meines Gastvaters gestorben. Meine Familie hat somit drei Nächte neben der Toten gewacht. Hier in der Provinz, werden die Toten meistens Zuhause aufgebahrt und jeder Verwandte, Freund oder Bekannte kommt vorbei, um sich zu verabschieden. Oftmals wird die ganze Nacht Karten gespielt, sich unterhalten und viel gegessen und auch manchmal getrunken. Die Stimmung ist somit nicht unbedingt gedrückt. Auch wenn ich die Mutter/Lola nie kennengelernt habe, habe ich meine Gastfamilie auch an einem Abend und zur Beerdigung begleitet. Meistens ist die Totenwache etwas länger als drei Nächte, aber sie haben zusammen beschlossen, dass sie Lola lieber noch im alten Jahr beerdigen wollen, weshalb sie am 31. morgens beerdigt wurde. Die Trauergemeinde folgt zunächst laufend dem Sarg im Auto bis zur Kirche, wo dann ein Gottesdienst abgehalten wird. Es war sozusagen eine Doppelbeerdigung, da noch eine weitere Frau an diesem Tag beerdigt wurde und der Gottesdienst für sie zusammen gehalten wurde. Ich habe irgendwie die Reden vermisst und auch auf dem Friedhof den Pfarrer. Nach dem Gottesdienst bringt nämlich nur die Trauergemeinde den Sarg zum Friedhof und spricht ein Gebet. Jeder hat dann nochmal die letzte Chance, sich am offenen Sarg zu verabschieden, bis er letzten endlich ein zementiert wird. Bei der Beerdigung habe ich dann zum ersten Mal richtige Trauer in der Öffentlichkeit gesehen. Hier hat sich auch keiner geschämt seine Emotionen zu zeigen, trotzdem habe ich selten eine Umarmung wahrgenommen. Meistens hat jeder für sich getrauert, während andere fröhlich daneben standen, womöglich standen sie der Toten nicht so nahe. Ich fand es sehr schwierig mit der Situation umzugehen. Normalerweise gehe ich zu einer Person und umarme sie oder lege wenigstens meine Hand auf die Schulter, aber da ich das hier so selten gesehen habe, war ich mir überhaupt nicht sicher, wie z.B. meine Gastschwester damit umgehen würde. Im Nachhinein denke ich mir, dass ich es vielleicht einfach hätte tun sollen… Was mich auch sehr verwirrt hat, war, dass ich vor der Beerdigung, hier Zuhause wie auch bei der Totenwache, gar nicht so starke Trauer war genommen habe, was ich auf das Immer-Lächeln der Filipinos zurückführe.

Ganz spontan ging es für mich nach der Beerdigung dann noch in die Stadt Baguio in den Bergen. Eingeladen hatten mich die Schwiegereltern der einen Tochter, weshalb ich mit ihr, ihrer Familie und Helpern in die Berge gefahren bin, um dort zusammen mit den Schwiegereltern Silvester zu verbringen. In Baguio habe ich dann doch ziemlich gefroren: Für 11°C hatte ich doch nicht die passende Jacke und Strümpfe (erwartet man hier ja auch nicht wirklich), weshalb ich dann mit gefühlten 10 Lagen übereinander herumgelaufen bin. Und die Schwiegermutter hat mir extra noch dicke Socken besorgt.

Silvester war dann auch anders: Nach dem Abendessen sind die einen Fernsehen gucken gegangen, die anderen haben sich zum Ruhen hingelegt und die drei Helperinnen (16 und 2x 19 Jahre) und ich haben zusammen gequatscht und dann das Essen für 23 Uhr vorbereitet. Nach dem Essen der Buena Noche ging es dann auf den Balkon um das Feuerwerk anzuschauen, die Mädels sind gehüpft (damit sie ganz groß werden) und es war „Picture, Picture“- Time. Hier ist der Hype um New Year nicht so groß gewesen, Countdown gab es zwar in Tagen für Weihnachten aber wir hatten jedenfalls keinen fürs neue Jahr. Trotzdem bin ich gesund und munter ins neue Jahr gekommen, das ja noch ganz viel Aufregendes bieten wird.

Die letzten zwei Tage haben wir dann noch etwas „The Summer Capitol of the Philippines“ Baguio erkundet und das Grab des verstorbenen Bruders von dem Mann meiner „Gastschwester“ besucht. Spannend war mal wieder, dass selbst auf den Friedhof Meryenda, also Essen/Snacks, mitgebracht wurde. Nachdem wir das Grab besucht haben, haben wir an einem Tisch auf dem Friedhof gegessen. Manche Familien setzen sich sogar direkt neben das Grab und machen wie ein Picknick mit dem Toten, spielen Karten und genießen ihr Essen. Das ist doch etwas anders. Meine „Gastschwester“ meinte aber auch, dass sie das nicht könne, das wäre ihr doch ein bisschen unheimlich neben dem Grab.

Für mich selber habe ich mal wieder festgestellt, wie nahe Leben und Tod beisammen liegen: In unserer Familie gibt es schon einige Beispiele, dass ein Familienmitglied stirbt während in nahem Zeitabstand ein neues Mitglied geboren wird. Auch hier liegt die Geburt des Enkelkindes mit dem Tod des Sohnes eng beisammen, ich durfte innerhalb von 3 Monaten eine Taufe und eine Beerdigung, in derselben Familie, miterleben.

So will ich jetzt aber nicht enden: Ich freue mich auf ein spannendes Jahr 2015 und darauf am Montag meine Kinder wieder zusehen!

Ganz liebe sonnige und jetzt auch wieder warme Grüße aus Bacabac, Bugallon, Pangasinan, Philippines!

Eure Caro

(Entschuldigt, wenn Grammatik und Rechtschreibung nicht ganz so perfekt sind…Deutsch schreiben fällt doch schwer, wenn man auf Englisch denkt)