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Ganz neue Wege

Ihr Lieben,
Einige von euch wundern sich vielleicht über den Titel „Ganz neue Wege“. Es kommt mir gar nicht so lang vor, aber es ist schon die Halbzeit unseres FSJ hier erreicht. Für mich bedeutet das „Umzug nach Mabini“. Schon länger steht fest, dass meine Zeit hier in zwei Gemeinden stattfinden wird. Zum einen, da am besten alle drei Partnergemeinden abgedeckt werden sollen und zum anderen, da auch ich gerne die Arbeit in der SPED-Klasse, also behinderte Kinder zu unterrichten, mitnehmen würde. Natürlich heißt das, dass ich mich noch einmal ganz neu eingewöhnen muss: Neuer Ort, neue Gastfamilie, neue Gemeindemitglieder, neue Arbeit, neue Wege und am Anfang auch natürlich noch keine Freunde. Ich sehe es als eine weitere Herausforderung und freue mich schon auf meine neue Arbeitsstelle. Doch der Abschied in Salasa ist mir nicht leicht gefallen: Die Scholars haben für mich eine Despidida- Feier veranstaltet, d.h. eine „Dankes-/Abschiedsfeier“, wo sie Reden für mich gehalten, für mich gesungen haben (auch sehr goldig das Lied „Gottes Liebe ist so wunderbar“, was ich ihnen beigebracht hatte) und wo ich auch Briefe und einen gefüllten Bilderrahmen bekommen habe. Das hat mich sehr gerührt und gefreut, dass nicht nur ich sie ins Herz geschlossen habe, sondern auch ich ihnen wichtig geworden bin. Schwer fällt auch der Abschied von meiner Gastfamilie, weil ich mich dort ja sehr wohl gefühlt habe, aber dazu meinte meine Gastmutter nur: Du bist hier immer willkommen und bei der nächsten Bananenernte bringen wir dann ganz viele Bananen zu dir nach Mabini!

Zur Halbzeit hin möchte ich schon einmal kurz meine Zeit hier ein bisschen reflektieren:
Mein Jahr hier hat mit einem kleinen Kulturschock angefangen: Alles neu: Leute, Gewohnheiten, Gerüche, das Straßenbild, die Kultur, uvm. An diese ganzen Unterschiede habe ich mich gewöhnt, sie bis heute noch nicht verstanden, Andere aber dafür lieben gelernt. Viele Angewohnheiten habe ich schon übernommen: Ich liebe es mit meinen Händen zu essen, zeige nicht mehr mit Fingern auf Dinge sondern mit meinen Lippen, gebe nicht mehr genaue Angaben sondern nur „dort“ und benutze unser „hmhm“ (nein) als Zustimmung. Ich musste lernen, dass hier direkt sein nicht angebracht ist, dadurch fühlt sich die Person, die man direkt kritisiert bloßgestellt und verletzt. Außerdem ist es wichtig hier immer um Erlaubnis zu fragen und für meine Gastfamilie war besonders wichtig, dass ich nicht zu spät noch unterwegs bin, was natürlich am Anfang auch eine Umstellung zu meinem Leben in Deutschland war.
Auf der anderen Seite habe ich in den letzten Wochen mehr Kontakt zu einigen Scholars, auch außerhalb der Gemeindeaktivitäten gehabt. Was natürlich sehr schön ist, denn so sind aus ihnen auch richtige Freunde geworden. Das macht den Abschied natürlich auch nicht einfacher.

Ich halte mich jetzt also an das Sprichwort: Gehe, wenn es am schönsten ist!

Jetzt aber noch kurz zu vergangenen Ereignissen:
Friederike hatte ja angedeutet, dass wir den Papst in Luneta besucht haben. Mit anderen 6-7 Millionen haben wir also die Messe gefeiert, was eine ungeheure Masse bedeutet. Das Ereignis wurde leider ein bisschen durch den Taifun getrübt, der die Auswirkung hatte, dass wir 10 Stunden im Regen standen, was uns selbst hier auf den Philippinen zum Frieren gebracht hat… Dafür haben wir den Papst etwa aus 8m Entfernung an uns vorbeifahren sehen und das „Vater Unser“, von so vielen Menschen gleichzeitig gebetet, war sehr beeindruckend.
In den Missionaries hatte ich die letzten drei Wochen auch noch eine spannende Zeit, denn ich durfte öfters bei den sogenannten „Dispensaries“ mithelfen: D.h. in die Barangays fahren und dort umsonst Medizin und Brot an die Menschen zu verteilen. Für mich war das eine schöne Abwechslung. An meinem letzten Tag, am Freitag, habe wir dann die Kinder mit meiner noch deutschen Kinderschminke geschminkt, was sie zunächst skeptisch begutachtet haben, dann aber einen riesen Spaß an der Sache hatten.
Jetzt, passend zur Halbzeit, wohnen wir mit der deutschen Delegation vom Bistum Limburg und den dt. Partnergemeinden im Priesterseminar in Alaminos und begleiten sie in ihrem Programm, bis es dann am Mittwoch zum Zwischenseminar weitergeht. Für mich ist es ganz komisch wieder mit so vielen Deutschen zusammen zu sein, mir fällt auf, dass ich schon viele philippinische Verhaltensweisen übernommen habe. Aber es ist natürlich auch sehr schön, sich auszutauschen, unsere Erfahrungen weiterzugeben aber auch ihre Eindrücke wahrzunehmen und Fragen zu beantworten.

Ich freue mich jetzt auf die vielen neuen Erfahrungen die mich hier noch erwarten!

Ganz liebe Grüße,

Caro