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Folgen des Klimawandels

Die Entwicklungsländer leiden global am stärksten unter den Auswirkungen des Klimawandels, haben aber oft am wenigsten zu diesem beigetragen. Die Philippinen belegten 2012 den zweiten Platz der weltweit am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder. Der philippinische Klimawandel hat viele Gesichter: Heftige Regenfälle und starke Taifune nehmen deutlich zu, Meeresspiegel und Wellengang steigen und der Ozean erwärmt sich. So sind Menschenleben, Kulturgüter, Tier- und Pflanzenarten sowie ganze Ökosysteme bedroht. Taifun Haiyan (Yolanda) mit seinen verheerenden Auswirkungen hat im November 2013 die Debatte um Auswirkungen des Klimawandels in den internationalen Fokus gerückt.

Bedrohungen durch Naturphänomene

Durchschnittlich treffen jährlich rund 20 Taifune auf das Hoheitsgebiet der Philippinen. Acht davon erreichen das Festland und richten, wie Haiyan (Yolanda) im November 2013, riesige Schäden an. Neben Taifunen ist der Inselstaat von weiteren Wetterphänomenen, wie kleineren Stürmen, dem Anstieg des Meeresspiegels, Flutwellen, EI Niño (extreme Trocken-) und La Niña (extreme Regenperioden) bedroht.

60 Prozent der Landfläche und 74 Prozent der Bevölkerung sind multiplen Gefahren ausgesetzt, die vom Klimawandel ausgehen. Während man einzelne ›Natur‹katastrophen nicht direkt mit dem Klimawandel in Verbindung bringen kann, nehmen Häufigkeit, Intensität und Dauer von Wetterextremen deutlich zu. Zwischen 2009 und 2013 trafen die stärksten je gemessenen Taifune die Philippinen (siehe Tabelle). Seit 1910 hat sich die Meeresoberflächentemperatur des Pazifiks um 0,6 bis 1 °C erhöht. Beides hat – heute und zukünftig – verheerende ökologische und soziale Folgen für die Philippinen.

Datum des Eintreffens
Names des Taifuns (philippnischer Name)
Todesopfer, Betroffene, Schäden an Infrastruktur und Agrarkultur
7. – 8. November 2013
Haiyan (Yolanda)
– 6300 Todesopfer
– 14 Mio. Betroffene
– 600 Mio. Euro Schaden
2. – 9. Dezember 2012
Bopha (Pablo)
– 1067 Todesopfer
– 6,2 Mio. Betroffene
– 620 Mio. Euro Schaden
26. – 28. September 2011
Nesat (Pedring)
– 83 Todesopfer
– 3 Mio. Betroffene
– 250 Mio. Euro Schaden
18. – 21. Oktober 2010
Megi (Juan)
– 31 Todesopfer
– 2 Mio. Betroffene
– 183 Mio. Euro Schaden

Neben den Wetterphänomenen ist die »Verletzlichkeit« der Philippinen im Hinblick auf den Klimawandel stark bedingt durch ökonomische, soziale und politische Faktoren. Auf staatlicher Seite steigt zwar das Bewusstsein für den Klimawandel und die Folgen – so wurde bereits ein Klimagesetz verabschiedet und unter Vorsitz des Präsidenten eine Nationale Klimakommission geschaffen – gleichzeitig aber bleiben u.a. Abholzung, Bergbauprojekte und Verstädterung »hausgemachte« Probleme, die die Folgen des Klimawandels weiter verstärken.

Soziale und ökologische Folgen

Mensch und Umwelt in den Philippinen leiden schon heute unter den Auswirkungen des Klimawandels. Insbesondere die ärmsten Bevölkerungsteile und indigene Gruppen haben am stärksten mit den verschiedensten Folgen zu kämpfen. Als Biodiversitäts-Hotspot sind außerdem viele endemische (Anm. d. Red.: ›einheimische‹) Tier- und Pflanzenarten bedroht. Trockenperioden führen zu Trinkwasserknappheit, Ernteausfällen und steigern die Wahrscheinlichkeit von Hungersnöten. 2010 wurde aufgrund von Dürren in mindestens 15 Provinzen und in ganz Mindanao der Notstand ausgerufen. Starkregen führt zu Erdrutschen und Überschwemmungen, die das Risiko von Denguefieber oder Malaria erhöhen. Die Meereserwärmung bedroht das weltweit zweitgrößte Korallenriff. Bereits ein geringer Temperaturanstieg von 1 bis 3 °C führt zur Korallenbleiche. 1998 wurden so 15 bis 20 Prozent des philippinischen Gesamtbestandes irreparabel geschädigt. Der Anstieg des Meeresspiegels stellt eine große Gefahr für den Mangrovenbestand und andere verletzliche Ökosysteme dar. Folgen sind die Versalzung von Trinkwasserreservoirs und Agrarflächen.

Prognosen

Bis 2020 soll die globale Durchschnittstemperatur um 0,9 bis 1,2 °C steigen. Bis 2050 wird von einem Temperaturanstieg von 1, 7 bis 3,0 °C ausgegangen, letzteres vor allem in Mindanao. Die Mehrheit internationaler Studien hält einen Anstieg von 2 °C bis 2050 für unvermeidbar und geht bei unverändertem Emissionsausstoß von einem Anstieg von bis zu 6 °C bis 2100 aus.

Gefahrenpotenziale für die Philippinen (Quelle: David, Borja, Villanoy, Hilario, und Aliño 2012, Climate Change Adaption – Best practices in the Philippines)
Gefahrenpotenziale für die Philippinen (Quelle: David, Borja, Villanoy, Hilario, und Aliño 2012, Climate Change Adaption – Best practices in the Philippines)

Die Ernährungssicherheit der Philippinen ist vom Temperaturanstieg bedroht. Mit jedem Grad sinkt die Agrarproduktivität der Philippinen um 10 bis 15 Prozent und der Fischfang in südostasiatischen Gewässern geht bis 2050 um 50 Prozent zurück. Die Niederschlagsmenge nimmt in Luzon und den Visayas um mehr als 16 Prozent zu. In Mindanao nimmt sie um 11 Prozent ab. Die sich verändernden Regenmengen haben bereits heute negative Auswirkungen auf die Agrarproduktivität in Luzon (ca. 60 % des philippinischen Reisanbaus) und in Mindanao, der »Kornkammer« der Philippinen. Der prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter bedroht vor allem Sulu, Palawan, Northern Samar, Zamboanga Sibugay, Basilan, Cebu, Davao, Bohol, Camarines Sur und Quezon; 703 von 1610 Städten wären hiervon betroffen, 13,6 Mio. Menschen müssten bis 2050 umgesiedelt werden.

Quellen und weiterführende Literatur

Handbuch Philippinen. (Hg.) N. Reese; R.Werning
Climate Change Commission (2010): National Framework Strategy on Climate Change 2010-2022.
Sönke Kreft & David Eckstein-Germanwatch (2014): Global Climate Risk Index 2014.
Greenpeace (2007): The Philippines – A Climate Hotspot.
World Bank (2011): Climate Risk and Adaption Country Profile – Philippines.
World Bank (2013): Getting a Grip on Climate Change in the Philippines.
Weltkklimarat – Intergovernmental Panel on Climate Change-IPCC Sachstandberichte online abrufbar unter: http://www.de-ipcc.de/de/200.php
National Disaster Risk Reduction and Management Council;