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Martialisches Aufgebot

Die philippinische Armee (Bild: Ben Hammersley) verlegt ihre Einheiten. Auf den Inseln Jolo, Basilan und Mindanao bleibt die Sicherheitslage prekär.

Die überwiegend auf den südphilippinischen Inseln Jolo und Basilan operierenden Einheiten der Abu-Sayyaf-Gruppe (ASG) haben seit Jahren durch spektakuläre Geiselnahmen auf sich aufmerksam gemacht und hohe Lösegelder erpresst. Mit dem auf diese Weise akquirierten Kapital gelang es der ASG immer wieder, neue Kräfte zu rekrutieren und sich mit modernen Waffen und Schnellbooten einzudecken. Wenngleich etliche Führungspersönlichkeiten der ersten Stunde militärischen Großoffensiven zum Opfer fielen, rückten stets neue Kader nach, die sich in mehreren Ortschaften auf den Inseln – teils mit Rückendeckung seitens der Zivilbevölkerung – verschanzt haben. Dabei kommen ihnen beste Ortskenntnisse in dem hügeligen und unwirtlichen Terrain zugute.

»Wir haben in den vergangenen Tagen zusätzlich eine Brigade von etwa 1.500 Soldaten in die Region verlegt«, sagte der Generalstabschef der Philippinischen Streitkräfte (AFP), General Gregorio Pio Catapang, am Wochenende. Außerdem wurde »zusätzlich eine hundert Mann starke Einheit der Spezialstreitkräfte der Armee nach Jolo beordert, die dort der 501. Infanteriebrigade unterstellt sind«, sagte Catapang. Am vergangenen Sonntag war der General eigens nach Jolo City gereist, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu verschaffen. Im Kern seiner Stippvisite ging es darum, wann möglicherweise ein Militäreinsatz zur Befreiung der mindestens ein Dutzend von der ASG seit mehreren Monaten festgehaltenen Geiseln erfolgt. Darunter befinden sich auch fünf Ausländer – ein deutsches Paar, ein Niederländer und Schweizer sowie ein Japaner. Am Mittwoch wurde bekannt, dass ASG damit drohte, falls ihre Forderung nach rund 4,5 Millionen Euro Lösegeld nicht bis Freitag nachmittag erfüllt würde, eine der deutschen Geiseln umzubringen.

Trotz des martialischen Aufgebots versicherten General Catapang und Generalleutnant Rustico Guerrero, Chef des für die Region zuständigen »Western Mindanao Command« (WestMinCom) in der im Südwesten von Mindanao gelegenen Hafenstadt Zamboanga, sich strikt ans Protokoll zu halten und die Empfehlung des eingesetzten Krisenstabs abzuwarten. Dieser setzt sich aus Regional- und Lokalpolitikern zusammen, die ihrerseits mit der AFP-Führung und den jeweiligen Botschaften in Kontakt stehen. Das letzte Wort wird wohl der Verteidigungsminister beziehungsweise Präsident Benigno S. Aquino III. in seiner Eigenschaft als oberster AFP-Kommandierender sprechen. Sollte es zu einem gewaltsamen Befreiungsversuch kommen, dürfte das wie mehrfach in der Vergangenheit einen hohen Blutzoll auch und gerade unter der Zivilbevölkerung fordern – von der Sicherheit der Geiseln ganz zu schweigen. Meistens verliefen Geiselnahmen glimpflich, solange jenseits eines Medienhypes auf diskretem Verhandlungswege Lösegelder ausgehandelt und schließlich bezahlt wurden.

Derweil bleibt die Sicherheitslage selbst in Zamboanga City brenzlig. Erst am vergangenen Sonntag wurde auf Anweisung der Stadtverwaltung über sieben Stunden lang der gesamte Telekommunikationsbetrieb – inklusive der Service für Mobiltelefone und Handys – lahmgelegt. Aus Furcht vor »terroristischen Anschlägen«, wie es aus Verlautbarungen der Stadt hieß. Man wollte kein Risiko eingehen. In Zamboanga ist es in der Vergangenheit mehrfach – zuletzt im September 2013 – zu Geiselnahmen und Konfrontationen zwischen Einheiten der AFP und der »Nationalen Befreiungsfront der Moros« (MNLF) gekommen. Letztere lehnt ebenso wie die ASG den laufenden Friedensprozess zwischen der Regierung in Manila und der »Moro Islamischen Befreiungsfront« (MILF) ab.

Im WestMinCom sind derweil Strategien entwickelt worden, mit denen das Militär auch gegen mögliche Anwerbungsversuche des »Islamischen Staats« vorgehen soll. Außerdem soll damit verhindert werden, wie Generalleutnant Rustico Guerrero erklärte, dass neben den »Spielverderbern« im regionalen Friedensprozess auch Kämpfer im Nahen Osten rekrutiert werden.