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Huwag! Kain na! Tulog na! (Don’t! Eat! Sleep!)

…diese drei Ausdrücke sind wohl die meisten, die ich in den letzten Tagen gebraucht habe. Ich arbeite, wie schon vor längerem angedeutet, schon seid drei Wochen im Home of Peace. Es ist ein Heim für unterernährte und behinderte Kinder, sowie behinderte Erwachsene und alte Menschen. Geleitet wird es von den Missionaries of Charity. Das Heim ist, je nach Verkehr und Busart, ein bis zwei Stunden von mir Zuhause entfernt. Morgens habe ich das große Glück, dass meine Gastschwester auch nach Dagupan muss, sodass wir zuerst die kleine Andi mit dem Tricycle zur Schule bringen und dann zusammen den Bus nehmen. Ich steige dann nur etwas früher aus. Zurück geht es dann immer alleine. Mein großer Optimismus hat mich schon 1 Stunde auf den schnellen, durchgehenden Bus warten lassen…dabei war noch Taifun und ich kam klatschnass Zuhause an. Jetzt bin ich dazu übergegangen nicht länger als 10min zu warten, auch wenn ich letztenendlich dann gefühlte 10 Stunden länger, mit Minibus und Jeep, brauche, da sie an jeder Ecke weiter Passagiere anheuern. Dafür gibt es immer etwas zu erleben: Es wird während der Fahrt getankt, dann wird man manchmal im Bus von einem Mitglieder einer Sekte belehrt oder von Busfahrer und Sitznachbar ausgefragt. Es ist auf jeden Fall immer ein kleines Abenteuer. Wenn ich meinen neuen Freunden hier erzähle, dass ich immer alleine fahre, sind sie ganz erstaunt. Manche von ihnen haben sogar zugegeben, dass sie etwas Angst hätten, alleine hier zu reisen. Sowieso ist hier eine der meistgestellten Fragen, die Frage nach der Begleitung. Es ist nicht so üblich, dass man alleine unterwegs ist oder Sachen alleine regelt. Darüber haben wir auch schon im Vorbereitungsseminar viel diskutiert gehabt: Wir in Deutschland leben in einer Ich-Kultur, die Gemeinschaft ist glücklich, wenn das Individuum glücklich ist. Unabhängigkeit ist ein wichtiger Wert. Hier erlebe ich jedoch eine Wir-Kultur, das Individuum ist glücklich, wenn die Gemeinschaft glücklich ist. Familie steht hier an erster Stelle, das Geld das man verdient, steht der Familie zur Verfügung. Ganz oft begegne ich hier auch dem Vorurteil, dass man in Deutschland mit 18 aus dem Haus geworfen wird und die Eltern sich nicht mehr um einen kümmern. Darüber bin ich doch immer wieder sehr erstaunt.

Jetzt bin ich aber doch etwas von meinem eigentlichen Thema, meiner Arbeit, abgekommen:

Also montags bis donnerstags arbeite ich im Home of Peace. Ich versuche die Kinder zu bändigen, mit ihnen zu spielen und nehme sie auch einfach mal in den Arm. Außerdem helfe ich den „Nanays“ (Tagalog, Mama) beim Füttern der Behinderten, sowie beim Saubermachen des Essbereiches, der nach einer Mahlzeit doch sehr oft wie ein Schlachtfeld aussieht. Diese Woche habe ich dann angefangen, etwas „Vorschulunterricht“ zu geben, was mit meinen doch noch sehr geringen Tagalog- Kenntnissen doch eine echte Herausforderung ist. Ich werde mir jetzt noch ein paar Spiele, Lieder, Reime oder einfache Themen ausdenken, mit denen ich die 3-6 Jährigen morgens beschäftigen kann. Die Goßen sind da nämlich in der Schule.

Das Konzept der Missionaries ist, dass sie durch Nachbarn oder Freunde der Familien infromiert werden, dass das Kind oder die Kinder unterernährt sind. Sie holen die Kinder dann aus der Familie, Besuch ist einmal die Woche jedoch gestattet. Die Kinder werden dann aufgepäppelt, oftmals haben sie Würmer und aufgeblähte Bäuche. Wenn sie ein bestimmtes, gesundes Gewicht erreichen, werden sie zurück in die Familie gegeben. Die Schwestern betreuen die Familien dann weiterhin. Die Behinderten sind meistens jedoch Verstoßene, sodass die Schwestern langfristig eine andere Einrichtung suchen werden. Außerdem nehmen sie keine Jungen auf, die älter als 7 sind, da sie davon ausgehen, dass es dann noch mehr Reibereien gehen werden. Die Jungs werden dann Zuhause gefüttert.

Heute war ich zum ersten Mal in meiner weiteren Arbeitsstelle, im CFF (Caring for the Future Foundation), genau in die andere Richtung vom Home of Peace. Dort werde ich versuchen wochenends, min. einen Tag, vorbeizuschauen. Heute habe ich das erste Mal eine kleine Einführung und auch Erwartungen an mich mitgeteilt bekommen: Ich soll Aktivitäten für die Kinder anbieten und sie zum Lernen begeistern. Das ermöglicht mir natürlich weiterhin sehr großen Spielraum, aber trotzdem ist es doch ganz schön zu wissen, was von mir erwartet wird. Die große Herausforderung ist jedoch dabei, die zehn Kinder zwischen 3 und 17 Jahren alle mit einzubeziehen. Es stellt aber eine Abwechslung zu der Betreuung von doch nur sehr kleinen Kindern im Home of Peace dar. Noch ein paar Infos zum CFF: Das CFF ist eine Heim, welches von Japanern gegründet wurde und zum größten Teil auch weiterhin von ihnen unterstützt wird. Oft sind japanische Freiwillige dort, die ihren Aufenthalt jedoch bezahlen und somit das CFF finanziell unterstützen. Trotzdem ist es weiterhin auf Spenden angewiesen. Im Moment leben dort 5 Mädchen und 5 Jungs, welche von der Regierung aufgrund ihrer Verwahrlosung in das CFF geschickt wurden. Somit ist auch dieses Heim kein Waisenheim, denn die Kinder besuchen 2x im Jahr ihre Familien, haben sonst aber ihren Alltag im CFF. Wenn sie 18 werden, versuchen sie die Kinder bei einem ihrer Unterstützer unterzubringen, welche die Kinder dann bis zum Abschluss des Colleges unterstützt.

Noch ein kurzes Update zu meiner Gefühlslage: Generell kann ich nur sagen, dass ich es hier echt gut habe. Mit den Scholars verstehe ich mich sehr gut und begleite weiterhin ihr Programm. Letztes Wochenende war ich, wie Friederike auch, beim DYD. Mehr dazu in ihrem Bericht. Meine Gastfamilie ist total begeistert, dass ich gerne koche und die Gerichte der philippinische Küche lernen will. Ich habe jetzt schon eine Einführung in einige Süßspeisen bekommen: Aus der Banane Saba aus unserem Garten kann ich jetzt schon Turon (sozusagen süße Frühlingsrollen), fried bananas und matamis ng saging (süße Banane) machen. Gestern hat mir Madam Gloria, die Schwester meiner Gastmutter, gezeigt, wie man Puto, philippinischen Reiskuchen (den wir jedoch mit normalem Mehl gemacht haben, geht beides) kocht. Heute durfte ich dann auch bei Lumpia (Frühlingsrollen helfen), worüber sich meine Schwester sicher sehr freuen wird. Sie lassen es hier aber langsam mit mir angehen, alles war bis jetzt sehr einfach 😛

Ich bin gerade doch erstaunt wie schnell die Zeit hier in Bacabac verfliegt, es ist schon 3 Wochen her, dass ich hier angekommen bin. Mit Blick auf das Programm der nächsten Wochen, sehe ich schon, dass es so weiter gehen wird!

Lieben Gruß,

Caro