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Balon Lugar

Ihr Lieben,

erstmal möchte ich sagen, dass es mir gerade wirklich gut geht in meiner neuen Umgebung (Balon lugar= neuer Ort).

Am Freitag ging es ja los in unsere jeweiligen Gemeinden. Ich muss zugeben, dass ich schon ein bisschen aufgeregt war und das Warten auf die Ankunft meiner Gastmutter mit Fr Alex, einem der Priester hier in Salasa, hat dieses Gefühl nicht unbedingt verbessert. Es hat sich letztenendlich dann herausgestellt, dass ich meine Gastmutter, Madam Billy, sogar auch schon vom Welcome Dinner und unserem Besuch in Salasa gekannt habe. Über den Tag verteilt, habe ich dann noch ganz viele neue Leute vorgestellt bekommen, die Pangasinan State University mit einigen der Scholars, die von der Partnergemeinde Schwanheim, in Deutschland, finanziert werden, besichtigt und dann ging es mit dem Tricycle und all meinem Gepäck, in mein neues Zuhause. Ich wohne in dem Barangay Bacabac, etwa 15 Minuten Fußweg vom High Way und 45 min von der Kirche entfernt. Im Gegensatz zu Alaminos ist es hier natürlich sehr ruhig, außer einiger Tricycle ist hier kein Verkehr. Gegen Abend habe ich dann auch die anderen Mitglieder der Valencerrina Family kennengelernt: Neben Mommy Billy wohnen hier noch ihr Mann, den ich einfach Daddy nennen soll, ihre Tochter Annaria,36, und ihre Enkeltochter Andi, heute 5 Jahre alt geworden. Ich habe mich gleich sehr wohl gefühlt, besonders, weil Andi direkt mit mir mit den Seifenblasen spielen wollte. Sie hat sehr oft gefragt, ob Ate Caroline denn morgen immer noch da sei und auch zu ihrem Geburstag kommen würde. Sie wächst zweisprachig auf und spricht fließend Englisch. Das macht es natürlich einfach, mit ihr zu kommuniziern, aber meine Tagalog Kenntnisse werden dadurch leider nicht unbedingt besser. Auch die anderen Familienmitglieder reden eigentlich nur Englisch mit mir. Ich sage andauernd, Tagalog please, aber letzendendlich verstehe ich doch noch ziemlich wenig, weshalb wir alle wieder automatisch ins Englische wechseln.

Am Wochenende durfte ich die Scholars, insgesamt 26, bei ihren Aktivitäten begleiten. Es ist ein sehr aufgeweckter, fröhlicher, zunächst erst schüchterner, aber immer offener werdender Haufen 16-21 Jähriger. Wir hatten sehr viel Spaß miteinander und ich freue mich sehr, meine Wochenenden mit ihnen zu verbringen. Am Samstag haben sie sichsehr darüber amüsiert, wie ich versucht habe, mit dem Besen die Kriche zu putzen…diese Besen sind aber auch echt viel zu klein für mich. Am Nachmittag habe ich sie dann bei einer Tour durch einen der insgesamt elf Barangays von Salasa (Salsa umfasst 28.000 Menschen) begleitet. Unsere Aufgabe war es, neue Jugendliche für die Aktivitäten in der Gemeinde zu werben. Nach einer kurzen Messe in der Kapelle von Banaga (= Ausländer) in der sich Fr Alex darüber amüsiert hat, dass in Banaga jetzt ja ein Banaga sei und anschließender Meryenda (wie schaffen sie es nur so dünn zu sein?) wurde ich von zwei der Scholars nach Hause begleitet. Ich muss mir hier echt keine Gedanken darüber machen, dass ich verloren gehe, ich werde von Kopf bis Fuß umsorgt.

Gestern sollte ich mich dann in der zweiten Messe vor der ganzen Gemeinde auf Filipino vorstellen. Diese Sätze beherrsche ich langsam echt gut. Danach ging es bei strömenden Regen nach Pantal, in das Haus einer der Scholars. Sie sind die ganze Hoffnung der Familie und die Eltern sehr dankbar für die Unterstützung aus Deutschland. Nach dem Lunch, den ich natürlich auch auf dem Boden und unter gespannten Blicken der Scholars genossen habe, (die Krabben bereiten wir immer noch so einige Probleme), haben einige der Scholars, wie auch ich, unsere Ängste, Sorgen, Probleme, Gefühle mit den anderen geteilt. Es lastet eine große Last auf ihnen, da sie neben ihren Aufgaben in der Familie, sich um Schularbeiten kümmern und ihren Verpflichtungen als Scholars in der Kirche nachgehen müssen. Trotzdem habe ich herausgehört, dank der netten Übersetzerinnen neben mir, dass sie sehr stolz auf ihre Eltern sind, auch wenn sie eben nicht sehr viel Geld habe. Einige der Scholars haben von ihren Träumen, von reichen Ehemännern und guter Arbeit erzählt. Ich bin wirklich erstaunt gewesen, dass sie zwischendurch immer noch einen Witz reißen konnten. Aber in einem Gespräch mit einer der Jugendlichen, während des Beerdingunsgottesdienstes ihres Onkels, wozu sie mich mitgenommen haben, hat sie mir auch gesagt, dass selbst bei dem Tod einer nahestenden Person, immer noch gelacht wird. Das ist für mich, als Deutsche, doch manchmal sehr schwer zu begreifen. Doch es gab gestern auch Tränen und das Verständnis dafür, dass ich manchmal Heimweh habe ist auch sehr groß.

Gestern Abend war dann noch die Geburtstagsparty von der kleinen Andi, wozu sich die Scholars einfach selber eingeladen haben und wir noch einen sehr lustigen Abend zusammen hatten. Mit so viel zu Essen!

Heute Nacht und heute Morgen hat dann ein Taifun hier in Pangasinan gewütet, weshalb meine Gastmutter nicht wollte, dass ich zur Arbeit gehe. Deswegen sitzen Andi und ich jetzt noch im Schlafanzug in meinem Zimmer. Mal sehen, ob ich später noch los kann.

Das war jetzt mal wieder ein ganz langer Bericht, entschuldigt die langen verschachtelten Sätze!

Ganz liebe Grüße,

Caro