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Hilfe ist immer noch willkommen

Eindrücke nach Taifun Haiyan.

Da sind wir wieder. Zurück in der Welt, die so nah für uns war und doch so weit entfernt. »Für ein paar Geschichten« wollten wir in die Philippinen reisen. Die Katastrophe beleuchten über den am 8. November 2013 wütenden Taifun »Haiyan«. Auf die Hilfebedürftigen aufmerksam machen, diejenigen, die keine Unterstützung erfahren durften. Damit könnten wir sämtliche Zeitungen füllen. »Die besten Dinge verdanken wir dem Zufall«, sagte mal ein italienischer Abenteurer und Schriftsteller. Denn ursprünglich sollten wir auf der Insel Coron eine Nichtregierungsorganisation begleiten, die mithilfe eines Pfarrers Spendengüter verteilt. Dies ergab sich leider nicht, und so nahm unsere Reise einen völlig anderen Verlauf. Wir starteten in Tacloban, der Stadt, die Haiyan am meisten getroffen hat. Und auch nach drei Monaten ist dort immer noch jede Hilfe willkommen.

Als das Flugzeug sich dem Boden näherte, stockte uns der Atem. Trümmer über Trümmer stapelten sich. Zeltstädte breiteten sich vor unseren Augen aus. Auch nach monatelanger Schweißarbeit und Aufräumaktionen gleicht das Bild der Stadt immer noch dem einer Nachkriegsszenerie. Immerhin gibt es Zelte, die Menschen werden von nationalen und internationalen Hilfsorganisationen mit dem Nötigsten versorgt und helfen, wo sie können.
Trotzdem läuft alles sehr mühselig. Die Kommunikation ist träge. Verschiedene Stadtteile werden nicht informiert, wenn es Essensausgaben gibt und bleiben tage- oder wochenlang ohne Nahrungsmittel. Auch Josephina Nacinepa leidet an Hunger und Durst. Ihr Stadtteil ist in den Medien einer der bekanntesten – oder zumindest die Bilder von dort. Sie lebt am Meer. Schiffe sind am Ufer gestrandet: ein aussagekräftiges Fotomotiv vieler Journalist_innen. Trotzdem hat diese Aufmerksamkeit nicht gereicht. Ihr und ihren Mitbürger_innen wurde keine Unterstützung geboten.

Bantayan Island: Sonne, Strand und Zelte

Ein weiteres Ziel unserer Reise war Bantayan Island, eine kleine, belebte Insel in der Mitte des philippinischen Archipels. Palmen erstrecken sich über dem hellsandigen Strand, Balkone ragen über das glasklare Wasser hinaus und sind geschmückt mit ebenso hellen Tourist_innen, die ihre Nase in die Sonne halten und einen Drink nach dem anderen schlürfen. Hinter den Stränden jedoch liegen noch immer verwüstete Landstriche, zerstörte Häuser und Hütten, Zeltstädte für diejenigen Menschen, die noch keine andere Unterkunft gefunden haben.

Es sind nicht viele Philippinenreisende, die ihre Reise wegen Haiyan storniert haben. Die meisten sind trotzdem gekommen, weil sie den Menschen Arbeit geben und die Wirtschaft wieder ankurbeln wollen. Auch Bernd Eisermann, 75, aus Berlin ist mit seiner Frau angereist und hat sogar Sachspenden mitgebracht: »Im Hotel ist die Welt in Ordnung, man bekommt nichts mit. Wenn man aber nach draußen geht und die Zerstörung sieht, macht es einen wirklich traurig.«
Er ist nicht der einzige. Viele junge Reisende kamen und packten mit an. Auf der Straße sahen sie, wie Organisationen den Menschen helfen und schlossen sich kurzer Hand an.

Jede helfende Hand wird benötigt

Somit trafen wir auch die YPDR (Young Pioneer Disaster Response), eine Nichtregierungsorganisation, die sich kurz nach der Katastrophe formierte und seitdem Unglaubliches geleistet hat. Mit etwa 15 Freund_innen startete die junge Organisation. Unter anderem haben sie in den letzten drei Monaten Unterstützung bei mehr als 200 Hausbauten geleistet, Menschen mit Essen und Medizin versorgt oder Aufräumarbeiten unterstützt. Sie beschäftigen freiwillige Helfer_innen aus der ganzen Welt. »Unser langfristiges Ziel ist es, den Menschen mehr als ein Haus zu bauen. Wenn der Wiederaufbau geleistet ist, möchten wir bleiben und Freizeitaktivitäten errichten, wie ein Basketballplatz, oder ein Kino«, erläutert der Vorsitzende Christopher P. White seine Pläne. An Kino ist momentan allerdings noch nicht zu denken. Die Wohnmöglichkeiten und die Landwirtschaft muss erst wieder aufgebaut werden. Gerade die Bauer_innen und Fischer_innen hat es sehr stark getroffen, da ihr Gut und Arbeitsgeräte völlig zerstört wurden.

Ein Stück entfernt vom Touristenrummel und den malerischen Bilderbuchstränden kämpfen die Kokosbauer_innen um ihre Existenz. Es dauert um die zehn Jahre bis eine Palme die erste Ernte einbringt. Die Kokosnuss wird vielseitig genutzt: Aus dem Inneren werden Kokosmehl und Kokosöl, etwa für Brot, gewonnen, die Milch wird verkauft, Kerzen werden hergestellt, und die Schale wird als Hühnerfutter verwendet. In den kommenden zehn Jahren müssen sich die Farmer etwas anderes ausdenken, anders arbeiten.

Aber die Filipin@s sind ein starkes Volk. Sie blicken positiv in die Zukunft und sind stolz den Taifun überlebt zu haben. Wir sind ebenso froh, dass wir diesen Menschen ein offenes Ohr geben konnten und diese Geschichten weiter erzählen dürfen, um dieses Unglück nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.