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Entwicklungshemmnis Rohstoffreichtum?

Wie Rohstoffe in Südost-/Ostasien zur Entwicklung beitragen könn(t)en.

Das philippinenbüro e.V. im Asienhaus beschäftigt sich seit Jahren mit den sozialen und ökologischen Auswirkungen von Bergbau in den Philippinen. Dabei standen und stehen Aspekte wie Menschenrechte, die Rolle indigener Bevölkerungsgruppen und der Umweltschutz im Fokus.

In den vergangenen zwei Jahren erweiterten wir unsere Perspektive, richteten den Blick auch auf andere südostasiatische Länder und deren Probleme im Zuge des Rohstoffabbaus sowie auf alternative Konzepte, die von den Zivilgesellschaften vor Ort entwickelt werden. Gegen die Auswirkungen des Rohstoffabbaus formieren sich in den Ländern Asiens vielerorts soziale Proteste, über die in den aktuellen Diskussionen um Rohstoffsicherheit und Unternehmensverantwortung in Deutschland noch immer wenig zu hören ist.

Ziel war es im Rahmen von entwicklungspolitischer Bildungsarbeit, über die Auswirkungen des Bergbaus in Asien zu informieren sowie Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und anzuregen. Begleitet wurde dies stets von der Frage, welche Konzepte und Ideen von der südost-/ostasiatischen Zivilgesellschaft entwickelt werden, um die Rohstoffe als Beitrag für die Entwicklung der eigenen Gesellschaften zu nutzen.

Das philippinenbüro und die Südostasien Informationsstelle haben in diesem Zusammenhang unter anderem vier Hintergrundpapiere zum Thema »Entwicklungshemmnis Rohstoffreichtum?!« veröffentlicht. Die acht bis zwölf Seiten umfassenden Informationsblätter behandeln anhand von vier Schwerpunktländern – China, Malaysia Indonesien und den Philippinen – unterschiedliche Aspekte der Rohstoff-Problematik und zeigen alternative Konzepte und Proteste auf.
»Wie Rohstoffe in Südost-/Ostasien zur Entwicklung beitragen könn(t)en – Das alternative Bergbau-Gesetz der Philippinen« berichtet von dem alternativen Bergbau-Gesetz, dass die philippinische Zivilgesellschaft erarbeitet und ins Parlament eingebracht hat. Autor Michael Reckordt zeigt auf, wie dieses Gesetz anhaltende Konflikte und die massiven Menschenrechtsverletzungen eindämmen könnte. Zentral dabei ist, dass auch indigene Gemeinschaften und andere Betroffenengruppen an dem Gesetz mitgearbeitet haben.

In »Seltene Erden – Fluch oder Segen für Malaysia?« schreibt Jade Lee über die Proteste gegen ein Produktionswerk zur Weiterverarbeitung von Seltenen Erden. Die Journalistin begleitet die Proteste gegen das Werk des australischen Konzerns Lynas, der auch Kooperationspartnerschaften mit den deutschen Konzernen Siemens und der BASF eingegangen sind, und beschreibt detailliert mögliche Risiken.

Jost Wübbecke berichtet in »Bergbau in der Inneren Mongolei: Umweltverschmutzung und Konflikte« über die Proteste chinesischer Bauer_innen und die Auswirkungen des Kohlebergbaus. Es handelt sich dort vor allem um Abwehr- und Verteilungskämpfe und zeigt deutlich, dass häufig die lokale Bevölkerung wenig bis gar nicht von den reichen Rohstoffvorkommen profitiert.

In »Bauxitabbau: Zwischen Hoffnung und sozio-ökologischer Krise«, berichten Syamsul Rusdi und Denni Nurdwiansyah, Mitarbeiter der indonesischen Nichtregierungsorganisation Link-AR Borneo, von den destruktiven Auswirkungen, mit denen die indigene Bevölkerung in der indonesischen Region West-Kalimantan im Zuge des Bauxitabbaus konfrontiert wird.

Die Beschäftigung mit sozialen und ökologischen Auswirkungen von Bergbau war und ist eingebettet in die aktuelle Diskussion um Rohstoffsicherheit, Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung in Deutschland – Diskussionen, die wichtige Fragen aufwerfen: Wie kann Rohstoffabbau und deren Nutzung nachhaltig, also umwelt-, generationen- und gendergerecht geschehen? Welche Verantwortung haben Banken und Industrie, die in den Abbau von Ressourcen investieren oder diesen durchführen? Welche Verantwortung haben auch wir als Konsument_innen, im globalen Norden, wie auch im globalen Süden, beim Kauf und dem Verbrauch von Ressourcen? Ist ein nachhaltiger Umgang mit unseren Ressourcen aufgrund unserer Lebensstile überhaupt möglich und wenn nicht, welche Alternativen sind denkbar?

In diesen Kontext ordnete sich unter anderem die Rundreise mit unserem philippinischen Gast Jaybee Garganera (Alyansa Tigil Mina) während der »Erste Alternativen Rohstoffwoche« (alternative-rohstoffwoche.de) ein, die die oben genannten Fragen im Rahmen einer Konferenz, mehreren Workshops und Abendveranstaltungen aufgriff, diskutierte und Stimmen aus dem Globalen Süden und dem Norden zusammenbrachte.

Wir sind sehr froh, dass wir es schafften mit Jaybee Gargenera einen der wichtigsten Anti-Bergbau-Aktivisten der Philippinen einladen konnten. Der Vorsitzende von Alyansa Tigil Mina (ATM) ist die treibende Kraft hinter den zivilgesellschaftlichen Bemühungen um ein alternatives Bergbaugesetz im Land und Experte für die Auswirkungen von Bergbau in Südostasien.
Die Theateraufführungen, Podiumsdiskussionen, Filme, Fachtagungen und Kunstausstellungen der Alternativen Rohstoffwoche sowie die Papiere, Abendveranstaltungen und Workshops wurden von einem breiten Publikum aus Interessierten, Aktiven der Zivilgesellschaft, politischen Entscheidungsträger_innen und Vertreter_innen der Industrie angenommen. So konnte ein dialogischer Austausch zwischen verschiedenen Akteur_innen und Gruppen geschaffen werden.

Es besteht weiterhin ein großer Bedarf, die Perspektiven, Ideen und Ansätze von Netzwerken und Nichtregierungsorganisationen aus asiatischen Ländern wie Philippinen, Indonesien, Vietnam, Indien, Osttimor, Laos, Thailand, Sri Lanka und Papua Neuguinea in die entwicklungspolitischen Diskurse in Deutschland einzubringen und die deutsche und europäische Politik gegenüber Asien bezüglich Rohstoffsicherung, Bergbau und Lieferketten zu beleuchten. Auch in Zukunft werden wir zusammen mit vielen anderen engagierten Gruppen und Personen die (nationalen) Rohstoffstrategien an Nachhaltigkeit messen, Risiken, Fehlentwicklungen und Chancen diskutieren, den Zusammenhang zwischen unserem Konsum und der Ausbeutung von Ressourcen beleuchten und für eine Reduktion des Verbrauchs eintreten.