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Hoffnungen und viele Hürden

Formal wurde mit dem am 27. März feierlich in Manila unterzeichneten »Comprehensive Agreement on the Bangsamoro« einer der längsten und blutigsten Konflikte in Asien beigelegt. 17 Jahre verhandelten die philippinischen Regierung und die MILF. Vor fast 20 Jahren schlossen beide Seiten schon einmal eine Übereinkunft, die sich aber nicht als tragfähig erwies. Derzeit berät das Abgeordnetenhaus in Manila über das Bangsamoro-Grundgesetz. Möglicherweise wird darüber auch das Verfassungsgericht befinden müssen. Es gibt einflussreiche Politiker_innen, die eine »sehr genaue Prüfung« des Textes fordern. Außerdem soll das philippinische Volk in einem Referendum über die Einrichtung der autonomen Muslim-Region auf Mindanao abstimmen.

Von einem »Meilenstein« sprach der Vorsitzende der Philippinischen Bischofskonferenz, Erzbischof Socrates B. Villegas. Er warnte aber vor Euphorie: Nun müsse die ernsthafte Umsetzung des Abkommens folgen. Beide Seiten stünden in der Pflicht, den Dialog »offen und vertrauensvoll« fortzusetzen, um einen wirklichen und nachhaltigen Frieden auf Mindanao zu erreichen, so der Erzbischof von Lingayen-Dagupan. Besonderen Nachdruck legt die Kirche darauf, dass möglichst auch noch die Gruppen in den Friedensprozess einbezogen werden, die die Verhandlungen weiterhin kritisieren oder an diesen nicht beteiligt waren. Hier liege noch ein großes Gefahrenpotenzial für die Zukunft.

Wichtig sei ferner, dass Manila die muslimische Region auf Mindanao, die zu den ärmsten und am wenigsten entwickelten in dem südasiatischen Inselstaat gehört, jetzt mit wirtschaftlichen Maßnahmen fördere. Dieses Anliegen unterstützt vor allem auch der jüngst zum Kardinal erhobene Erzbischof Orlando B. Quevedo von Cotabato, dessen Ortskirche auch Teile der muslimischen Gebiete auf der zweitgrößten Insel der Philippinen umfasst. Er hat gute Kontakte zu den Muslim_innen, auch aus seiner Zeit als Präsident der dortigen Notre-Dame-Universität, und genießt das Vertrauen vieler führender Personen in der MILF.

Gemäß dem Abkommen soll an die Stelle der Autonomen Region Muslim Mindanao die Autonome Region Bangsamoro (Land der Moro) treten. Dies soll bis zum Ende der Amtszeit von Präsident Aquino im Jahr 2016 erreicht sein. Bangsamoro soll ein eigenes Grundgesetz und eine unabhängige parlamentarische Regierung erhalten. Die Regierung, versichert Ebrahim, werde »keine MILF-Regierung sein, sondern die Regierung von Bangsamoro«.

Auf Mindanao leben unter 22 Millionen Einwohner_innen 4 bis 6 Millionen Muslim_innen. In den 1950er Jahren förderte Manila die Einwanderung von Christ_innen auf die Insel und machte damit die Muslim_innen zur Minderheit in ihren angestammten Gebieten. Deren Rebellengruppen kämpfen seit mehr als 40 Jahren für mehr Autonomie oder gar einen eigenen Staat. Einige dieser Gruppen stehen dem Bangsamoro-Abkommen weiterhin skeptisch oder ablehnend gegenüber. Diese Kräfte haben zwar nicht das politische Gewicht, wohl aber das militärische Potenzial, den Friedensprozess empfindlich zu stören. Dazu gehören die Nationale Moro Befreiungsfront (MNLF) unter Nur Misuari und die Islamischen Bangsamoro Freiheitskämpfer (BIFF), die sich 2008 von der MILF abgespalten haben.