Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Blei im Wasser

Während Bleirohre in den Industrienationen längst der Vergangenheit angehören, kämpft das Wasserversorgungssystem der philippinischen Hauptstadt mit besorgniserregenden Schwermetallkonzentrationen. Kinder sind besonders gefährdet. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse geben Hoffnung.

Bleigehalte von Trinkwasser aus Haushaltsanschlüssen und Tiefbrunnen in Milligramm pro Liter verglichen mit dem Grenzwert der amerikanischen Umweltschutzbehörde (US EPA).
Bleigehalte von Trinkwasser aus Haushaltsanschlüssen und Tiefbrunnen in Milligramm pro Liter verglichen mit dem Grenzwert der amerikanischen Umweltschutzbehörde (US EPA).

Ein philippinisches Forscherteam [1] hat kürzlich das Trinkwasser zahlreicher Haushaltsanschlüsse und Tiefbrunnen im Stadtgebiet Manilas auf ihren Bleigehalt untersucht. Das Ergebnis ist besorgniserregend. Alle untersuchten Wasserproben übertrafen den Grenzwert der US-amerikanischen Umweltschutzbehörde (US EPA) von 0,015 Milligramm pro Liter um ein Vielfaches. Schuld sind neben den noch immer verbauten Bleirohren, bleihaltigen Verbindungsstücken und mit Blei verunreinigten Kunststoffrohren vor allem metallverarbeitende Betriebe, Hochöfen oder Hütten in den Wassereinzugsgebieten sowie verbleites Benzin. Starkregen, wie ihn jüngst Taifun Haiyan brachte, verstärkt die Auswaschung giftiger Substanzen in Grund- und Oberflächengewässer. Die Bevölkerung zahlt die Zeche. Schon seit Jahrhunderten ist Blei als potentes, chronisch wirkendes Nervengift bekannt. Bis zu fünfzig Prozent des im Trinkwasser enthaltenen Bleis werden vom Körper aktiv aufgenommen und reichern sich in der Blutbahn sowie in Organen an. Dort können bereits Konzentrationen von weniger als einem Milligramm pro Liter zu irreversiblen Entwicklungs- und Nervenschäden führen.

Tahong-Muscheln am Strand von Chonburi, Thailand (Quelle: Wikimedia).

Wasseraufbereitung und der Ausbau des Leitungsnetzes liegen seit 1997 in privater Hand. Die beiden Versorgungskonzerne Manila Water Company und Maynilad erfüllen ihren Auftrag zum Ausbau der Infrastruktur trotz steigender Wasserpreise seit jeher eher verhalten. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse [2] könnten den Manileñ@s nun Hilfe zur Selbsthilfe geben. So scheinen einige Inhaltsstoffe (maßgeblich Chitosan und Chitin) aus den Schalen der Tahong-Muschel (Perna viridis) ein vielversprechendes Potenzial zur Wasseraufbereitung zu haben. Wurde das Trinkwasser nach der Entnahme über Chitosan/Chitin aus den zermahlenen Schalen geleitetet, reduzierte sich der Bleigehalt in ersten Experimenten um bis zu 50 Prozent. Tahong ist im pazifischen Raum in ausreichenden Mengen vorhanden und könnte eine kostengünstige Alternative zu aufwendigen, oft teuren Wasseraufbereitungstechniken darstellen.

Einzelnachweise

[1] Solidum JN, Dahilig V, Omran A. Lead levels in water sources in Manila, Philippines. Int J Eng. 2010;8(2):111–8.
[2] Solidum JN, Solidum G. Assessment and Remediation of Heavy Metals in Community Tap Water from Manila, Philippines. Book of Proceedings IPCBEE International Conference on Environment Science and Engieering [Internet]. 2012 [zitiert 17. Dezember 2013]. S. 1–6.