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Simbang gabi

Hallo ihr Lieben,

unglaublich, dass in 3 Tagen Weihnachten sein soll und es immer noch so heiß ist, dass ich nicht aufhöre zu schwitzen. Doch ein neues Weihnachtsfeeling ist tatsächlich auch bei mir aufgekommen, denn die berühmten „Simbang gabi“-Messen haben hier begonnen und somit auch etwas festliche Stimmung gebracht. Das Besondere an diesen Messen ist, dass sie morgens um 4:30 Uhr stattfinden und zwar ab dem 16.12. und dann jeden Morgen der 9 Tage bis Weihnachten. Für mich heißt das also 3:45Uhr aufstehen, damit ich zusammen mit meiner Gastfamilie um 4 Uhr in der Kirche bin, da man sonst keinen Sitzplatz mehr bekommt. Zumindest hatte ich es so geplant. Doch das Wort „planen“ sollte man hier am besten gar nicht in den Mund nehmen, denn es kommt ja doch fast immer anders. So wurde ich also am ersten Morgen plötzlich von extrem lauter Weihnachtsmusik geweckt und zwar schon um 3:30Uhr. Ich dachte im ersten Moment: „Das kann doch nicht sein, warum nicht wertvolle 15 Minuten später?“ Doch dann nahm ich es mit der neuen Gelassenheit: „So sind die Philippin@s eben. Beschallen ganz Mabini mit lauter Weihnachtsmusik, dass man das Gefühl hat die Anlage steht direkt in deinem Zimmer. Damit auch ja keiner die Messe verpasst. :)“  Doch diese Sorge war unbegründet, denn die Kirche war brechend voll und das nicht nur am ersten Morgen, sondern auch heute noch 5 Tage später. Tja so stehe ich jetzt also jeden Tag früh auf, um dieser Tradition zu folgen und versuche am Tag etwas Schlaf nachzuholen, damit ich an Weihnachten nicht komplett vor Müdigkeit umfalle.

Ansonsten habe ich die Woche viele Stunden im Bus verbracht. Denn am Dienstag habe ich mich Sr. Carol und Claas zusammen auf den Weg nach Baguio gemacht. Eine Stadt, die im Norden der Philippinen liegt, ca. 4 Busstunden entfernt. Sie wird auch die Sommerhauptstadt der Philippinen genannt. Denn durch ihre hohe Lage, ist es dort wesentlich kühler als in den restlichen Philippinen. Ein Grund warum sich auch viele Menschen im heißen Sommer auf den Weg dorthin machen. Claas und ich haben es sehr genossen, einmal in langer Hose und T-shirt herumzulaufen und nicht zu schwitzen! Außerdem haben wir die Aussicht auf die wunderbaren Berge genossen, wie ihr auf dem Beitragsbild sehen könnt. Teilweise waren wir sogar über den Wolken. Leider hatten wir nur kurz Zeit etwas von Baguio zu sehen. Doch für mich steht fest, dass es ganz sicher nicht der letzte Besuch dort war!
Am Donnerstag haben wir uns dann wieder gemeinsam auf den Weg gemacht, diesmal nach Manila. Das hieß erneute 6h hin und 6h zurück im Bus sitzen. Doch komischer Weise verrinnt die Zeit hier etwas anders und es kam mir gar nicht so lange vor, wie es sich anhört. Insgesamt verbringt man viel Zeit auf der Straße, weil die Orte weiter entfernt voneinander sind, als in Deutschland. Doch das stört nicht, weil man nicht so gestresst und durchgeplant ist, wie ich es aus Deutschland gewohnt bin.
Von dem Hauptgrund der Manila-Reise zu berichten überlasse ich erneut Claas. Ich durfte mir auf jeden Fall beim Besuch in der Hauptstadt zum ersten Mal einen kurzen Einblick von dem Leben der Reichen in Manila verschaffen und zwar in der berühmten „Mall of Asia“. Es ist ein riesen Komplex mit verschiedensten Geschäften, außerdem gehört eine Basketball-Arena dazu und wahrscheinlich noch vieles mehr, was ich noch nicht gesehen habe. Ich hatte das Gefühl plötzlich in eine vollkommen neue Welt eingetaucht zu sein. Es existierte plötzlich keine Armut mehr, keine schmutzigen Straßen, keine bröckelnden Gebäude, sondern um mich herum erblickte ich nur den neuesten Standard. Das ist ein Beispiel dafür, wie voll das Leben hier von Gegensätzen ist. Armut und Reichtum existieren genau neben einander.  Man sieht auch hier in Alaminos und Mabini viele große, reiche Häuser direkt neben den kleinsten, windschiefen Bambus- und Blechhütten stehen. Ein weiterer häufiger Anblick ist eine Person mit einem I-Pad und einem I-Phone in der Hand, die direkt neben einer armen Person in alten, zerschlissenen Klamotten im Jeepney sitzt. Doch diese Menschen schaffen es friedlich neben einander zu existieren, scheinbar ohne den Neid, von dem ich behaupten würde, dass er in westlichen Ländern sehr schnell auftreten würde. Dieses Ausleben von Gegensätzen ist immer noch ein seltsamer Anblick für mich.

Nun heißt es für mich auf Weihnachten warten. Ich weiß immer noch nicht so genau, wie dieses Fest ablaufen wird, denn genaue, ausführliche Antworten findet man hier nur selten. Also versuche ich mich gelassen auf das neue, ungewisse Weihnachten einzulassen.
Falls ihr länger nichts mehr von mir hört, liegt das an dem Besuch meiner Verwandten über Neujahr und unserem Urlaub im Norden Anfang Januar.

Vorsichtshalber wünsche ich euch allen also jetzt schon besinnliche Festtage, vielleicht die ein oder andere weiße Weihnacht und einen gesegneten Start ins neue Jahr 2014.

Eure Magdalena

2 Kommentare

  1. Claas Claas 22. Dezember 2013

    Oh, Lena, du machst es aber ganz schön spannend, was mein großes Geheimnis ist, du weist doch, wie unzuverläsig ich schreibe. Vielleicht werden es die armen Menschen da draußen nie erfahren. Ich setzt mich morgen mal auf den Hosenboden und schreib endlich meine Berichte fertig.

    Claas

  2. Erna und Hans Conradi Erna und Hans Conradi 24. Dezember 2013

    Liebe Magdalena,
    wir wünschen dir ein gesegnetes und interessantes Weihnachtsfest. Sicher wird es eines, wie du es noch nie erlebt hast. Auch für das Neue Jahr wünschen wir dir alles Gute und Gottes Segen. Sag bitte in Mabini father Bok, Lydia, Theodorico, Mauro sowie den Schwestern viele Grüße und frohe Weihnachten. Die Kennen uns vom Besuch in Hofheim im vergangenen Sommer, bzw. von unserem Besuch in Mabini 2010. Mach’s gut, schönen Urlaub und noch viele Erlebnisse, über die du in Maka Tao berichten kannst.
    Erna und Hans
    PS: Deine Beiträge sind immer Klasse und sehr lesenswert!