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Fiesta sa Bani

Hallo all ihr treuen Leser,

während Magdalena fleißig weiterberichtet habe ich mich auf die faule Haut gelegt und gar nichts mehr geschrieben. So kann das allerdings nicht weitergehen, deswegen benutze ich diesen völlig ereignislosen Weihnachtsmittwoch, um ein bisschen auf zu holen.

Ich war mit der Prophezeiung stehen geblieben, dass die Fiesta das bislang wohl ermüdenste Ereignis auf den Philippinen sein würde. Damit hatte ich ohne Einschränkungen recht :-)!

Die Fiesta war, wie so vieles auf den Philippinen, ein unglaublich ausuferndes Ereignis. Wärend unsere Kirche in Münster drei Tage Kerb (Kirchweih) feiert, haben wir in Bani am Mittwoch angefangen! Also gehe ich die tage einmal Schritt für Schritt durch. Für die Visuellen unter euch gibt es eine sehr gute Nachricht: Über die Fiesta habe ich ein Kamera als Leihgabe erhalten, also gibt es Fotos! Wenn ich sie endlich hochlade ;-).

Mittwoch: DayCare-Parade

Die Fiesta begann am Mittwoch, den 04.12., so gar nicht nach meinem Geschmack um 7:30 morgens! Aber man ist ja braver Freiwilliger und Fiesta-Begeisterter, also hilft kein Murren. Um 8:00 Uhr begann die DayCare-Parade, also die Parade der Kindergarten. und Vorschulkinder. Unsere SPED-Class war auch eingeladen, da einige unserer Schüler/innen jung genug sind, um als Betreuungskinder durchzugehen. Die Parade selbst war relativ langweilig. Zusammen mit allen möglichen anderen Kindergärten und Betreuungsgruppen haben wir einen kleinen Bogen durch die Stadt gedreht und sind dann zusammen auf dem Plaza, dem zentralen Platz von bani zusammen gekommen. Dort gab es erst Vorführungen der verschiedenen Teilnehmer. 8 unserer Schüler (6 davon Taubstumm) hatten vorher mit Ate Pinky und mir einen Tanz eingeübt, den sie dann stolz präsentiert haben. ich versuche das Video hochzuladen, wenn ich weiß, wie das geht. Der Tanz war echt toll, vor allem, wenn man die schwere Hürde bedenkt, tanzen zu müssen, ohne die Musik zu hören. Unsere 4 Paare haben das unglaublich gemeistert und sich wiedermal meinen vollsten Respekt verdient.
Nach dem tanz gab es noch ein bisschen Animationsprogramm, gesponsort von MC Donalds und dem philippinischen „MC“ Jollybees. Die haben dann auch tonnenweise Hamburger als Snack an die Kinder und Eltern verkauft.
Geschockt hat mich am Ende noch die Geschenkrunde. Als verfrühtes Weihnachtsevent haben Sponsoren an jedes teilnehmende Kind (mehrere Hundert!) ein Geschenk verteilt. Leider waren für die „älteren“ Jungs (keiner, außer unseren, kann älter als 6 gewesen sein) auch Sets mit Spielzeugwaffen dabei, Pistolen, Maschinengewehre und Handgranaten. Wer auf diese Idee gekommen ist, weiß ich auch nicht. Habe ich da etwas verpasst und so etwas ist inzwischen normal?

Am Abend gab es dann die Lampinon-Parade, die ich leider verpasst habe und dann ein Fuerwerk, dass zwwar kurz war, aber sich echt sehen lassen konnte. Das absolute Highlight für die meisten Anwohner war jedoch „Lighting of the Christmas Tree“, die Entzündung des Weihnachtsbaumes auf der zentralen Kreuzung von Bani. Tatsächlich hat die Stadtverwaltung einfach die Lichterkette ohne großes Tam-Tam an den Strom angeschlossen, was etwas antiklimaktisch war (das Wort klingt im Deutschen irgendwie komisch, aber ich habe gegooglet, es ist die Übersetzung von anticlimatic) ;-).Nach der Weihnachtsbaum“zeremonie“ gab es den „Little Mr. and Mrs. Bani“-Wettbewerb. Das ist halb Talent-, halb Schönheitswettbewerb für Kinder in der Grundschule. Da ich überhaupt nichts von solchen, auf pure Selbstdarstellung ausgelegten Wettbewerben halte, habe ich mit meiner kleinen Gastschwester und ihren Freunden gespielt. Das fand ich lustiger!

Donnerstag: Dagupan

Donnerstag musste ich eine Pause in der Fiestawoche einlegen. Lena und ich haben uns nach Dagupan aufgemacht, um unsere Visitors-ID, also quasi unseren Fremden-Perso, abzuholen. Das ganze haben wir dann mit einem Besuch in Dagupans neuem Einkaufszentrum abgeschlossen. Das sah aus, als hätte man es auch in Frankfurt oder New York finden können und war so „unphilippinisch“, dass wir schon dachten, wir träumen. Einige nette Weihnachtsgeschenke und eine Pizza haben wir uns trotzdem nicht entgehen lassen.

Freitag: Probetag

Am Freitag war die Parade der College- und High-School-Schüler, also haben wir von der SPED-Class uns zurückgezogen und mit den Schüler/innen noch einmal den Tanz geübt, da der noch zwei weitere Male aufgeführt werden sollte.
Mittags hatte Father Jonas Geburtstag, am Nachmittag bin ich nach Mabini, um mit Lenas Gastfamilie den Geburtstag von Lenas Gastschwester Joana zu feiern.
Am Abend war Community-Night, eine Tanzveranstalltung für viele Angestellte bei der Stadt und für die Offiziellen aus den Barangays. Wie Franzi im letzten Jahr, kam auch ich mir etwas komisch vor, mit den Reichen Banis auf der Plaza zu tanzen, wärend die meisten Einwohner der Stadt außen herum standen und zusahen. Es hätte sie wahrscheinlich noch nicht einmal jemand davon abgehalten, mit zu tanzen, ich habe ein, zwei gesehen, die es gemacht haben, aber die Scham und die unsichtbaren, aber harten Grenzen in der Gesellschaft sind tief verwurzelt. Trotzdem war es ein schöner Abend, da die meisten Lehrer und Lehrerinnen da waren, mit denen ich zusammen arbeite. Madame Arlene Tobias, die Schulleiterin der BEIS, wo auch unsere SPED-Class ist, hat mir einige Tanzschritte wieder ins Gedächtnis gerufen, und auch mit Ate Pinky und meiner Gastmutter Ate Nida habe ich einige Runden getanzt. Leider war der Abend viel zu schnell rum, denn am nächsten Morgen folgte die…

Samstag: Elementary und Grand Parade

Die genauso langweilig war, wie die DayCare-Parade. Gott sei Dank mussten wir allerdings nicht am Programm nach der etwa einstündigen Parade teilnehmen. Die stellvertretende Bürgermeisterin (ja, Bani wird von zwei Frauen geführt) hatte für alle kleineren Kinder zwei Clowns/Magier engagiert, die eine nette Show abgezogen haben.
Am Abend war Grand Night und Krönung der Mrs. Bani, also der Schönheitskönigin dieses Jahres. Dieses Mal war der Rest der Leute aber durch einen Zaun von der Plaza getrennt und so wurde meine Abneigung gegen diese Trennung in Arm und Reich am Höhepunkt der Fiesta zu groß. ich habe mich, entgegen dem lauten Protest meiner Gasteltern draußen an die Straße gesetzt und gemeinsam mit Ate Pinky versucht, Balut zu verkaufen. Ich bin allerdings kein guter Verkäufer, vielleicht fanden die Leute den Weißen in Abendgaderobe, der ihnen mit enthusiastischem Grinsen Balut andrehe will aber auch einfach sehr sonderbar. Ate Pinky hat es nicht gestört.

Der Abend endete leider sehr früh mit schwierigen Nachrichten aus Deutschland.

Sonntag: Unbefleckte Empfängnis

Der eigentliche Anlass der Fiesta war ja das Patronatsfest der Gemeinde in Bani, die der „Immaculate Conception“ also der unbefleckten Empfängnis geweiht ist. Am Morgen gab es also Hochamt mit dem Bischof und danach Firmung. Auf den Philippinen, oder jedenfalls im Bistum Alaminos wird immer gefirmt, wenn der Bischof anwesend ist, und jedes Kind, das zur Kommunion gegangen ist, kann ohne wiederholte Katechese zur Firmung. Der Anlass wird auch nicht so gefeiert, wie bei uns. Wärend des Gottesdienstes habe ich dann erfahren, dass ich Firmpate für meine kleine Gastschwester werde! Also bin ich schnell nach Hause gewetzt, habe mich noch rasiert, was ich vergessen hatte und meine Gastschwester wurde kurze Zeit später ohne viel Zeremonie gefirmt. ich muss sagen, dass mir das ganze Drumherum und die Vorbereitung sehr gefehlt hat, es wirkte dadurch alles sehr… grund- und sinnlos.

Am Sonntag Abend habe ich dann eine sehr schicksalhafte Entscheidung getroffen (OK, das klingt etwas überdramatisch). Hier löse ich auch auf, worauf Lena die ganze Zeit so hinweist, ohne, auf meine Bitte, zu verraten, worum es geht. Ich schreibe diese Zeilen aus Deutschland. Wegen der Situation meiner Familie bin ich nach Hause gefahren, um die Feiertage hier mit Familie und Freunden feiern zu können. Die meisten Leser, die ich privat kenne, wissen das ja schon und haben mich in den letzten Tagen gesehen :-).

Viele Grüße und schöne Weihnachten,
Claas

P.S.: Ich würde euch alle bitten auf Kommentare über meine Heimkehr erst einmal zu verzichten. Die Fiesta darf natürlich fröhlich kommentiert werden :-). Mein „Durchhaltevermögen“ ist ja immer wieder ein Thema von Kommentaren und ich danke euch für den Mut, den ihr mir zu sprecht. Aber ich muss die Situation hier erst einmal selber fertig verdauen und reflektieren. Ich melde mich nach dem 27. noch einmal.