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Extremsituation Taifun

Guten Morgen,

wie Claas schon berichtet hat, sind wir zum großen Glück vom Hyper-Taifun verschont geblieben! Gott sei Dank! Ich wollte mich auch mal melden, um zu sagen, dass es mir eben falls soweit gut geht.

Ich gehe davon aus, dass auch die deutschen Nachrichten viel über die Naturkatastrophe berichten und ihr somit einige Bilder und Berichte über die schlimmen Auswirkungen gesehen habt. Hier in den Nachrichten sieht man fast nichts anderes mehr, als Berichte über Tacloban (die Stadt, die am schlimmsten betroffen ist) und die katastrophale Situation der Menschen vor Ort. Fast alle Häuser sind zerstört, die Menschen leben in Notunterkünften, die sie sich oft selbst aus den Trümmern zusammengebaut haben. Es gibt fast keine Verkehrsmittel, die Straßen sind teils auch gar nicht befahrbar und es gibt kein Benzin mehr. Doch das schlimmste ist, dass die Menschen nichts mehr zu essen haben. Sie leiden großen Hunger und haben auch kein Trinkwasser. Es gibt keine Läden, in denen man etwas kaufen könnte, alles ist zerstört. Die Menschen können durch fehlende Verkehrsmittel auch nicht von A nach B kommen, um an Essen zu gelangen, das an bestimmten Stationen ausgegeben wird. Tacloban ist dazu noch eine Stadt die von Wasser umgeben ist, weshalb besonders in den Barangays (kleine Dörfer) um die Stadt herum, Überflutungen, manchmal sehr hohe Flut herrscht. Ganze Barangays sind sogar vollkommen überschwemmt worden. Viel zu viele Menschen sind schon gestorben und die Zahl wird wahrscheinlich durch fehlende Medikamente und Hungerleidende weiter steigen. Ein weiteres großes Problem ist die fehlende Kommunikation. Es gibt größten Teils kein Signal um sms zu versenden oder zu telefonieren. Das ist sehr schlimm, da Philippinas/os hauptsächlich über sms kommunizieren und ohne diese Möglichkeit sind sie vollkommen auf sich allein gestellt und können nicht mit Verwandten kommunizieren.

Das Ganze hat für mich hier eine vollkommen neue Dimension angenommen, als ich es aus Deutschland gewohnt bin, wenn uns Katastrophennachrichten dort aus der Welt erreicht haben und es setzt mir sehr zu. Es ist etwas völlig anderes für mich, diese Nachrichten nicht aus dem fernen Deutschland zu hören, sondern quasi nebenan zu leben. Mir immer wieder klar zu mache, wie froh ich sein kann, dass dieser Taifun nicht in unserer Region gewütet hat. Es ist für mich unmöglich das gesamte Ausmaß zu verstehen, was sich nur wenige Kilometer von mir entfernt abspielt. Es macht mich sehr betroffen und es ist schwer das alles mit anzusehen und hilflos zu sein! Ein kleiner Trost ist es, zu sehen, dass eine der ersten Hilfspakete aus Deutschland stammen und schon per Flugzeug eingetroffen sind.

Besonders hart ist es mit anzusehen und hautnah zu erleben, wie sich meine Gastfamilie große Sorgen um ihre Verwandten macht. Meine Gastmutter Ate Anna hat seit dem Eintreffen des Taifuns noch keine Nachricht von ihrem Bruder gehört, der in direkter Umgebung von Tacloban lebt. Sie weiß nichts über seine Situation, ob es ihm gut geht, ob er lebt, ob er verletzt ist…. nichts. Jeden Tag wartet und hofft sie auf eine Nachricht und telefoniert mit anderen besorgten Verwandten.
Grace, quasi die Haushaltshilfe, die für mich wie eine Gastschwester ist, ist Mutter von einer 5-jährigen Tochter. Ihre Tochter lebt bei ihrer Schwester in Tacloban, ihrer Heimatstadt. Sie ist seit 5 Monaten von ihr getrennt, um in meiner Gastfamilie Geld zuverdienen, das sie ihrer Familie schicken kann.
Nun ist sie aufs Äußerste besorgt, da ihre Tochter und Schwester direkt in dem Katastrophengebiet leben!! Die ersten Tage nach dem Taifun hat sie in Ungewissheit, mit großen Sorgen, Warten und Beten verbracht, da durch fehlendes Signal keine Kommunikation zustande kommen konnte. Nun hat sie endlich die Möglichkeit mit ihnen über sms in Kontakt zu treten. Ihre Tochter benötigt dringend Medikamente, da sie seit mehreren Tagen Fieber hat. Außerdem haben sie nichts zu essen und sind sehr hungrig…..

Durch diese Situation in meiner Gastfamilie, wird diese Katastrophe natürlich sehr persönlich und es ist schwer zu erleben mit welchen Sorgen die Menschen, die mir hier am nächsten sind, in diesen Tagen leben und mit welchen überaus extremen Problemen die Verwandten und alle Betroffenen in der Katastrophenregion leben müssen.
Da wird mir ganz deutlich vor Augen geführt, in welchem Paradies wir doch in Deutschland leben. Es gibt keine Erdbeben, keine Taifune, die wir jährlich des Öfteren fürchten müssen. Wir müssen nicht jedes Jahr besorgt sein, dass unser Haus zerstört wird, sei es durch hohe Fluten oder heftige Stürme…. Dieser wunderbaren Lebensqualität werde ich mir erst hier bewusst.

Ich wünsche euch nun noch einen gesegneten neuen Tag im kälter werdenden Deutschland.

Besorgte Grüße,
Magdalena

Ein Kommentar

  1. Barbara Reutelsterz Barbara Reutelsterz 14. November 2013

    Hallo Ihr Lieben,
    Wir sind gleichermaßen erleichtert, dass Alaminos verschont wurde wie bestürzt angesichts des Ausmaßes der Katastrophe. Wir fühlen mit allen Betroffenen und versuchen nach Kräften, in Tat und im Gebet zu helfen. Unser Weihbischof hat der philippinischen Gemeinde in Frankfurt in einem Schreiben unsere Anteilnahme ausgedrückt. Viele Mitglieder der Gemeinde stammen aus den betroffenen Gebieten oder haben Angehörige dort. Auch mit dieser Nachricht auf der Bistumsseite http://www.bistumlimburg.de/meldungen/meldung-detail/meldung/spenden-fuer-katastrophenopfer.html ist ein Spendenaufruf mit den Kontonummern von Caritas International verbunden.