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Der Tod und seine Rituale hier auf den Philippinen

Hallo interessierte Leser/innen,

in der letzten Woche ist so viel passiert, über das ich euch berichten will. Ich fange mal bei letztem Freitag an und schreibe im zweiten Artikel was ab Montag passiert ist.

Eigentlich wollte ich am Freitag und Samstag an dem Youth-camp, das erste seiner Art was von der Jugendministry hier organisiert wurde, in Mabini teilnehmen. Doch dann erreichte uns eine halbe Stunde vorher die Nachricht vom Tod, des Bruders der Großmutter. Er lebte zusammen mit ihr und dem anderen Großvater in dem Haus von Ate Annas Schwester. Dort hin ist meine Gastfamilie jeden Sonntag zum Essen gewesen und sie haben jeden Tag Essen für sie (die alten Menschen) zubereitet. Da zu dem Zeitpunkt des Todes nur Grace und Joanna zu Hause waren, wollte ich sie nicht alleine lassen und fühlte mich auch nicht gut bei dem Gedanken, sie in diesem schweren Moment für das Youth-camp zurück zulassen. Also machte ich mich mit Grace auf den Weg zum anderen Haus, in dem auch die Cousins von ihnen leben, die ich schon sehr gut von der Jugendarbeit kenne.

Es war eine sehr interessante Erfahrung mitzuerleben, wie sie in ihrer Kultur die Zeit nach dem Tod eines Verwandten zelebrieren und mit welchen Riten der Ablauf verbunden ist. Der Körper wird zum nächsten möglichen Zeitpunkt nach dem Tod einbalsamiert und in einem Sarg in dem Haus des Verstorbenen aufbewahrt. Dort steht erhöht, außenherum mit Blumen und Lichtern geschmückt. Der Sarg ist vorne geöffnet, jedoch weiterhin durch eine Glasplatte abgeschlossen, sodass man das Gesicht des Verstorbenen sehen kann. Der Sarg wird bis zur Beerdigung in dem Haus aufbewahrt und Tag und Nacht von Verwandten bewacht. Jeden Tag wird ein Rosenkranz gebetet und am Tag vor der Beerdigung wird ein Gottesdienst gefeiert, sowie eine kleine Feier mit den anwesenden Verwandten gefeiert (diese habe ich aber auch leider nicht miterlebt). Es reisen Verwandte von Nah und Fern an, wie in diesem Fall aus den USA und Kanada. Ich habe nur Freitagabend bis Sonntag miterlebt, doch an diesen Tagen waren immer Leute im Haus, es wurde erzählt, Karten gespielt…. Für mich war es ein schönes Gefühl des Zusammenhaltes der Familie. Wir hatten viel Spaß mit allen Cousinen und Cousins beim Karten spielen und Spaziergängen am Fluss.

Dann gibt es einige Regeln, die oft auf Grund von Aberglaube existieren. Philippinos/as sind sehr, sehr abergläubisch! Man darf zum Beispiel im Haus des Toten keine Roten Kleidungsstücke tragen. Im Haus darf nicht sauber gemacht werden, also auch nicht gewaschen und auch nicht geduscht werden, was die Verwandten dann oft in unserem Haus gemacht haben. Es darf nicht gesungen werden. Oft glauben die Angehörigen etwas zu riechen, von dem sie meinen, dass es der Geist des Verstorbenen ist. 40 Tag nach der Beerdigung ist weiterhin Trauerphase. In dieser Zeit darf zum Beispiel auch kein Fest, also auch kein Geburtstag gefeiert werden. Über die Beerdigung kann ich nicht viel sagen, da ich sie selbst nicht miterlebt habe. Nur soviel, dass der Sarg nach der Messe in einer Prozession zum Friedhof gefahren wird. Dabei wird Musik gespielt, oft sehr fröhliche. Die Farbe der Trauer ist auf den Philippinen übrigens weiß.
Soviel zu dem Tod auf den Philippinen und seinen Riten und Abergläuben.

Ich mache dann im nächsten Artikel weiter mit dem Montag, sonst wird der hier zu lang.

Also bis gleich.
Magdalena