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Gastfamilie, Projektarbeit, Reisernte

Liebe Leser/innen,

ich schaue auf das Datum meines letzten Berichtes aus Mabini und stelle erschrocken fest, dass er schon 2 Wochen her ist. In der Zeit ist einiges passiert und ich hoffe ich kann etwas davon aufholen und euch berichten.

Meine Arbeit in der Grundschule besteht übrigens nicht nur aus der Betreuung SPED-class am Nachmittag, sonder auch aus der Mitarbeit in der Vorschulklasse am Vormittag. Diese wird von 33 Kindern besucht, die 5 Jahr alt sind und nächstes Jahr in die Grundschule einsteigen. Doch die Vorschule vor Ort deckt sich nicht mit den Ansprüchen einer Vorschule in Deutschland. Die Kinder können hier nämlich schon das gesamte Alphabet schreiben, im Zahlenraum bis 10 rechnen und die ersten englischen Wörter verstehen. Die Arbeit am Vormittag ist anstrengender als am Nachmittag, da es schwierig ist eine Gruppe von 33 Kinder im quirligen Alter von 5 Jahren zum Still sitzen und Lernen zu bewegen. Ich unterstütze Ate Laurice (die Lehrerin) beim Korrigieren der Schreib- und Rechenaufgabe oder versuche für Ruhe zu sorgen.

Ein normaler Tagesablauf ohne spontane Veränderungen (die hier wirklich häufig vorkommen) sieht so aus: Ich verlasse um 7 Uhr das Haus und mache mich zu Fuß in die 5-10 Minuten entfernte Grundschule auf. Dort trudeln so langsam die Kinder der Vorschulklasse ein. Um halb 8 wird die Glocke für den Schulhofappel geläutet. Alle Kinder strömen aus ihren Klassen, um sich klassenweise in einer Reihe hinter einander auf dem Schulhof sternförmig um die Fahnenstange aufzustellen. Dann singen sie mit der Hand auf dem Herzen ihre Nationalhymne, während die philippinische Flagge gehisst wird. Danach geht ein/e Schüler/in nach vorne, um als Vorsprecher/in den, ich nenne es mal, „Bürgerschwur“ zu leiten. Ich hab mir erklären lassen, dass sie darin erklären, gute und anständige Bürger zu sein. Danach kehren alle wieder in ihre Klasse zurück. Dort beginnt Ate Laurice nach einer kleinen Aufwärm- und Singübung und dem Morgengebet mit dem Unterricht. Dieser geht vormittags bis um 11 Uhr. Danach gehe ich nach Hause, um Mittag zu essen. Um kurz vor 1 Uhr breche ich auf, um pünktlich um 1 Uhr für den Nachmittagunterricht in der SPED-class zu sein. Die Sonne brennt um diese Zeit sehr heftig und hell, sodass es ohne Sonnenbrille und umfunktionierten Regenschirm nicht auszuhalten ist. Die SPED-class dauert bis um 16 Uhr. Danach mache ich mit Ate Laurice und Cresta zusammen auf den Heimweg.

Letzte Woche haben wir einen neuen Schüler in die SPED-class bekommen. Jayson ist 16 Jahre alt und körperlich behindert. Er ist auf Grund seiner sehr dünnen Arme und Beine nicht in der Lage zu gehen. Leider ist er sehr schüchtern und hat keinen großen Kontakt zu anderen Kindern erhalten. Oft hat er zu Hause nur im Sand gesessen und gespielt, bis Ate Laurice´ Bruder auf ihn aufmerksam geworden ist und ihn in die SPED-class geschickt hat. Er ist sehr fit im Kopf und lernt schnell, was er alles in den Jahren zu Hause versäumt hat.
Er ist ein Beispiel dafür, dass Eltern nicht wissen, was sie mit ihren behinderten Kindern tun sollen und sie auch teils vor der Öffentlichkeit verstecken. Doch zum Glück sind dieses Verhalten und die Akzeptanz von behinderten Personen in der Gesellschaft in den letzten Jahren, auch durch Öffnungen von SPED-class, besser geworden.
Ate Laurice versucht nun Spender und Unterstützer zu finden, damit wir Jayson einen Rollstuhl kaufen können. Damit wäre er in der Lage sich selbstständig fortzubewegen. Denn bisher ist ihm das nur möglich, wenn seine Mutter oder sein Bruder ihn tragen, was natürlich auch für ihn als 16-jährigen sehr schamvoll ist. Somit haben wir begonnen Papiersterne zu basteln, die wir verkaufen wollen, um Geld einzutreiben und auch die Aufmerksamkeit auf seine Situation zu lenken und auf weitere Spenden zu hoffen.

Am Dienstag waren Claas und ich in Makatiw, um endlich einmal bei der Reisernte zu helfen. Mir hat es Freude bereitet, diese pure Handarbeit selbst zu erleben, wo wir doch in Deutschland heutzutage nur  noch den Mähdrescher auf dem Feld gewohnt sind. Es war gut anstrengend, da der Planet wirklich gebrannt hat und mein Langarm-shirt in kürzester Zeit von all dem Schweiß komplett nass war. Wir haben vormittags drei Stunden geholfen mit einer Sichel die Reisbündel abzuschneiden. Danach haben wir gegessen und Noli war der Ansicht, dass es für uns reichen würde und wir uns ausruhen müssten. Wir durften aus Sorgen um unser Wohlergehen also nicht mehr helfen, die abgeschnittenen Halme zu bündeln und zu dreschen. Doch zugegebener Maßen waren auch diese 3h Stunden in purer Hitze schon anstrengend genug. Ich bewundere nun umso mehr die vielen Männer und Frauen, die mit dieser schweißtreibenden Arbeit tagtäglich von morgens bis abends (ihr Brot Neeeeiiin!!) ihren Reis verdienen.

Am Abend haben wir zusammen mit den Menschen rund um die Cathedral eine kleine Party für Melody gefeiert, die übernächstes Wochenende heiraten wird. Also quasi einen Jungesellinnenabschied, zu dem nachher dann auch ein paar männliche Wesen hinzugestoßen sind.
Das hat viel Spaß gemacht, weil wir endlich mal wieder alle gesehen haben und Zeit mit ihnen verbringen konnten. Danach durften wir sogar in unseren „alten“ Zimmern in der Radiostation schlafen. Ein schönes Gefühl!
Gestern hat unser Weg uns nach Dagupan geführt, eine größere Stadt mit dem Bus ca. 1 ½ Stunden entfernt, um unser Visum zu erneuern. Denn wir haben nur ein Touristenvisum, das wir jedes Mal nach 59 Tagen verlängern müssen.

In der letzten Zeit habe ich nun auch endlich meine anderen Gastgeschwister kennen gelernt, die in ihren Semesterferien nach Hause gekommen sind. Sie sind super nett und es ist schön Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich habe übrigens auch erfolgreich „Jungle Speed“ (ein Kartenspiel) auf den Philippinen eingeführt. Es ist überall auf große, große Freude und Spiellust gestoßen!

So nun habe ich wirklich erst einmal genug geschrieben. Ich hoffe, mein nächster Bericht wird nicht wieder allzu lang.

Liebste Grüße nach Deutschland
Magdalena

Ein Kommentar

  1. Claas Völcker Claas Völcker 24. Oktober 2013

    Du bist blöd 🙂 Ich wollte gerade selber etwas über den Reis schreiben!