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Bye, bye, Alaminos

Hallo an alle daheim Gebliebenen,

Seid dem ich das letzte Mal geschrieben habe, ist einige Zeit vergangen. Die letzte Woche in Alaminos war sehr schön, wenn auch etwas traurig. Es ist schon faszinierend, wie schnell man an einem Ort heimisch werden kann. Wir waren nur einen Monat und einige Tage in Alaminos und trotzdem haben wir uns eingelebt. Das ist mir eigentlich erst jetzt aufgefallen, wo wir nicht mehr in Alaminos sind. Irgendwie kannte man doch alle Gesichter dort, wusste, welche Späße man mit wem treiben konnte und wen man bei einem Problem fragen musste. Doch auch unsere Eingewöhnungszeit ist nun zu Ende gegangen.

Wir hatten, wie Magdalena glaube ich schon berichtet hat, beschlossen, zum Abschied je einen Abend mit jeder „Gruppe“, die sich in der Parish finden lässt, zu verbringen. Am Mittwoch haben wir unser Versprechen oder auch unsere Drohung wahr gemacht und die Ladys aus dem Diözesanbüro unter lauten Protesten auf den Kirchturm geschleppt. Eigentlich sollte Fr. Mel auch mitkommen, aber er hat sich strickt geweigert und gemeint, wir sollen doch nur ein Foto von ihm mitnehmen. Gesagt, getan! Oben auf dem Kirchturm haben wir dann ein „Fotoshooting“ 🙂 abgehalten und Eis gegessen. Die Ates waren allerdings sichtlich erleichtert, als wir wieder unten angekommen waren.

Am Donnerstag haben wir mit der Küchencrew, also die Mitarbeiter, die mit Ate Bing (Köchin) in der Küche essen und nicht bei den Priestern, einen lustigen Abend veranstaltet. Allerdings waren Jollyboy und Albert (zweiter Koch) nicht da und Edward (Küster) musste weg, also blieben nur noch Ate Bing, Arlene und wir übrig. Das hat der Stimmung aber keinen Abbruch getan, denn Lena hatte ihr heiß geliebtes „Jungle Speed“ dabei. Das ist ein Spiel, bei dem man höllische scharfe Augen und sehr gute Reflexe braucht. Wen wundert’s, dass ich meistens beleidigt drein geblickt habe, weil Arlene und Lena schneller waren als ich.

Am Freitag haben wir eine Merienda mit allen zusammen veranstaltet. Es gab den Kuchen, den wir schon am Montag ausprobiert hatten und er stoß auch dieses Mal auf große Zustimmung. Lenas Stimmung war nur etwas dadurch getrübt, dass einige, allen voran Fr. Dennis, den essenziellen und gigantischen Unterschied zwischen Kuchen und Brot nicht wahrhaben wollte und wir so das Lob „Masarap ang tinapai.“ („Das Brot ist lecker“) bekamen.

Am Samstag haben sich wieder zwei Dinge bewahrheitet: Wir hätten einige andere Dinge packen sollen und viele Filipinos und Filipinas sind sehr spontan, vergessen dabei aber manchmal die Zeit.

Als erstes: Was hätte ich alles dabei haben sollen?
Tatsächlich hat sich herausgestellt, dass in meinem Koffer einige sehr wichtige Dinge fehlen. Allen voran ein Rosenkranz. Wie bitte? Ich habe überhaupt keinen Rosenkranz! Und wofür brauche ich den? Für das Jugendtreffen??? Hmm, irgendwie überlappen da meine und die hiesigen Vorstellung von Jugendarbeit mal wieder überhaupt nicht.
Als zweites: Hemd, Anzughose, Lackschuhe. Tja, tut mir Leid Leute, aber das stand wirklich ganz unten auf meiner Liste der Sachen, die man für ein soziales Jahr auf den Philippinen braucht. Gott sei Dank konnten mir alle drei Sachen geliehen werde. Mich in geliehener Festtagsmontur kann man auch bei den Fotos bewundern :-).

Also als Warnung für unsere Nachfolger, auch wenn das noch in weiter Ferne steht: Denkt nicht zu lange über eure Packliste nach, hier sind Dinge wichtig, die mir nie in den Sinn gekommen wären.

Zur philippinischen Pünktlichkeit. Viele festgelegte Dinge, wie zum Beispiel Messen, Unterrichtsstunden und das TV-Programm haben auch festgelegte Zeiten, zu denen sie dann einigermaßen pünktlich stattfinden. Bei allem anderen herrscht ein sehr interessantes Zeitkonzept. Beim Essen wird, jedenfalls überall hier wo ich gerade bin, penibel darauf geachtet, dass man nicht zu spät beginnt. Man könnte in der Zwischenzeit ja verhungern. Beim Verkehr scheint es keine Regeln zu geben, ob ein Bus kommt oder nicht, ist reine Glückssache. Bei meinem Umzug nach Bani gab es eine Verspätung von zwei Stunden, während Lena spontan drei vor der ausgemachten Zeit abgeholt wurde.

Ich teile hier, weil der Bericht sonst zu lang werden würde. Bis gleich im zweiten Teil:

Bani, Bani, wir fahren nach Bani

P.S.: Ich habe hier nur Internet, wenn ich bei den Priester vorbei schaue. Deswegen kommen Updates nur unregelmäsig und blockweise. Das heißt nicht, dass ihr aufhören sollt, mir zu schreiben. Wenn ich euch ignoriere, heißt das meistens nur, dass ich keine Zeit gefunden habe, bei Father Jonas & Alex vorbeizuschauen.

P.P.S.: Bilder gibts von mir auch nicht mehr, bis ich endlich nach Dagupan komme. Warum verrate ich nicht, dass ist zu peinlich :-).

3 Kommentare

  1. Vera Vera 11. Oktober 2013

    Hey Claas,
    so gut wie nach Bolivien konnte ich nie das Ave Maria – dank regelmäßigen Rosenkranzbetens (leider eben nur auf Spanisch) 😉 Auf die Dauer kann man darin aber durchaus einen meditativen Wert finden …
    Alles Gute an deiner Stelle, an der Du dich bestimmt auch schnell eingewöhnen wirst.
    Liebe Grüße aus Frankreich!
    Vera

  2. Norbert Norbert 23. Oktober 2013

    Gegrüßet seist Du Maria
    voll der Gnaden
    der Herr ist mit Dir
    Du bist gebenedeit unter den Frauen
    und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes Jesus.
    heilige Maria, Mutter Gottes
    bitte für uns Sünder jetzt
    und in der Stunde unseres Todes. Amen.,

    Was hat nur der Verantwortliche für Eure Erstkommunionvorbereitung sich dabei gedacht, euch das Ave Maria vorzuenthalten. 😉

    Claas ich schätze nach dem Aufenthalt hast Du einige Kilo mehr drauf.

    Außerdem traue ich meinen Augen ÄHH Deinen Worten kaum – so viel Personal in einer Pfarrei. Aber die Priester sind wieder einmal etwas ganz besonderes.

    Herzliche Grüße aus dem verregneten Wetzlar
    Norbert

    • Claas Völcker Claas Völcker Autor des Beitrages | 26. Oktober 2013

      Wobei man sagen muss, dass die Cathedral Parish in Alaminos natürlich der Bischofssitz ist. In Limburg turnt sicher auch einiges an Personal herum. Und bei nur 20 Pfarreien auf fast die selbe Menge an Katholiken gibts mehr Leute für die einzelnen Pfarreien :-).