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Bani, Bani, ich fahre nach Bani

Mein vorheriger Bericht hört mit meinem Umzug nach Bani auf. Father Jonas fuhr etwas verspätet vor, ich packte meine Sachen (minus meine Gitarre, die ich unter meinem Bett vergessen hatte) auf den Wagen und auf ging’s nach Bani. Auf dem weg dorthin eröffnete mir Fr. Jonas auch gleich, warum er verspätet war: Die Gastfamilie, die er für mich gefunden hatte, konnte mich nun doch nicht aufnehmen. Also musste er herum telefonieren, und bei allen möglichen Leuten nachfragen, ob sie mich aufnehmen können.

Jetzt wohne ich provisorisch bei Ate Lita Avelino, einer netten älteren Frau und ihrem Enkel Cedric. Ate Lita war im Frühjahr mit der Delegation von Fr. Jonas in der Partnergemeinde von Bani, Schmitten – Oberreifenberg. Leider konnte sie mich nur im Zimmer ihrer Haushälterin unterbringen, deswegen weiß ich nicht, ob ich hier länger bleiben kann. Außerdem wollen auch noch andere Leute mich beherbergen. Ich bin jetzt schon fest bei zwei weiteren Familien eingeplant.

Zusammen mit meinem neuen Wohnort gibt es auch (endlich) Arbeit. Wie es nun schon Tradition ist, arbeite ich jetzt bei Madam Pinky in der East Bani Central Elementary School in der SPED-Class. Das SPED-Programm bietet einen Platz für Kinder, die wegen körperlichen oder geistigen Einschränkungen nicht am normalen Unterricht teilnehmen können.

Mam Pinkys Klasse ist grob in zwei Gruppen unterteilt. Die eine Gruppe ist die der Taub-Stummen. Diese haben keine mentalen Einschränkungen, können also mit der richtigen Hilfe den ganz normalen Schulstoff erledigen. Ihr Lehrer ist Sir Claris, selbst ein Taubstummer, der sie mit Hilfe von Gebärdensprache unterrichtet. Sein neuster Schüler in dieser Disziplin bin ich :-). Gebärdensprache sieht furchtbar aus, „sprechen“ finde ich aber einfacher als Tagalog, da die Gebärdensprache englische Grammatik nutzt und viele der Zeichen erstaunlich intuitiv sind. Oft formt man mit den Fingern den Anfangsbuchstaben des Wortes und macht dann eine passende Bewegung.

Mam Pinky selbst kümmert sich um die Lernbeeinträchtigten. Das ganze ist auf den ersten Blick ein undurchdringliches Chaos, dessen lauteste Mitte immer Mam Pinky ist. Sie immer sehr gut gelaunt macht immer Witze. Ihr Motto: Hier bei SPED, sei bloß nicht ernst! Momentan helfe ich ihr, wenn es darum geht, den Kindern Linien oder Wörter vorzuzeichnen, die sie dann nachzeichnen können. Ansonsten bin ich natürlich kein ausgebildeter SPED-Lehrer und so hält sich meine Hilfe sehr in Grenzen. Meistens sitze ich also nur daneben und schaue zu, wie Pinky den Unterricht gestaltet.

Die Arbeit in der SPED-Class ist auf der einen Seite unglaublich einschüchternd und schwierig. Ich habe keinerlei Erfahrung damit und kann nicht wirklich einschätzen, was ich dort tun soll/kann/möchte. Auf der anderen Seite sind die Kinder, ihre Lolas (Omas), die immer für uns kochen und die Lehrer, Mam Pinky und Sir Claris so nett, dass man gar nicht mehr weg möchte. Eine Arbeit für mein ganzes Leben wird das sicher nicht, aber bis jetzt finde ich sie unglaublich spannend.

Mehr darüber gibt es nochmal in einem eigenen Bericht, wenn ich etwas länger gearbeitet habe :-).

Genug über die Arbeit, hin zum „Vergnügen“:

Das Essen und ich, eine Hassliebe in viel zu vielen Akten

„Hindi po, busok ako“. Das habe ich zu meinem Motto hier erklärt. Ich bin gerade zwar offiziell in Bani (das steht auch überall auf den Schildern), fühlen tue ich mich aber wie bei den Hobbits im Auenland. Einige von euch erinnern sich bestimmt an die legendäre Szene im ersten Film, wo Pippin fragt: „Kein zweites Frühstück? Aber den Fünf-Uhr-Tee, den kennt er doch, oder?“ So ungefähr schauen mich hier immer wieder Leute an. Einen kleinen Eindruck vermitteln diese Gesprächs-Schnipsel des gestrrigen Tages.

Nach dem Aufstehen:
„Oh, magandang umaga, Pat.“
„Good morning, kumain ka!“ „Guten Morgen, Frühstücke!“ (Die Aufforderung ist sehr viel netter im Tagalog-Original :-).

Später:
„Ich habe doch schon gefrühstückt.“
„Ja, aber ich nicht, also komm, setzt dich und iss.“

In der Schule:
„Ähh, warum machen wir schon Essenspause, Mittagessen ist doch erst um 12?“
„Ja, aber vorher gibt’s doch noch Merienda, sonst halte ich das bis zum Mittagessen nicht durch.“

Um 12:
„Kinder, es gibt Mittagessen. Komm Claas, setzt dich zu uns.“

Um 4:
„Puh, die Kinder sind weg, Raffi, hol uns doch schnell was für einen Snack.“

Um 5:
„The Mass has been offered, let us go and serve the Lord.“ (Die Messe ist vorbei, lasset uns gehen und dem Herrn dienen.)
„Damit dass auch gut klappt, haben wir einen kleinen Snack nach der Messe vorbereitet.“

Abends:
„Claas, kain na tayo!“ (Lasst uns essen!)
‚NEEIIINN!!! Bitte nicht :-(.‘

Das war mein Tag gestern. Nach offizieller Zählung habe ich 1,2,3…7 mal gegessen. Ich habe das Gefühl, dass die ganze Freiwilligen-Geschichte nur ein Vorwand ist, um unschuldige Europäer zu mästen :-). Ablehnen ist fast unmöglich, wenn ich zum Beispiel keinen zusätzlichen Reis will, schiebt Ate Lita mir die Schüssel nach 5 Minuten wieder zu, mit einem freundlich-unschuldigen: „Take some more!“ (Nimm noch etwas!).
Dieses Spiel geht so lange weiter, bis ich endlich einknicke oder eine höhere Macht das Essen beendet („Höhere Macht“ heißt hier: Messe, Arbeit oder Taifun, eine andere Ausrede habe ich noch nicht gefunden).

Die Spuren dieser Orgien konnte ich gestern deutlich an der Waage im SPED-Klassenraum ablesen, denn Kuya Raffi und Kuya Roger wollten mich unbedingt wiegen. Das Ergebnis war erschreckend und so folge ich erneut in Franzis Fußstapfen und will mich nun zwingen, morgens joggen zu gehen. Drei Tage klappt das schon, mal schauen, wie es weitergeht. Drückt mir die Daumen!

Das war’s auch… naja, für schon habe ich mal wieder etwas zu viel geschrieben 😉

Ingat (Take care/Macht’s gut)

Claas