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Too many names, too many faces…

„Sind es wirklich erst zwei Tage?“
Magdalena und ich gucken uns nur fragend an. Ja, tatsächlich, heute ist erst der zweite Tag in Alaminos, aber es fühlt sich schon wie mindestens eine Woche an. Das liegt an zwei Dingen:

Erstens haben die Mitarbeiter der San Jose Parish und der Diocese die Gastfreundlichkeit wirklich im Blut und zweitens strömen so viele neue Eindrücke auf uns ein, wie sonst schon lange nicht mehr. Man fühlt sich fast wie Zuhause, gleichzeitig gibt es so viel Neues, dass ich die Hälfte schon wieder vergessen habe.

Unsere Zimmer fühlen sich nach zwei Nächten langsam wie unsere Zimmer an und durch die tatkräftige Unterstützung von Ate Anette, Aileen und Albert sind unsere Betten jetzt auch Mücken-sicher. Ob die Netze auch Magdalenas neusten Untermieter, einen großen Gecko, fernhalten, bleibt ungeklärt. Ich bin bis jetzt von Mücken verschont geblieben, vielleicht mögen sie mich einfach nicht.
Die Duschen sind, trotz Vorwarnung, gewöhnungsbedürftig. Ein Eimer, ein Schwamm und eine Plastikkelle sind das höchste der Gefühle, und ich versuche immer noch den perfekten Weg zu finden, wirklich sauber zu werden, ohne noch die Hälfte des Duschgels an mir hängen zu haben. Bis jetzt haben sich aber weder Magdalena, noch die Anderen beschwert, also scheine ich nicht furchtbar zu riechen. Nur das Bad ist nach meinen Duschversuchen immer vollkommen überschwemmt.

Gestern Abend haben wir mit dem Bischof zu Abend gegessen und waren vorher richtig nervös. Zuhause kennt man den Bischof nur von Pfarreibesuchen, und vor allem mit seinem Sekretär, der jeden Bruch des Protokolls sofort quittiert. Bischof Marlo haben wir auf eine ganz andere Art und Weise kennengelernt. Er ist ein wirklich freundlicher Mann, der sich sehr ernsthaft und intensiv mit uns unterhält. Wir haben trotzdem die ganze Zeit Angst etwas falsch zu machen, aber er hat uns versichert, dass wir uns bis jetzt ganz gut machen. Wobei ich langsam das Gefühl bekomme, dass die meisten Filipinos einem selbst auf mehrmalige Nachfrage nicht sagen würden, dass man etwas falsch macht. Auf jeden Fall durfte ich am Bischof heute morgen die traditionelle philippinische Respektsbekundung üben: Man nimmt die Hand des Gegenübers und führt sie an seine eigene Stirn. Das ist gleichzeitig eine respektvolle Geste und eine Bitte um den Segen des Anderen, wie Father Mel mir erklärt hat. Father Mel hat selbst für einige Zeit in Frankfurt St. Georgen gelebt.

Heute Morgen bin ich sehr früh aufgestanden und habe deswegen mit Ate Bing (die Köchin) und ihrem kleinen Protegé (ich glaube der Tochter ihres Sohnes, aber ich bin mir echt nicht sicher) Kaffee getrunken. Der Rest von Ate Bings Familie kam dann auch und ihre Schwester hat gleich versucht meine Telefonnummer herauszubekommen. Ich muss wohl sehr irritiert gewirkt haben, denn der Rest der Gruppe brach in schallendes Gelächter aus und redet ununterbrochen auf Tagalog. Naja, es scheint so, als habe Ate Bings Schwester eine Enkelin in der High School… Ungefähr in meinem Alter… Haben die gerade versucht, mich zu verkuppeln? Unter vielfachen Entschuldigungen bin ich zu Magdalena geflohen, die gerade aufgestanden war.

Später hatten wir dann ein Treffen mit Sr. Carol und Msgr. Rey (alle hier scheinen den Namen Monsignore Rey irgendwie zu umständlich zu finden und ziehen in lieber zu MonsignoRey zusammen). Es war etwas wirr, aber ich glaube die Sister hat verstanden, dass Magdalena und ich lieber die Pfarreien und Projekte besuchen wollen, als hier und jetzt aus zu losen, wohin wir kommen. Das kann noch heiter werden.

 

Nach dem Mittagessen haben wir Father Julius und einen Haufen Jungs gesehen, die vor der Radiostation einen Tisch mit Bananenblätter belegt hatten. Dann schaufelten sie einen langen Haufen Reis darauf und drapierten das ganze mit Hünchen, Fischköpfen und Obst- und Gemüsesoßen. Fr. Julius erklärte uns, dass er und die Jungen Agape feiern wollten.
Wer sie seien? „The knights of the altar!“ (bei uns als Ministranten bekannt)

Also Leute, dass nenne ich mal eine coole Bezeichnung! Ihr fragt euch warum keiner zu den Messdienern oder Minis kommen will. Vielleicht weil ihr nicht die „Ritter des Altars“ seid :-). Die „knights of the altar“ haben uns auch gleich zu ihrem Nachmittagsprogramm eingeladen. Es ging darum, dass die ganze Gruppe über ein kopfhohes, gespanntes Seil kommen muss, das nicht berührt werden darf. Jugendarbeit ist also auch eine ziemlich internationale Sache :-). Allerdings waren Father Julius und sein Mitarbeiter, dessen Name ich beim besten Willen nicht verstehen konnte, sehr erbarmungslos. Magdalena und ich haben uns irgendwann verabschiedet, weil Julius das Spiel bei jeder Berührung neu begonnen hat. Ich glaube, ich hatte schon längst entnervt die Regeln geändert.

Die letzte eindrückliche Erfahrung war nun, dass Magdalena und ich das erste Mal alleine nach Alaminos hinaus sind, um ein, zwei Kleinigkeiten zu kaufen, die wir vergessen haben. Der Laden, CSI, war nicht weit und entpuppte sich als gigantischer General-Store, eine Chimäre aus Kick, Rewe und Baumarkt, in der man wahrscheinlich wirklich alles findet. Auch schwule Mitarbeiter, die mir Komplimente machen. OK, das war sehr unerwartet, und ich glaube ich bin ein bisschen zu schnell davon gerannt. Tatsächlich hatten Sina und Franzi mich schon gewarnt, dass es auf den Philippinen viel offenere Schwule gibt, die sich nicht scheuen, in der Öffentlichkeit „Werbung“ zu machen.

Aber viel prägender waren die Schlangen. Nachdem wir uns erst einmal in die Schlange für „elderly and pregnant women“ gestellt, einige sonderbare Blicke geerntet und dann schnell verzogen hatten, erwarteten uns gefühlte zwei Stunden Schlange stehen. Ich habe nicht ganz begriffen, was so lange gedauert hat, aber Magdalnea vermutet, dass es daran liegt, dass neben den Kassierern eine zweite Person steht, die alles fein säuberlich für einen in Kartons verstaut. Jetzt haben wir uns noch kurz die Cathedral angeguckt und schauen mal, was der Tag noch so bringt.

Morgen geht es auf nach Mabini, um die erste der Partnerpfarreien zu besichtigen. In zwei der Partnergemeinden werden wir dann vermutlich ab Oktober auch untergebracht sein.

Bye-bye, Claas

 

P.S.: Dad, ich brauche von dir mal eine Nachricht per Maka-Tao-Nachrichtenformular. Ich komme nicht in meine Mails. Danke 🙂

Ein Kommentar

  1. Marja Marja 9. September 2013

    Das erklärt auch warum da keine Antwort kommt 😉
    Viel Spaß weiterhin!