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Stufen zum Himmel und Tore zur Hölle

Ladies and Gentlemen! Willkommen zu meinem Artikel über meinen Urlaub im „kalten“ Norden von Luzon, wo ich eine Woche lang mit einem Freiwilligen-Kollegen und Freund aus Manila unterwegs war. Unsere Route führte uns über Banaue, Batad, Bontoc, Mainit und Sagada und schließlich über Baguio – die berühmte „Sommerhauptstadt der Philippinen“ – wieder zurück nach Manila bzw. nach Olongapo wo ich noch ein Wochenende mit neuen und älteren Freunden verbracht habe. Die Kleinstadt Banaue und viele ihrer Barangays gehören zum UNESCO Weltkulturerbe und die dortigen Reisterrassen werden geschützt und gepflegt während viele andere dieser baulichen und handwerklichen Wunder, die den ganzen Norden durchziehen, langsam verkommen, veröden oder zu Gemüsefeldern umgewandelt werden. Die Terrassen stammen aus einer Zeit um 2000 Jahre vor Christus, als es noch keinerlei Metallwerkzeuge gab. Gemessen daran erschien es mir wirklich unglaublich, wie diese sich endlos den Berg hinaufziehenden stufenförmigen Reisfelder entstanden sind. Diejenigen, die Banaue umgeben werden nicht umsonst „Stufen zum Himmel“ genannt während sich diejenigen um das Barangay Batad herum den Namen „Amphitheater“-Terrassen eingetragen haben. Bilder von der ganzen Reise inklusive den berühmten Terrassen gibt es HIER.

Nachdem wir also am ersten Tag ausgiebig den Ausblick in Banaue genossen haben ging es per Jeep und später auf eigenen Füßen nach Batad, wo wir in einem Homestay mit klassischen, auf Stelzen stehenden Ifugao-Häusern übernachtet und uns auch kurz in die traditionelle Tracht des Ifugao-Stammes geworfen haben. Von Banaue aus ging es mit dem Jeepney weiter nach Bontoc, der Hauptstadt der Mountain Province. Wir haben allerdings nicht dort, sondern im etwa eine Stunde entfernten Städtchen Mainit übernachtet. „Mainit“ ist Tagalog und bedeutet so viel wie „heiß“. Der Name kommt von den mitten zwischen den unübersichtlich, scheinbar wie hingestreut am Berg liegenden Häusern sprudelnden heißen Quellen. Leider wird die Sicht auf die eigentlichen Wasserlöcher fast überall durch eine gigantische Anzahl Rohrleitungen verdeckt, über die die Bewohner von Mainit sich heißes Wasser zapfen. Das war andererseits aber auch unser Glück denn auf diese Weise wurden auch die 4 wohlig warmen Schwimmbecken unseres Resorts beheizt. Zurück in Bontoc verbrachten wir den Nachmittag bei Christian Meier und seiner Familie, die gerade einen dreijährigen missionarischen Dienst über die BMI (Bethlehem Mission Immensee) verrichten. Davor hat Christian in der Abteilung Weltkirche des Bistums Limburg gearbeitet, wo wir uns im Zuge meiner Vorbereitungsseminare kennen gelernt haben. Zufälligerweise war gerade auch noch eine andere Familie, ebenfalls BMI aber gebürtige Schweizer, zu Besuch, sodass es eine schöne große Runde mit anregenden Gesprächen wurde.

Die letzte Station unserer Reise war Sagada, ein touristisch gut ausgebauter kleiner Ort, der von Pinienwäldern umgeben ist. Eine Hauptattraktion von Sagada sind die hängenden Särge. Vor der katholischen Missionierung bestand das begräbnisritual der ansässigen Völker darin, die Toten in Särgen an einer Felswand aufzuhängen, in einer Felsspalte oder einer Höhle abzulegen um ihnen die Rückkehr in ihr zweites Leben möglichst einfach zu machen. Leider wurde mein Begleiter am letzten Tag etwas krank, sodass ich früh morgens und im leichten Regen alleine zu den Höhlen wanderte. Mir bot sich der gruselige Anblick von Treppenstufen die immer weiter nach unten führten und zuletzt in absoluter Schwärze verschwanden. Das wirkte für mich ein bisschen wie ein Tor zur Hölle…sonderlich weit habe ich mich auch nicht hinein getraut. Wirklich außergewöhnlich an Sagada war aber, dass Jogurt zu den Spezialitäten der Region gehört. Und weil in den Bergen unter anderem auch Erdbeeren angebaut werden konnte ich für immerhin zwei Tage meinen Speiseplan wieder um echten Fruchtjogurt erweitern. Der fehlt mir bereits wieder!

Und schon war die Woche zu Ende und Ich bin zurück nach Olongapo gefahren um mich über das Wochenende noch einmal ausführlich von allen zu verabschieden. Die schwüle Hitze, die jetzt in der Regenzeit alles wieder eingeschlossen hat, hatte mich wieder nach der kurzen Hitzepause in den Bergen. Es ist gerade Mittagessenzeit und – Überraschung! – es regnet. Seit heute Morgen um 4 bin ich zurück in Alaminos nachdem ich am Wochenende leider eine SMS von meiner Gastmutter bekommen habe, dass sie „mein“ Zimmer selber brauchen werden und ich daher nicht mehr dort werde wohnen können. Nach der Evaluation vorhin steht fest, dass ich für die verbleibende Zeit in Alaminos bleiben werde, entweder in meiner alten Gastfamilie oder in der Radiostation. Der Nachteil ist, dass ich drei Mal die Woche nach Dagupan zu den Missionaries of Charity fahren muss was mindestens 1 ¾ Stunden pro Weg dauert – aber auch das werde ich überleben! Die Arbeit dort mit den Kindern ist mir wichtig genug um das Busfahren in Kauf zu nehmen.

Liebe Grüße an Alle! Eure Sina

9 Kommentare

  1. Andrea Manger Andrea Manger 18. Juni 2013

    Liebe Sina,
    das sind sehr beeindruckende Bilder. Schade dass die Terassen nicht alle erhalten werden können.

    Zu den Särgen hätte mich allein keiner hinschleppen können. Da hätte ich mich sehr gegruselt. Die Quellen könnte ich mir gefallen lassen.

    Und ja, Deine Frisur ist gut gelungen

    • Andrea Manger Andrea Manger 18. Juni 2013

      Und hier hätte eigentlich der Rest vom Text stehen sollen, der ist aber verschwunden.
      Ich freue mich, dass Du diese Erfahrungen machen kannst und bei allen Schwierigkeiten Deinen Weg findest.
      Ich drück‘ Dich!
      Mama

  2. Klaus Manger Klaus Manger 19. Juni 2013

    Hallo Sina,
    derzeit Hitzewelle hier.
    Beeindruckende Bilder, die Du gemacht hast! Sowohl die Reisterras-sen – wie die hängenden Särge. Auch die Fotos mit den Ortsansässi-gen sind sehr aussagekräftig.
    Reisfelder habe ich nur in Norditalien am Po gesehen, das sind CO2-Schleudern. Bei den Bergbauterrassen dürfte es mit weniger Wasser und weniger Faulgasen abgehen.
    Die Gräber sind ja geschlossen, insofern also ist es also eher das, was im Kopf vorgeht – aber das ist dann desto intensiver…
    Mitten im Leben sind wir vom Tode umfangen – klare Ansage.
    Habe den Eindruck, dass du gewaltig an Erfahrungen und Eindrücken gewinnst. Das bleibt jedenfalls.
    Und auf Menschen zuzugehen, neue Sichtweisen, Umgangsweisen und Einfühlvermögen zu erfahren – das ist noch viel tiefer greifend.
    Also: Sei weiter mit offenen Augen, weitem Herz und klarem Kopf unterwegs.
    Gruß
    Klaus

  3. Karin Vassilakis Karin Vassilakis 19. Juni 2013

    Ich drück Dich! LG Karin

  4. Ulla Rausch Ulla Rausch 24. Juni 2013

    Hallo Sina, manchmal würde ich gerne an deiner Stelle sein, manchmal aber wahrscheinlich auch schreiend davonlaufen, deine Zeit auf den Phillippinen ist ja nun schon bald zu Ende und es gibt bestimmt noch unendlich viel zu erzählen, ich freue mich schon darauf, obwohl wie ich dich kenne, mit einiger Wehmut an deine Zeit dort zurückdenkst und ich glaube das es nicht das letzte mal war das du dort warst. H D L.

    • Sina Manger Sina Manger Autor des Beitrages | 26. Juni 2013

      Nein, ich fuehle immer deutlich, dass ich wohl noch einmal auf die Philippinen zurueckkehren muss und sei es nur kurz. Die Zeit verfliegt rasend schnell, bald kann ich die Wochen an einer Hand abzaehlen…

    • Sina Manger Sina Manger Autor des Beitrages | 26. Juni 2013

      An Alle:

      Artikel ist (geistig) schon in Arbeit! Ich bin gerade wahnsinnig viel unterwegs und beschaefigt und habe kaum Zeit mich mal in Ruhe an den Computer zu setzen.
      Kurzes Update: Ich wohne wieder in meiner alten Gastfamilie in Alaminos, arbeite drei Mal die Woche in Dagupan bei den Missionaries of Charity, ein Mal bei CFF und am Freitag im Social Action Center. Mir geht es gut soweit ich bin nur etwas im Stress weil es jetzt daran geht, alle Freunde nochmal zu besuchen und mich von allen zu verabschieden. Daher pendele ich fuer die naechsten Wochen zwischen Alaminos, Olongapo und Manila/Montalban hin und her.

      Liebe Gruesse und danke fuer die Treue!
      Sina

  5. Klaus Manger Klaus Manger 27. Juni 2013

    Hallo Sina,
    nur jetzt nicht hektisch werden. Du musst, dort wo Du bist, Deinen Abschluss machen. Ein wahrscheinlich für die Zukunft wichtiger Lebensabschnitt neigt sich dem Ende zu. Schöpf das aus, nimm auf, mach es Dir bewusst.
    Durch Deinen Einsatz auf den Philippinen hast Du auch hier in vielen Köpfen was bewegt. Das ist für mich das Beindruckenste.
    Machs gut und Gott mit Dir.
    Klaus und alle

  6. Klaus Manger Klaus Manger 10. Juli 2013

    Hallo Sina-
    unser See ruft.
    Haben – wie Deine Mutter meint – gleiches Reintegrationsdatum.
    Also schön langsam und bedacht auf Deutschland vorbereiten.
    Bis wohl dann…
    Klaus und Eva