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BARBESUCHelectionAKBAY

Mag kaibigan at kamag-anak…

Bei Franziskas und meiner Ankunft waren gerade auch zwei schwedische Studentinnen bei PREDA, die eine Arbeit über Kinderprostitution schrieben und zu Recherchezwecken einen Besuch des Rotlichtbezirks „Baretto“ am Rande von Olongapo erbaten. Und so kam auch ich an meinem dritten Abend in Olongapo in den Genuss eines „Barvisits“. Die zwei Schwedinnen, Ich und drei PREDA-Mitarbeiter nahmen je ein Getränk in zwei verschiedenen Bars, in denen man leicht bekleideten Pilippinas beim Tanzen zusehen konnte. Was mich dabei vor allem beeindruckt hat, war der unverhohlen gelangweilte und durchgehend unmotivierte, zum Teil auch wütende oder angewiderte Gesichtsausdruck der Mädchen – es war nur allzu deutlich erkennbar, dass ihre Arbeit in den Bars weder ihrem Naturell widerspricht. Zu diesem Zeitpunkt lag ein Schiff der US-Marine in der Subic Bay und in beiden Etablissements waren mehrere Soldaten und/oder Mitglieder des Schiffspersonals anzutreffen. Neben diesen meist jüngeren und kräftigeren Männern waren auch viele ältere und häufig übergewichtige Weiße zu beobachten. Männer, die in ihrem Heimatland zu den Verlieren gehören und die sich hier auf den Philippinen als Sieger fühlen können.

Von den nationalen Wahlen am letzten Montag haben wir kaum etwas mitbekommen außer dem „Election Liquor Ban“, der überall verkündet wurde und den Alkoholverkauf am Tag vor der Wahl und am Wahltag selber untersagte. Ursprünglich sollte das Verbot ab dem Donnerstag vor der Wahl gelten aber nach heftigen Protesten wurde der Zeitraum auf zwei Tage verkürzt. Es gab Gerüchte über manipulierte Auszählmaschinen und den Kauf von Stimmen im großen Stil aber ob und in welchem Ausmaß tatsächlich betrogen wurde, lässt sich schlecht abschätzen. Der Politiker, der im Vorhinein am stärksten des Wahlbetrugs verdächtig wurde, wurde jedenfalls abgewählt.

Anfang dieser Woche fand das Akbay-Sommercamp statt. Akbay ist eine Jugendorganisation, die eng mit PREDA verbunden ist und beispielsweise in der Bewusstseinsschaffung zu Themen wie Menschen- und kinderrechten, aber auch Umweltschutz arbeitet. Die Akbay-Theatergruppe ist letztes Jahr unter anderem in Deutschland mit einem Stück über Kindesmissbrauch, Kinderprostitution, Menschenhandel und Gefängniskinder aufgetreten. An dem Sommercamp sollten auch wir 6 Freiwilligen teilnehmen. Es sind jedoch einige krankheitsfälle dazwischengekommen sodass am Ende nur zwei von uns  – eine davon Franziska – bis zum Ende auf dem Camp waren. Ich war die meiste Zeit in meinem Bett, was zwar schade aber auch nicht dramatisch ist, denn demnächst stehen noch das Sommercamp des Boys Homes und das des Girls Homes an. Dort haben Franzi und Ich vorgestern den Kampf gegen die Läuse angefangen, eine Plage, an der alle Mädchen leiden. Nach ein paar Stunden einschampoonieren und Nissen auskämmen gaben wir fürs erste auf und suchen seitdem paranoid unsere eigenen Köpfe ab.

Regelmäßig liegt jetzt Regen in der Luft, von der Dachterrasse aus lassen sich wunderschöne, weit entfernte Gewitter beobachten und die ersten sintflutartigen Schauer sind bereits gefallen. Die Regenzeit steht wieder in den Startlöchern. Und ich frage mich, wohin eigentlich mein Regenschirm verschwunden ist.

Eure Sina

Ein Kommentar

  1. Klaus Manger Klaus Manger 22. Mai 2013

    Hallo Sina,
    nach drei Wochen hat Dein Kartengruß uns erreicht (übrigens Opa auch), danke dafür!
    Läuse vergehen auch wieder, wenn man darauf achtet, sie sich nicht wieder einzufangen. Das Problem liegt also darin, dass man wissen muss, von wem (oder welchem Tier man sie sich einfängt).
    Beachte also Deinen Nächsten und seine Meerschweinchen…
    Selbst hatte ich mit Läusen bisher seit knapp 64 Jahren kein Problem. Klassen, in denen ich unterrichtete, auch die Familie (Katholikentag Dresden) schon. Kälte hilft übrigens wenig gegen die Tiere, wie Opa berichtet (selbst bei -40° können die überleben).
    Also viel Erfolg beim Kampf!
    Regen gibts hier auch jede Menge und kühl ist es. Also ein echter Mai für Landwirte: Mai kühl und nass, füllt den Bauern Scheun´ und Fass.
    Hilft ein Regenschirm wirklich bei Monsun? Und: Welchen Radius muss der Schirm haben?

    Deine Schilderung aus dem Rotlichtmilieu um Subic Bay entspricht genau dem, was wir hier davon denken, wissen, kennen…
    Wie kriegt man die, die damit Profit machen? Selbst im Sozialismus der Sowjetunion war es genau dasselbe Lied.
    In den Köpfen Veränderung zu bewirken braucht es Heilige und / oder Menschen mit Selbstbewusstsein.
    Bleib gesund.
    Klaus und alle