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Meine Eindrücke von Pangasinan und Manila

Nachdem ich meinen letzten Artikel eingestellt habe, hat sich in meiner Familie wohl rasende Aktivität entfaltet um doch noch einen Text vor dem angedrohten „Kommunikationsloch“ an die geneigten und hoffentlich Interessierten Leser weiterzuleiten. Hier also ein Bericht meiner Mutter:

Gespannt, aber auch mit einigen Befürchtungen habe ich meine Reise auf die Philippinen angetreten. Zuallererst stand natürlich die Freude, Sina nach so langer Zeit endlich wieder zu sehen und wenigstens einen kleinen Teil dessen zu verstehen, was sie vor Ort bewegt. Wie Sina selbst schon schreibt, haben wir alles angesehen und so neue und eigene Eindrücke zu ihren Projekten gewinnen können.

Wir möchten uns gerne bei den Menschen bedanken, die uns ihre Gastfreundschaft geschenkt haben, uns von ihrer Arbeit berichtet, eingeladen und unterhalten haben und die Sina beständig Rückhalt und Unterstützung geben. Bei den Menschen des Bischöflichen Büros, dessen Küche und dem Bischof selbst, bei den Mitarbeitern und dem Gärtner des Social Action Centers, bei Simon und Imelda, die uns so viel zum Verständnis erläutert und uns so delikat bewirtet haben, bei den Gasteltern von Sina, die uns zu einem köstlichen Essen eingeladen und mit Karaoke unterhalten haben, Marlyn die unsere Schmerzen so wunderbar wegmassiert hat, bei Tobias und Corinne, die uns ihre Arbeit so unmittelbar Nahe brachten, bei Franzi und Franzi aus deren Berichten wir viel lernen und erfahren konnten und natürlich bei Sina, die uns witschaftliche, politische, religiöse Referentin, Touristenführerin, Gesellschafterin und eine wunderbare Tochter war.

Sorgen hatte ich vor allem wegen der langen Reise und wegen des zu erwartenden Klimas. Das haben wir besser weggesteckt als erwartet. Es war zwar sehr warm, aber die Luftfeuchtigkeit hielt sich in Grenzen und so war es ganz gut auszuhalten. Wir haben eine gute Jahreszeit erwischt. Auch die Stechmücken haben uns verschont. Das Schwimmen im Fluss und im Meer war angenehm, nie zu kalt. Dass wir das mit ziemlich vielen Kleidungsstücken getan haben, war keine Belastung, auch wenn mein Bad in voller Montur am letzten Tag dann doch unfreiwillig war. Eher störte das ständige angestarrt werden, obwohl das unsere jüngere Generation noch viel stärker traf, als uns.

Der Verkehr ist gut gelöst. Die Tricycles werde ich in Deutschland wirklich vermissen. Ich fand sie sehr praktisch. Wir kamen immer gut dorthin, wo wir wollten. Das Zusammenspiel der Busse in unterschiedlichen Größen mit den Jeepneys und den Tricyclen hat perfekt geklappt. Die Menschen beherrschen dieFahrzeuge wirklich gut. Manila ist extrem voll, da wird eine dreispurige Straße auch schnell mal fünfspurig, aber trotz der Enge hat es nie gekracht und als Regel gilt meines Erachtens ausschließlich das Gesetz des Stärkeren.

Meine Erwartungen an das Hotel wurden übertroffen. Ein bisschen Abenteuerlust gehört dennoch dazu, weil man trotz eindeutiger Bestellung nie weiß, was man zum Frühstück bekommt. Entweder das gewünschte ist aus, oder die Bedienung hat gedacht, dass wir was anderes gemeint haben müssten. Überhaupt bekommt man auf den Philippinen weniger das, was man bestellt, als mehr das, was die Menschen denken, was man haben will. Die Dusche hat in ca. 2/3 der Fälle funktioniert. Ich habe mir schnell einen Wassereimer und ein Tabo besorgt (Schöpfkelle). So wusste ich mir auch bei Wasserausfall in jedem Fall zu helfen und konnte das Schampoo und die Seife auch entfernen, wenn die Dusche oder die Toilettenspülung mitten im Gebrauch ausfiel. Ganz zur Not sind wir halt in den Pool gehüpft.

Sinas Einsatzstellen haben meine Bewunderung und Frustration ausgelöst. Die Leute wissen sich in vielen Dingen gut mit einfachen Mitteln zu helfen. Das ist beim Bau leicht zu sehen. Die Häuser wachsen durch verrostete Metallplatten, alte Teppiche, Handtücher, Schirme, Pappen und allem was an Material verfügbar ist, schnell an. Einsatz wird aber nur dort gezeigt, wo sich direkt etwas bessert. Langfristiges Denken ist nicht zu erkennen. Dass die Projekte weiter laufen, hängt zu großen Teilen an dem Engagement der Freiwilligen selbst und motivierter Einzelpersonen, das mich sehr beeindruckt hat. Sei es die Arbeit, die Simon und Imelda in der Reforestation erbringen, das große Engagement von Corinne und Tobias beim Feeding und der Koordination der Freiwilligeneinsätze und natürlich das, was von Sina und Franzi berichtet wird. Viele Hauptamtlichen unterliegen den selben Problemen wie die Bevölkerung, weshalb die Langfristigkeit der Projekte oftmals fragwürdig scheint. Das ist wohl eine Frage der Mentalität. Mich hat Sina überzeugt, die sagt, dass die Erfahrungen, die die Menschen direkt machen und die zu einer Verbesserung führen, Ihnen niemand mehr nehmen kann. (Die Behandlung und damit Besserung einer entzündeten Wunde genauso, wie die Zuwendung und die Kenntnisse aus der Vorschulerziehung).

Ich könnte noch stundenlang weiter berichten, aber es soll ja auch gelesen werden. Ein Wort noch zu den Wohnbedingungen: Extrem viele Menschen leben in sehr ärmlichen und auch unhygienischen Zuständen. Wie soll man eine Hütte sauber halten, wenn es nicht mal einen Boden gibt. Sich selbst halten die Philippinos aber immer reinlich. Ich war schon sehr verstört zu dieser Situation, aber hier hat mich meine Tochter Lea überzeugt. Die Menschen empfinden diesen Mangel nicht so wie wir. Man kann ihnen die westlichen Verhältnisse nicht als Maßstab aufdrängen. ich bin davon überzeugt, dass die Philippinen gegenüber dem Westen einen immensen Vorteil aufweisen: Die Menschen nehmen sich mehr Zeit zum Leben. Sicher nicht immer bewusst und frei gewählt. Ab man muss die Dinge schon sehr differenziert betrachten, ehe man sie bewertet.

Also liebe Sina, gib nicht auf. Etwas von dem Samen, den Du säest wird aufgehen.

Andrea Manger

2 Kommentare

  1. Klaus Manger Klaus Manger 13. März 2013

    Hallo Sina und zu Andreas Kommentar:
    „Mich hat Sina überzeugt, die sagt, dass die Erfahrungen, die die Menschen direkt machen und die zu einer Verbesserung führen, Ihnen niemand mehr nehmen kann..“ das ist ein weeiser Satz!
    und
    Wenn bei und Werbung meint, man müsse vom Fußboden essen können, dann hat sie recht: allerdings sollte man ihn vorher nicht mit den beworbenen Putzmitteln geputzt haben (Chemievergiftung).
    Den Artikel habe ich mir dann noch runtergeladen, da gibts ja noch jede Menge interessanten Gesprächsstoff.
    Klaus grüßt alle

  2. Klaus Manger Klaus Manger 20. März 2013

    Hallo Sina,
    am letzten Samstag mit Ruben (und vielen anderen) Solidaritätsgang von Hofheim bis Königstein gemacht. Insgesamt kamen etwa 26.000 Euro für Niger zusammen. War gutes Erlebnis.
    Mal sehen was Franziskus demnächst an Überraschngen bietet: Gerechtigkeit, Kampf gegen Armut.
    Europas Diskussionen werden weniger wichtig werden – das müssen wir dann mit unseren Bischöfen mal vor Ort ein bisschen puschen.
    Gute Karwoche – bin gespannt ob es dazu Bericht gibt.
    Alles Gute
    Klaus und alle