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Frohe Ostern sa ating lahat!

Holy Wednesday – Karmittwoch:

Aus der Ferne dröhnt der wiederkehrende Klang mehrerer Trommeln. Auf meine Nachfrage, was das sei, werde ich informiert, es handele sich um die Juden. Aha. Ähh…wie bitte? Aber rasch klärt sich auf, dass die Teilnehmer der Karfreitagsprozession, die die Juden darstellen sollen, fleißig ihren Part üben. Da freue ich mich schon drauf, das in Live zu sehen.

Holy Thursday – Gründonnerstag:

Von dem Gottesdienst zum Gründonnerstag inklusive Salbung aller Amtsträger der Kirche mit Öl bekomme ich nur den feierlichen Einzug aller (!) Priester der Diözese in die Kathedrale mit. Danach geht es mit Franzi, ihrer Familie, Corinne, Tobi, zwei MBI Praktikanten und einer frisch aus der Schweiz angereisten Koordinatorin auf die 100 Islands, die ich bisher nie auch nur annähernd so voll gesehen habe. Man merkt deutlich, dass die Sommerferien begonnen haben.

Good Friday – Karfreitag:

Morgens um 10 nach 7 Uhr stehen ich und etwa 70 andere Leute vor der ersten Station des Kruezweges. Wir werden noch quer durch die Poblacion (Kernstadt) Alaminos laufen wobei Freiwillige aus der Menge abwechselnd das Kreuz tragen. Die Stimmung war sehr schön und besinnlich, bis wir am Markt vorbei kamen, wo die Geschäfte schon in vollem Gange waren. Aus jedem zweiten Geschäft dröhnte Musik, die wir tapfer mit unseren Gesängen zu übertönen versuchten. Mir hat es trotzdem gefallen obwohl spätestens um halb 8 der Schweiß lief. Es beginnt gerade unverschämt heiß zu werden. Um 3 Uhr nachmittags gab es den Karfreitagsgottesdienst mit Kreuzverehrung. Obwohl mindestens 3 Kreuze eingesetzt wurden um alles etwas flüssiger zu gestalten, dauerte allein dieser Teil der Messe 35 Minuten. Die Menschen küssen Jesu Füße und wischen mit Taschentüchern über seine Wunden mit dem aufgemalten Blut. Nicht wenige weinen; ich auch.

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Was folgte war eine etwa 1 ½ stündige Prozession durch Alaminos Poblacion (die Kernstadt). Die wurde mir allerdings etwas dadurch vergällt, dass die meisten Teilnehmer Hänsel und Gretel spielten. Anstelle davon, wie die Kinder im Märchen, den Weg mit Brotkrumen anzuzeigen, markierten sie die Route der Prozession fröhlich mit mehreren Hundert ausgetrunkenen Trinkpäckchen. Ja, genau die Sorte, die Franzi für ihre recycleten Taschen braucht, lag hier einfach so auf der Straße. Unter normalen Umständen hätte ich sie eingesammelt, aber das flotte Lauftempo ließ es nicht einmal zu, eins oder zwei aufzuheben um die Werfer zumindest dadurch zu beschämen, dass eine Weiße ihren Müll aufhebt. Ich hätte gerne einen der frommen Christen bei der Tat erwischt um ihm oder ihr danach das Teil mit bösem Blick unter die Nase zu halten, hatte aber Pech.

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Die Prozession endete in der Kirche, wo eine Figur des Leichtnahm Jesu vor dem Altar aufgebahrt wurde. Alle sollten noch einmal die Gelegenheit bekommen, sich angemessen von ihm zu verabschieden. Die dabei entstehende Schlange kann man sich vorstellen. Ich wollte das Ende nicht abwarten und bin nach Hause gegangen. Von der Verehrung des Leichnams Jesu drinnen bis zum munteren Verkauf von Souvenirs, Snacks inklusive Popcorn und Kinderspielzeug draußen, war es nicht weit. Ich habe den kurzen Weg mit deutlich gemischten Gefühlen zurückgelegt.

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Mein Gastvater Vic hatte mittags noch zwei Kokosnüsse angeschleppt und so lange bearbeitet, bis sie etwa drei cm eines Marmeladenglases Öl absonderten. Weil das Öl an einem heiligen Tag erzeugt wurde, hat es medizinische Kräfte, wird mir erklärt.

Black Saturday – Ostersamstag:

Heute war ich zur Arbeit in Sual, wo am Nachmittag die Teilnehmer des „Happy Camps“ aus Japan und der Umgebung angekommen sind. Dieses Camp wird aus 8 Tagen „spielen mit den Kindern“ aus CFF und Sual bestehen und alle sind schon jetzt ganz aufgeregt. Gleich fahren wir zur Osternacht in die Kirche. Es ist heiß und schwül, ich stehe frontal vor dem Ventilator und fächle auch noch kräftig mit der Hand, da fällt der Strom mal wieder aus. Fast gleichzeitig fängt es an zu regnen. Vielleicht gibt das ja Hoffnung, auf einen Wetterumschwung. Vom kontinuierlichen fächeln habe ich schon ziemlich gute Handgelenkmuskeln und inzwischen kommt auch das sonst so nützliche Babypuder an seine Grenzen. Ausnahmsweise bin ich also mal froh, dass Vic das Auto erst mal 10 Minuten laufen lässt, bevor wir einsteigen, sodass die Klimaanlage richtig loslegen kann.

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Die Osternacht begann vertrauterweise vor der Kirche, wo das Osterfeuer angezündet wurde. Und zwar mit Spezialeffekt! Vom Glockenturm wurde über eine steile Seilbahn eine Fackel herabgelassen, die den gut mit Benzin getränkten Stapel mit einem WUSCH in Brand setzte. Die Liturgie war grundlegend dieselbe und diese Wiedererkennung habe ich sehr genossen. Einige Teile jedoch waren deutlich philippinisch geprägt, etwa waren neben dem Taufbecken 4 Meter dicht an dicht stehende Wasserflaschen und Kanister (bis zu 20 Litern!) aufgereiht, die bei der Segnung des Weihwassers doch schnell mal mit gesegnet werden sollten. Auch Vic wollte profitieren und hat sein Öl dazwischen gestellt. Der Gottesdienst begann schon um 8 Uhr und endete dementsprechend auch deutlich vor Mitternacht, was ich etwas schade fand. Ich hätte auch noch eine weitere Stunde mitgemacht, obwohl die Moskitos mal wieder ihre Vorliebe für mich bewiesen und mich gleich duzentfach attackiert haben. Direkt nach der Messe fahren meine Gasteltern nach Manila um einen Verwandten am Flughafen abzuholen.

Easter Sunday – Ostersonntag:

Heute habe ich mal „ausgeschlafen“. Ich habe die 5:30 Messe sausen lassen und bin erst um 7 Uhr zum Gottesdienst gegangen. Mein sonstiges Programm heute: Ausruhen.

Euch allen also ein frohes und gesegnetes Osterfest. Blder von meinem gibt es HIER. Eure Sina

4 Kommentare

  1. UllaRausch UllaRausch 31. März 2013

    Hallo Sina
    ich wünsche dir ganz lieb frohe Ostern und hoffe das du nie mehr ein Huhn festhalten musst.Dicker Kuss, h d l, Ulla

  2. Karin Vassilakis Karin Vassilakis 31. März 2013

    Frohe Ostern und Gottes Segen, Deine Karin

  3. Sina Manger Sina Manger Autor des Beitrages | 3. April 2013

    Die Bildergalerien fuer Ostern und das Workcamp funktionieren inzwischen, inklusive der Links in den Artikeln.
    Danke Zacharias fuer die Reparatur!

  4. Klaus Manger Klaus Manger 6. April 2013

    Hallo Sina,
    Kar- und Ostertage so ganz anders – und doch vertraut.
    Aufschlussreicher Bericht. Hier wars auch sehr intensiv.
    Ruben hatte mit anderen eine Karfreitagsliturgie vorbereitet, die sehr anpackend klar und hart war…
    Nach Ostertagen dann kurze Urlaubstage in die Niederlande.
    Wunderschönes Land mit Glaubensschock – alte Kirchen als Einkaufmärkte, Ausstellungshallen und (in der Domkirche in Leiden) Jahrmarkt mit Pfannkuchenbacken im Dom. Kirchabteil im Seitenflügel:abgeschlossen.
    Da siehst du drei Seiten des Glaubenslebens.
    Mach weiter Deine Erfahrungen.
    Klaus