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84th Youth Workcamp PCFF

Da bin ich wieder!

Annähernd zwei Wochen Workcamp bei meiner Arbeitsstelle in Sual liegen hinter mir und es gibt einen ganzen Sack voll neuer Erfahrungen und Erlebnisse zu berichten!

Jedes Jahr richtet CFF Philippines (PCFF) 6 Workcamps aus, drei im Juli und August und drei im Februar und März. Seit der Gründung der Foundation für die Philippinen gab es bis zum 13. März 2013 83 Workcamps und ich hatte das Glück im 84. Batch teilnehmen zu können, einem mit 30 Campern besonders großen Batch noch dazu.

Gleich am ersten Abend gab es eine Welcome Party bei der wir 7 „Philippino Campers“ (ich wurde meistens großzügig zu den Philippinos dazugezählt) den Chicken Dance aufführen „durften“. Aber na ja, ich habe es überlebt :-). Am Freitag ging es auf zur „City Tour“ in Lingayen, Binmaley und Dagupan, bei der wir eine der großen Müllkippen der Gegend, eine der ältesten philippinischen Kirchen und ein slumähnliches Wohngebiet besichtigt haben. Die Müllkippe war natürlich genau mein Thema: Eine lamge Straße an der rechts beinahe unberührte Nippa-Sümpfe und rechts ein Brachfeld mit Bergen von Müll lag. Auf dem Abfall saßen und standen Männer, Frauen und Kinder, die den Müll per Hand für 100-150 Peso (etwa 2-3 Euro) pro Tag sortierten und recyclebares Material verkauften um ihren Verdienst aufzubessern. Der Gestank, die Hitze und die Fliegen haben mich schon nach 5 Minuten ganz verrückt gemacht aber eine der Frauen meinte nur lapidar, man gewöhne sich daran und sie sein froh, eine Arbeit zu haben. Dieser Kommentar ließ mich mit gespaltenen Gefühlen und einigem Stoff zum Nachdenken zurück.

Jeden Morgen gab es eine „Morning Devotion“ und jeden Abend ein „Seminar“ oder „Sharing“, bei dem in Kleingruppen oder mit allen über Fragen des Lebens und schwierige Themengesprochen wurde. So sollten wir mal unseren Lebensbaum malen und vorstellen, uns mit unserem Verhalten gegenüber Straßenkindern auseinandersetzen oder Elemente erfolgreicher Kommunikation diskutieren.

Am dritten Tag, startete die eigentliche Arbeit, die darin bestand, eine Stützmauer zu bauen um das neu entstandene Dormitory der Mädchen abzusichern, einen Bambuszaun zu errichten und rund um das neue Gebäude Erde abzutragen um eine Schlammüberflutung in der Regenzeit zu verhindern. Wir waren also gut damit beschäftigt in der steinharten, roten Erde zu graben, Steine zu schleppen, Bambus zu fällen und zu bearbeiten und Sand und Erde in Säcken quer über das Gelände zu transportieren. Alles relativ anstrenge Arbeiten, vor allem in der Sonne aber nichts schlägt das Zementmischen mit Schaufeln. Das ist schon eine Herausforderung für sich! Ich habe viel gelernt und bin stolz darauf, inzwischen mit dem Bolo (eine Art Machete) ganz gut umgehen zu können.

Am 19. März hatten wir das Kernseminar des Workcamps, das sogenannte „Peace Seminar“. Im 2. Weltkrieg wurden die Philippinen von den Japanern besetzt, bis diese von den Amerikanern besiegt und vertrieben wurden und in der Zeit der Besetzung haben japanische Soldaten sich der philippinischen Zivilbevölkerung gegenüber sehr rücksichtslos und grausam verhalten. Das ist allerdings nicht ganz die Version, die die japanischen Camper in der Schule gelernt haben und so werden philippinische Zeitzeugen zu einem Seminar eingeladen. Die jungen Japaner mit der philippinischen Version des Geschehens im 2. Weltkrieg zu konfrontieren, war für viele eine schwierige Erfahrung und das folgende Sharing hochemotional. Nachmittags haben sind wir an den Strand von Sual gefahren, den ich persönlich nicht sehr appetitlich fand und abends gab es eine typisch philippinische Talent Show. Eingeweihte wissen, was ich von derlei Dingen halte aber ich habe mich tapfer geschlagen! Am letzten Samstag fand nachmittags eine Activity mit den Kindern statt (Spielen, Tanzen, Seifenblasen!) und der Abend diente der Planung der Farewell Party am folgenden Tag.

Das aber eigentlich bedeutende Erlebnis an diesem Abend war ein für diese Zeit des Jahres absolut untypische Gewitter (mitten in der Trockenzeit!), das sicherlich das heftigste und gruseligste war, das ich in meiner Zeit hier auf den Philippinen erlebt habe. Der Regen fiel so dicht, dass er die Aussicht komplett verschluckte und Blitz und Donner waren direkt über uns wäwhrend der Wind so heftig tobte, dass die einzige Philippina unter den Campern anmerkte: „Parang bagyo.“ (=Wie ein Taifun). Wasser kam durch die geschlossenen Fenster unseres Dormitorys und alle Treppen verwandelten sich in kleine Wasserfälle. Es hatte schon nachmittags geregnet und auch am Tag danach sollte es heftig schütten aber im Vergleich zu diesem Unwetter herrschten schon fast deutsche Verhältnisse.

Gestern wurde für die Farewell Party gekocht, wobei ich mir mit einer recht improvisierten aber angeblich leckeren Mischung aus Bratkartoffeln und Kartoffelbrei die Ehre gegeben habe. Jede Nationalität hat etwas beigesteuert. Erwartungsgemäß wurde wenig bis nicht geschlafen und es flossen wahre Meere an Tränen (nicht nur bei den Mädchen!) als es an die Verabschiedung ging. Ach ja: Vormittags hatten wir das letzte Seminar und zur Einleitung haben wir zwei Hühner geschlachtet – es ging um die Frage: „For what/whom was I born?). Ich habe mich freiwillig zum festhalten gemeldet und es war eine recht eindrückliche Erfahrung denn die auserkorenen „Schlachter“ hatten keinerlei Übung, sodass es weder sonderlich schnell noch schmerzfrei abging.

Heute Morgen sind wir zur letzten Morning Devotion auf den Berg gestiegen, von wo aus man einen unglaublichen Blick auf die Buch und die Berge hat. Auf dem Rückweg haben wir eine ziemlich große, gelb-schwarz gefleckte Schlange in einem Baum über uns hocken sehen.

Ich habe also viel erfahren, gelernt und geteilt. Ich war zunächst nicht sicher, ob ich an dem Workcamp teilnehmen soll weil mir jetzt nur noch eine Woche in meiner Gastfamilie bleibt bevor ich wechsele und weil ich die Town-Fiesta in Alaminos verpasste habe, ein wichtiges Ereignis, das eine Woche lang (ohne mich) gefeiert wurde. Aber ich bin froh, dass ich ein Camper im 84th Batch sein durfte. Ein früheres Batch hat ein Video produziert, wer mal 8 Minuten Zeit hat, kann es sich hier anschauen: http://www.youtube.com/watch?v=0qOIibfJPvg. Für mich sind einige bekannte Gesichter und Orte dabei. Bilder von meinem Camp gibt’s HIER.

Ganz liebe Grüße, eure Sina

Ach ja: Für die Facebook-Fanatiker: https://www.facebook.com/CaringForTheFutureFoundation.

2 Kommentare

  1. Roger Manger Roger Manger 25. März 2013

    Toller Bericht, eindrückliche Erlebnisse + Erfahrungen. Ich umarmene dich, Papa

  2. Andrea Manger Andrea Manger 26. März 2013

    Liebe Sina,

    seit wir Dich besucht haben, kann ich mir das, was Du berichtest noch viel besser vorstellen. Ich finde es beeindruckend, mit welcher Hingabe und wie offen Du Dich den Erlebnissen widmest. Ich bin seither viel ruhiger, weil ich Dich vor Ort gesehen habe und Dich als sehr sicher erleben konnte. Auch wenn wir zwei Wochen nichts gehört haben, war das für mich kein Anlass zur Sorge, weil ich weiss, Du kommst gut zurecht. Natürlich habe ich Dir das vorher auch schon in der Theorie zugetraut, aber da konnte ich Dein Umfeld so gar nicht einschätzen.
    Ich bin sehr stolz auf Dich und drücke Dich lieb.
    Mama