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Trabaho, Arbeit, Work

Halli Hallo meine Leser,

Ich sitze hier gerade auf meinem Bett in meinem Zimmer, meine Gastmutter unterhält sich lautstark mit Gretchen, meiner Gastschwester, von der Plaza hört man das Quietschen vom Karussell und die Stimme die aus dem Lautsprecher am Bingo- Stand. Ganz Bani ist schon seit Wochen in Vorfreude auf das Town- Fiesta in den kommenden Tagen und ich bin auch schon ganz gespannt wie es wird. Denn auf der Plaza haben sich jede Menge „Gamble-Spiele“ (Glücksspiele)breit gemacht, ein kleines Riesenrad wurde neulich aufgebaut, jeden Tag gibt es einen Grillstand und Popkornverkäufer mehr und die Straßen sind mit bunten Fähnchen geschmückt.
Morgen fällt den ganzen Tag der Strom aus, deshalb nutze ich jetzt endlich mal die Gelegenheit zuschreiben, wo und was ich im Moment arbeite.

Montags, mittwochs und freitags arbeite ich im Altersheim bei den „Little Sisters of the Poor“. Das ist ein ziemlich modernes Altersheim, ca. 30 Minuten mit Bus oder Jeepnys und dann einer kleinen Strecke Tricycle von Bani entfernt. Die Sechs Schwestern und die einigen Angestellten kümmern sich um 52 Lolas(Omas) und Lolos(Opas), die alle aus ärmlichen Verhältnissen kommen und keine Familie haben, die sich um sie sorgen kann.

Im ersten Stock, wo ich auch mithelfe, wohnen die noch relativ fitten Alten in Zweierzimmern mit jeweils einem Bad. Im Obergeschoss sind die seh-, geh- und geistig- behinderten Leute untergebracht, die etwas mehr Zuwendung brauchen.

Morgens helfe ich mit das Frühstück zu servieren, das heißt: Das Essen mit dem Rollwagen aus der Küche von unten zu holen, die Töpfe auf die Tische zu stellen, den Mailo (Schokoladengetränk) auszuschenken, den Opas und Omas das Essen auf die Teller zugeben , das schmutzige Geschirr einzusammeln und natürlich allen einen schönen guten Morgen zu wünschen.
Danach geht es in die Gymnastic- Hall, wo sich die Alten in ihrem Rahmen der Möglichkeiten sportlich betätigen z.B. Fahrradfahren, Treppenlaufen oder Räderankurbeln per Hand. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht die Residenten zu motiviere und anzufeuern doch noch ein bisschen fester in die Pedalen zutreten.
Dann beginnt das Vormittagsprogramm und heute war zum Beispiel Karaoke singen an der Reihe. Weil ich jedoch nicht der größte Fan davon bin, habe ich den Schwestern und Mitarbeitern geholfen, die Betten neu zu beziehen.
An anderen Wochentagen gibt es z.B. Malen, „Bible-Sharing“ oder Band-Probe. Mittwochs ist daher mein Lieblingstag, weil ich da mit den Bandmitgliedern (Omas und Opas) mit Rasseln, Trommeln und Schellen einen Rhythmus einzustudieren versuche. Den wir dann auf der Weihnachtsfeier verführen können. =)
Beim Mittagessen habe ich die gleichen Aufgaben wie beim Frühstücksservice und wenn die Spülmaschine nicht funktioniert, helfe ich danach mit abspülen.
Heute habe ich in der Mittagspause mit Lola Terry drei Partien Schach gespielt und weiter an meiner Tasche aus Trinkpäckchen gearbeitet. Im „Handicraft“- Raum hat es nämlich eine Nähmaschine, die ich für mein neues Recycling-Projekt benutzen darf. Einige können sich vielleicht noch an meine „Müll- Tüte“ erinnern? So eine habe ich letzte Woche fertig gebastelt. =)
Nach dem Servieren der Nachmittags- Meryenda (Kaffee und Kuchen) fahre dann immer mit dem Bus nach Hause in meine Gastfamilie, in der ich mittlerweile schon zwei Monate wohne.

Am Dienstag- und Donnerstagmorgen bin ich mit Sina in der Klink im SAC. Da ist aber wegen wenigen Patienten oder fehlenden Ärzten nicht immer genügend Arbeit gibt, habe ich jetzt eine kleine Produktion an recycelten Portmonees aus Trinkpäckchen gestartet.
Am Donnerstagnachmittag begleiten wir immer noch das Feeding-Programm in Infanta. Mittlerweile sind uns die Kinder richtig ans Herz gewachsen und sie kommen uns zur Begrüßung schon laut schreiend entgegen mit „Hello, Ate Pranschesca“ und „ Hello, Ate Sena“. Sie genießen es glaub ich total, dass sie jemand in der Gegend rumwirbelt, sie kuschelt, mit ihnen spielt oder, wie letztens, mir eine neue Frisur verpassen.

In meiner Gastfamilie gibt es Neues, das mein Gast-Cousin plötzlich verschwunden war und nun bei seiner leiblichen Mutter in einer anderen Provinz wohnt. Ohne ihm ist es irgendwie leiser geworden, aber der Hahn, den mein Gastvater gestern geschenkt bekommen hat, sorgt besonderst morgens für Stimmung. Meine Gastmutter benutzt jetzt Paper-Brikett zum Kochen (zumindest wenn ich welche herstelle) und ich habe gestern das erste Mal auf Philippinisch Art Reis auf einem Ofen im Garten gekocht.

Es ist hier einfach so heiß und ich kann mir kaum Vorstellen, dass bald schon Weihnachten ist. Aber der Plastikweihnachtsbaum, der in der Mitte von der großen Kreuzung in Bani steht, lässt mich daran erinnern, dass das Fest immer näher rückt.

Also liebe Grüße
Franziska

P.S. Und hier die Bilder