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Manila

Tja meine Lieben, wo soll ich anfangen? Wieder mal ist eine Woche rum und aus dieser gibt es besonders viel zu erzählen…

Wie schon berichtet, war am Montag die Weihnachtsfeier der Kathedralengemeinde, allerdings war sie nicht nur morgens – wie man mir erzählt hatte – sondern den ganzen Tag von halb sieben am Morgen bis acht Uhr am Abend. Und weil an einem etwas abgelegenen Strand gefeiert wurde und ich auch nicht die Hälfte verpassen wollte, musste ich meinen Kindern in Sual leider absagen. Ein bisschen traurig war ich deswegen schon aber vielleicht kann ich den 24. Dezember im Heim verbringen, als kleinen Ausgleich. Die Weihnachtsfeier war typisch philippinisch mit Unmengen an Essen inklusive einem ganzen gebratenen Schwein (einer Spende vom Bürgermeister), Karaoke und Wichteln (es brachte einfach jeder der wollte ein Geschenk mit und dann wurden Nummern gezogen). Mein Geschenk habe ich übrigens immer noch nicht denn Sr. Aida  hatte kein Geschenk mitgebracht, wollte aber trotzdem mitmachen. So habe ich momentan nur eine Papierserviette auf die in Großbuchstaben „ I OWE U“ steht J. Auch schön war, dass wir das meiste an Essen erst vor Ort zubereitet haben und so verschiedenste Leute etwa zusammen Gemüse geschnippelt haben. Am Nachmittag konnte wer Lust hatte noch mit zwei Booten raus aufs Meer und auf näher gelegene Inseln der 100 Islands fahren um dort zu schwimmen –trotz Erkältung habe ich mir diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen wobei „schwimmen“ etwas übertrieben ist denn wie schon erwähnt ist das Wasser zwischen den 100 Islands selten tiefer als Brusthoch.

Am Montagabend konnte ich Franzi doch noch überreden mich nach Manila zu begleiten und so stiegen wir am Dienstagvormittag beide in einen Bus um ihn 5 ½ Stunden später im Stadtteil Cubao wieder zu verlassen.  Die beiden Jungs trafen wir  in einer Mall in der Nähe und dann ging es per Jeepney in ihr Viertel Marikina City wo wir die anderen beiden Gäste trafen, die uns schn vorher angekündigt worden waren. Zu unserer freudigen Überraschung zwei echte Frankfurter, ja sogar Nordender! Franzis Kommentar nach 5 Minuten: „Wie schön wieder mal jemanden normales Deutsch reden zu hören!“… Später am Abend sind wir dann Italienisch essen gewesen.

Marikina City ist so ruhig und sauber, dass man dort total vergisst, welches laute, dreckige, stinkende Chaos einen näher am Stadtzentrum erwartet – in das wir uns am nächsten Morgen fröhlich zu sechst reingestürzt haben  um die Jungs auf ihre Arbeit zu begleiten (die beiden geben Vorschulunterricht in einem der Slums). Die armen müssen zweimal am Tag etwa 18 Kilometer quer durch Manila fahren –  und zwar mit der Bahn (in Manila gibt es drei Hochbahnlinien), 3 verschiedenen Jeepneys und dem Tricycle wofür sie eine knappe Stunde brauchen. Der Slum ist ein abgetrennter Bereich am Fluss, in den in regelmäßigen Abständen Tore (Gates) führten, ein enges und verwinkeltes Gewirr aus Häusern und Hütten in dem überall Kinder rumrennen. Je näher man zum Fluss kam, desto mehr Müll lag herum. Auf einer Art Hof führte ein Pfad aus Steinen hindurch wie durch Wasser. Beim Anblick des Ufers konnte ich nicht anders als mir vorzustellen, was bei einer Überschwemmung passiert. Außerhalb des Slums liegt der Müll übrigens nicht überall herum sondern wird auf großen Haufen am Straßenrand gesammelt.

Während die Jungs ihren Job machten schauten wir vier Frankfurter uns die Reste des historischen Stadtkerns Inramuros an und später gingen wir alle sechs nach Divisoria, wo es einen riesigen Straßenmarkt gibt, eingerahmt von extrem unübersichtlichen Shoppingmalls. Am Donnerstag haben Franzi und Ich den Kampf gegen den Stadtverkehr von Manila dann todesmutig zu zweit aufgenommen um uns in der Nähe der Quiapo Kirche auf die Suche nach schönen Fächern zu machen, Chinatown zu durchwandern und uns den Chinesischen Friedhof anzuschauen – letzteres eine absolut menschenleere und etwas gruselige Totenstadt mitten in Manila. Zuletzt sind wir nochmal nach Divisoria wo wir ohne die Hilfsbereitschaft der Einwohner von Manila wahrscheinlich nie wieder herausgefunden hätten. Abends stießen noch zwei mehr zu unserer Gruppe – eine deutsche Freiwillige aus dem Süden von Luzon und eine Deutsch-Philippina, die gerade 7 Monate auf den Inseln verbringt. Zu acht (inklusive dem belgischen 6-Monats-Urlauber aus der Wohnung eins weiter oben und exklusive Franzi, die von der AirCon in den Einkaufszentren und Bahnen in die Knie gezwungen worden war) wurde es dann recht spät und ziemlich lustig.

Freitagmittag sind wir wieder aufgebrochen, genauso wie unsere zwei Nordender (übrigens Urlauber), die sich ein paar gute Wellen suchen wollten. Die Jungs müssen aber nicht einsam sein, später am Tag haben sie noch Besuch von einer weiteren deutschen Freiwilligen aus einem Vorort von Manila bekommen J…

Bevor es aber endgültig nach Hause ging, haben wir noch eine Nacht in Mangatarem, im Haus von Simon und Imelda verbracht und am Samstag bei der Weihnachtsfeier des Reforestation Projektes teilgenommen. Für diese Gelegenheit galt es noch schnell 125 Turon zu rollen (Frühlingsrollen mit Kochbanane und Zucker), sodass wir keine Zeit für Langeweile hatten. Natürlich wurde auch wieder gewichtelt, wir beide haben kurzerhand Wassermelonen gekauft und mit einer Gabel weihnachtliche Sprüche und Bilder in die Schale geritzt. Und sicher finde ich noch jemanden, an den ich einen Satz Teller weiterverschenken kann  :P.

Bis bald, eure Sina

P.S.: Bilder findet ihr in der neuen Galerie „Weihnachtsfeiern“. Viel Spaß beim Schauen!

4 Kommentare

  1. holger moeller holger moeller 16. Dezember 2012

    Liebe Sina,
    Bald ist Weihnachten und wir hatten schon die Hoffnung das es dieses Jahr weiße geben würde, da es letzte Woche kräftig geschenit hatte und auch die Temperaturen seeeehhhhhrrr Winterlich waren! Eine Woche später, also jetzt ist der Traum vorbei, wir haben weider plus grade und es regnet!
    Toll das ihr besuch aus Frankfurt habt.
    Ihr erlebt ja richtig was!
    Der Weihnachtsmarkt ist wie jedes Jahr gut besucht und wir besorgen schon eifrig Weihnachtsgeschenke und backen Plätzchen!
    viele grüße Holger und Clara =)

    • Sina Manger Sina Manger Autor des Beitrages | 18. Dezember 2012

      Da werde ich richtig neidisch – trotz des schneematsches, den ihr jetzt wahrscheinlich habt! Mit Weihnachtsmarkt und Plätzchen sieht es hier mau aus (wobei mir mit der Delegation welche backen werden, juhuu!) aber geschenkt wird wirklich viel, praktisch bei jeder Weihnachtsfeier gibt es „exchange gifts“ also Wichteln.
      Ich drück euch, Sina

  2. Klaus Manger Klaus Manger 19. Dezember 2012

    Hallo Sina,
    der letzte Bericht hat mir Vorstellung von den Widersprüchen in Manila gegeben. Am meisten hätte mich dann der chinesische Friedhof interessiert. Menschenleer und gruselig? Hat das einen bestimmten Grund, dass der Friedhof nicht besucht wird – und was macht ihn gruselig?
    Habe dann beim Schreiben der Weihnachtspost bemerkt, dass ich ja R.A.L. Manger schreiben muss. S. ist ja auf den Philippinen!
    Ein gutes Weihnachtsfest mit allen Menschen dort unten wünschen wir Dir. Fang das neue Jahr gesund an!
    Klaus – Eva – Ruben
    Wie Weihnachten und Jahresbeginn ablaufen, das wird man ja wohl dann lesen können.

    • Sina Manger Sina Manger Autor des Beitrages | 20. Dezember 2012

      Leider weiß ich nicht, warum so wenige Besucher da waren…vielleicht einfach weil noch nicht Touristensaison ist (wir haben in den drei Tagen praktisch keine gesehen) und wir am frühen Nachmittag mitten unter der Woche da waren. Insgesamt haben wir, glaube ich, 5 Menschen gesehen von denen 4 dort gearbeitet haben. Das Gelände ist aber auch wirklich sehr groß, sodass es sich verteilt. Gruselig war es einmal deswegen weil man aus dem lauten, dreckigen und vollen Manila auf einmal in ein total stilles (abgesehen vom Wind der durch die Blätter rauschte), sauberes und eben menschenleeres Gebiet kamen. Zudem waren wir vom Reiseführer und später von den Wachmännern am Tor nochmal vor Überfällen gewart worden waren. So waren wir am Ende ziemlich froh, dass wir zu zweit waren…

      Maligayang Pasko at Manigong Bagong Taon din!