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Allerheiligen

Hallo ihr Lieben,

Ach ja, wo fang ich denn nur an? Es ist ja schon wieder ewig viel Zeit von meinem letzten Artikel vergangen.

Erst Mal; ich lebe noch.

Aber Dank Sina, der fleißigen Schreiberin, seit ihr über unsere letzten gemeinsamen Aktivitäten gut informiert. Und ich beginne von dem „Youth Camp“ von letzter Woche zu berichten.

Nach dem Light- Run in Burgos, den Sina und ich mit ersten und zweiten Platz bei den Frauen belegten, startete das zweitägige Jugendtreffen in Burgos auf dem Gelände von Father Aarons Konvent. Es war eine junge Gruppe von Fokularen da, die sich mit Tanz, Gesang und Film bei den etwas 70 Jugendlichen vorstellte. Die Fokulare sind eine katholische Glaubensbewegung, die von Chiara Lubich ins Leben gerufen wurde.

Nachmittags konnten wir an verschiedene Workshops teilnehmen, wie Theater oder Tanzen. Abends nach der Messe unter freiem Himmel und dem Abendessen führten die einzelnen Gruppen ihr Erprobtes vor. Ich machte beim Tanzen mit. Das ging noch von der Peinlichkeitsstufe her. Dann war die Bühne offen für jeden etwas zu präsentieren und einige Gruppen die gemeinsam am Camp teilnahmen hatte schon etwas einstudiert. Aber dann verlangten die Jugendlichen, dass wir beide auch etwas typisch Deutsches vorführen sollten. Wir weigerten uns beide etwas vorzusingen oder etwas vorzutanzen. Aber weil es irgendwie langweilig gewesen wäre nichts zu zeigen, versuchte ich mein Glück mit Zirkus. (Sina ist früher ins Bett, weil sie sich schlapp fühlte.) Nun ja, weil Partnerakrobatik ohne Partner schwierig ist, suchte ich mir aus dem Publikum einen anständigen Untermann und wir machten zwei, drei Figuren. Das Publikum war zufrieden und der Abend klang noch mit einem Mitternacht- Meryenda aus. Eins steht fest: Für das Jugend- Camp an Chris the King bereiten wir uns für so etwas vorsichtshalber vor.

Der erste November. Allerheiligen. Die Sonne geht wie eine rot lila leuchtende Kugel hinter den Reisfeldern mit Nebelschwaden auf. Ich laufe die Straße entlang die von Bani raus nach Agno führt. Heute sind erstaunlich viele Leute so früh auf den Beinen. Viele Menschen grüßen mich, wie ich so an ihrem Haus vorbei jogge. Endlich mal wieder mal ein Morgen, an dem ich zu meinem Frühsport komme.

Heute ist ein großer Feiertag für die Philippinos. Ich war zunächst gar nicht begeistert an einem Ferientag den ganzen Tag auf langweiligen Friedhöfen zu sein und Gottesdienste am Laufband zu hören.

Doch als ich mit Father Jonas, dem Pfarrer von Bani, auf dem Friedhof  eintraf, staunte ich nicht schlecht. Erst mal: Hier werden die Toten nicht vergraben, sondern in Steinkästen einzementiert. Und wenn dann ein Verwandte stirbt wird dessen Steinkiste meistens neben dran oder obendrauf  gestellt. Das bedeutet es türmen sich die Gräber mit kompletter Unordnung und ohne Struktur und es wirkte auf mich, wie eine ausgekippte Bauklotzschublade. Etwas Abseits kann man sich, wenn man es sich leisten kann, eine Art Kapelle errichten lassen, in denen dann von der ganzen Familie die einzementierten Särge überdacht sind.

Außerdem wimmelt es hier von Menschen. An der staubigen Straße standen dicht an dicht kleine Straßenhändlerbuden, die Kerzen, gekühlte Cola und Gegrilltes zum Verkauf anboten. Die einzige Straße die zu dem „ Sementary“  führte, war verstopft von Tricycles, die noch mehr Leute in das Getummel brachten oder an der Seite parkten.

Ich sah viele Leute, die sich zwischen und über den Gräbern ein Weg zu ihren verstorbenen Familienangehörigen suchten. Zur Feier des Tages wurden die Gräber mit Kerzen und Blumen geschmückt und hier und da sah man auch, dass etwas von dem mitgebrachten Essen oder ein Schluck Wein für die Toten bereit stand. Es war also gar keinen trübselige Stimmung, sondern ein munteres Beisammensein der gesamten Familie.

Der Gottesdienst fand auf dem höchsten und größten Grabturm statt. Dort traf ich auch zwei meiner Gastgeschwister und einige Jugendlich aus der Gemeinde. Es war eine seltsame Situation. Aber ich genoss diese neue Erfahrung sehr.

Nach einem langen Tag an der frischen Luft mit drei Gottesdiensten und noch einem Besuch auf einem anderen Friedhof, ließen meine Gastgeschwister und ich den Tag mit einer Helloween-Party ausklingen. (Hier wird Helloween anscheint nicht am 31. Oktober gefeiert). Und hier ein kleiner Einblick: Freizeit von Franziska.

Liebe Grüße und bis Bald

Franziska

P.S. Die Läuse sind wir beide wieder los, aber natürlich kann es gut sein, dass wir sie bald wiederbekommen. Denn auf das Spielen mit den Kindern können wir nicht verzichten, dafür haben wir die kleinen Stupsnasen viel zu gerne. Es gehört hier einfach zum philippinischen Alltag dazu.