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Ungebetene Untermieter

Hallo Leser!

Am Sonntagnachmittag sind Franzi und Ich – freundlicherweise von Fr. Rey im Auto mitgenommen – zur Feier zum 10jährigen Jubiläum des von Fr. Aaron gegründeten diözesanen Ordens „Opifices Christi“ (OC) in Burgos gefahren. Ich muss sagen, obwohl die alte Backsteinkirche aus spanischer Kolonialzeit in Salasa wirklich beindruckend ist, steht bei den OCs die bis jetzt berührenste Kirche. Bestimmt 3/5 aller Wandflächen sind verglast, unter anderem die Wand hinter dem Altar, sodass die unglaublich grüne Natur draußen ganz nah ist. Besonders gefallen hat uns auch der Kirchenchor. Die Stimmung war also sehr schön und als wir nach der Hälfe des auf den Gottesdienst folgenden Programms gehen mussten um zusammen mit Tobias und Corinne den letzten Bus gen Alaminos zu erwischen (Fr. Rey war direkt nach der Messe gefahren) waren wir alle etwas enttäuscht.

Am Montag stand die Unterzeichnung der Verträge der neuen Mitglieder des Reforestation-Projekts in Mangatarem an. Eigentlich wurden wir dafür nicht benötigt aber irgendwie hatten wir im Gefühl, dass wir trotzdem kommen sollten. Franzi, Ich, Tobi – in seiner Funktion als Koordinator der BMI-Freiwilligen – und Sr. Carol haben den Bus und ein Tricycle genommen während der Bischof, Fr. Rey und Zeny vom Social Action Center im Auto angereist sind. Allein für den Anblick der Sister auf der extrem wackligen Hängebrücke, hat es sich dann tatsächlich gelohnt. Nach der Überquerung wurde spontan beschlossen, auf dem Rückweg von der Nursery den Damm zu nehmen. Auch das war nicht unamüsant denn obwohl der Weg sicher ist, steht das Wasser etwa 20 cm hoch. Alle mussten also die Schuhe ausziehen und die Hosen hochkrempeln wobei auf halber Strecke als weiteres Hindernis noch eine Familie auf dem Damm hockte, die zum Schwimmen gekommen war. Wir jedenfalls hatten unseren Spaß und auch der Bischof schien das ungewohnte „Abenteuer“ (-> Bilder!) zu genießen.

Am Donnerstag ging es nach der Arbeit in der SAC-Clinic für uns, Tobi und Corinne wieder nach Burgos, diesmal zum Abschiedsmittagessen für Peter. Fr. Aaron nutzte die Gelegenheit um uns das „Business“ der OCs zu zeigen: Ein Shop für Kleinigkeiten und „processed meat“, eine Wasserstation (d.h. sie verkaufen Wasser), eine Bäckerei und eine Tankstelle, von der allerdings erst der Rohbau steht, und ein kleines Social Center für Bedürftige. Die verkauften Waren sind preislich ungefähr gleich wie in den großen Kaufhäusern in den Städten, sodass die Anwohner (hauptsächlich Farmer und Fischer) sich den Weg sparen. Auch das Benzin soll verbilligt verkauft werden wenn die „gasoline station“ erst steht. Ein wichtiger Aspekt des Ganzen ist auch die Bereitstellung von Arbeitsplätzen weil der Arbeitsmarkt – anscheinend gerade in diesem Teil von Pangasinan – sehr schwierig ist. Bei der Führung über das Klostergelände hat mich vor allem der Gebetsraum beindruckt, ein kleines, dreistöckiges, stark an ein Kornsilo oder eine Miniatursternwarte erinnerndes Gebäude, von außen weiß, von innen schwarz mit blauer Beleuchtung (in den unteren zwei Stockwerken). Mich hat der Raum geradezu zum Innehalten und zur Stille gezwungen. Im obersten Stockwerk befindet sich ein weißer Raum ohne religiöse Symbole zur Andacht auch für Nicht-Christen. Alle OC-Bilder sind hier.

Nach dem Essen ging es für mich, Franzi und Corinne zum Feeding nach Infanta weiter. Corinne schulte die Mütter in Zahnhygiene weil sehr viele der Kinder furchtbar schlechte Zähne und wohl auch häufig Zahnschmerzen haben. Besonders süß war in diesem Zusammenhang, dass ein kleiner Junge auch am Tisch saß und von Corinne als Anschauungsobjekt benutzt wurde, dann aber weglief. Allerdings nicht, weil es ihm zu viel wurde, sondern um seine Zahnbürste und Zahnpasta zu holen und sich hinter dem Haus selber die Zähne zu putzen – was wir gar nicht gemerkt hätten, wäre Franzi ihm nicht nachgegangen. Für mich – und später auch für Franzi – hielt der Nachmittag noch eine Überraschung bereit! Ich habe gerade mit einigen Kindern ein Steinchenspiel gespielt, bei dem man auf dem Boden hockt. Eines der Mädchen – Vicky – fing an, in meinen Haaren herumzupulen. Ich dachte mir erstmal nichts dabei, denn unsere Haare sind für die meisten Kinder von Interesse. Irgendwann fragte ich sie aber doch, was sie da macht, besonders, nachdem einige Male schmerzhaft ein paar Haare ausgerissen wurden und dann ein leises Knacken ertönte. Die Erklärung auf Ilocano habe ich natürlich nicht verstanden, aber das kleine Tier, das sie mir nach weiterem Gepule entgegenstreckte, war kaum misszuverstehen. Ja, auf irgendeiner meiner Arbeitsstellen, habe ich mir Kopfläuse eingefangen. Die haben hier sehr viele Kinder wobei es nicht direkt behandelt wird, sondern die Läuse einfach regelmäßig einzeln rausgezupft werden. In Sual konnte ich das schon einige Male beobachten. Ich selbst war laut Vicky („wala pa“ = no more) nach etwa 15minütigem Gezupfe vorübergehend lausfrei. Franzi – auch bei ihr hat Vicky auf meine Bitte hin nachgeschaut – und ich können jedenfalls auf Untermieter auf dem Kopf verzichten und haben uns sofort mit Läuseshampoo eingedeckt. Wenn wir wirklich sicher gehen wollen, werden wir das wohl durchgehend mindestens einmal die Woche benutzen müssen.

Mir geht es trotz Parasitenbefall gut und ich fühle mich wohl. Liebe Grüße euch allen, eure Sina

3 Kommentare

  1. helmut grein helmut grein 20. Oktober 2012

    Liebe deine Beiträge und die Bilder machen einem doch etwas neidig
    Liebe Grüsse,Helmut
    Am 21zigsten feiert meine Enkelin ihren ersten Geburtstag 🙂

  2. UllaRausch UllaRausch 24. Oktober 2012

    Hallo Sina,
    ich mußte sofort an Alex denken der aus der Schule auch mal Kopfläuse mitgebracht hat. Dein Humor ist köstlich. Bleibe bloss so fröhlich und gelassen in deiner noch kommenden Zeit.Ich bleibe dran und drücke dich ganz fest, Ulla
    H.D.L.

  3. holger holger 28. Oktober 2012

    Hi Sina,
    die Untermieter ohne Chemie zu bekämpfen find ich gut und deine Gelassenheit dabei, super!. Klappt das? Vielen Dank für deine Karte, wir haben uns sehr gefreut. Heute treffen wir uns mit deinen Eltern, jetzt kommts: for a walk near Kronberg, how things change. Alles Liebe Clara, Christine und Holger