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Gastfamilie & Hundred Island

Hallihallo,

Wau, jetzt ist es schon wieder eine Weile her, dass ihr etwas von mir gelesen habt. Es ist schon wieder so viel passiert und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.

Vielleicht fange ich mit meiner Wohnsituation an, was ja ein einziges Fragezeichen in einen meiner letzten Berichte war.

An dem besagten Montag mit dem Gespräch stellte sich heraus, dass es noch zwei andere Familien gibt, die sofort bereit wären mich bei sich aufzunehmen.

Deshalb landete ich unerwartet eine Woche später in meiner jetzigen Gastfamilie.

Meine Gastfamilie ist eine durchschnittliche philippinische Familie. Sie besteht aus Mamy Zel und Papy El, Joffrey, meinem 28-jährigen und Christian, meinem 31-jährigen Gastbruder und Gretchen meine ein Jahr ältere Gastschwester mit ihrer fast zweijährigen Tochter Eleah. Dann gibt es noch drei ältere Geschwister, von denen zwei im Ausland sind, die ich noch nicht kennengelernt habe.

Alle zusammen leben wir in einem kleinen Steinhaus mit einem kleinen Garten, in dem Hühner, Hunde und  Katzen rumstrolchen.

Als einzige in meiner Familie habe ich meinen eigenen Rückzugsraum, obwohl Christian, in der angebauten Hütte auch so was wie ein Zimmer hat. Doch würde ich in Deutschland nicht von einem Zimmer sprechen, wo man die Tür zu macht und seine Ruhe hat. Denn mein Raum ist mit Holzbrettern aus dem Wohnzimmer ausgeschnitten. So zu sagen ein Sichtschutz.

Ich habe eine Tür und nicht nur einen rosa Vorhang, aber wenn drüben, wie jetzt gerade, Fernseher geguckt wird, ist das mein tägliches Hörspiel. Aber das hat auch sein Gutes, denn so höre ich permanent Tagalog und ich lerne unbewusst die Sprache. Aber ungekehrt ist auch abends, wenn alle auf einer Matratze im Wohnzimmer und auf der überdachten Terrasse am Boden schlafen, und ich noch Licht an habe, dann ist für sie auch noch hell. Ihr seht, ich erlebe hautnah die Philippinen.

Ihr könnt aber beruhigt sein, ich schlafe in einem Bett und habe ein Fenster und auch einen Schrank in meinem Zimmer. Auch wenn ich den nicht benutzen kann, weil dort schon die Handtücher und Bettlaken und Zeugs untergebracht ist, der keinen anderen Platz in dem Haus findet. Zum Glück habe ich einen praktischen Rucksack, wo ich nun meine Klamotten verstaue.

Als ich am ersten Tag in mein neues Zuhause kam, war ich einwenig erschrocken, wie klein mein Zimmer ist, aber mittlerweile habe ich mich schon gewöhnt und ich fühle mich wohl. Es ist echt erstaunlich mit wie wenig Privatsphäre man zu recht kommen kann und ich bewundere alle anderen Familienmitglieder, die das Privileg von Privatsphäre noch weniger genießen können und trotzdem so friedlich und glücklich zusammenleben.

Letzte Woche habe ich gleich mal von Mamy Zel  erklärt bekommen, wie man die Wäsche mit Hand richtig wäscht, denn ich muss es wohl so unerträglich falsch gemacht haben, dass sie mich gebeten hatte, dass sie es das erste Mal machen darf.

Nun von meinem Erlebnissen von letzten Montag.

Sina und ich sind nun schon ganze 2 Monate hier und waren noch immer nicht bis dato auf den Hundret Islands gewesen, der größten Touristenattraktion in der ganzen Provinz Pangasinan. Dabei sind diese hundert kleinen Inseln, auf denen keiner wohnt, von Alaminos in 20 Minuten mit dem Tricycle zu erreichen. Deshalb lud uns Father Ed ein eine Kayak-Tour von dem Barangay Lucap, das direkt am Meer liegt, zu den Hundret Island zumachen und dort auf einen Inseln mit dem Zelt eine Nacht zu verbringen.

Das Kayaken war einfach gut und ich kann gut nachvollziehen, warum diese Inselgruppe so ein beliebter Ausflugsort ist. Ein wunderschönes Naturwunder.

Wir suchten uns eine schöne Insel mit Strand und kleiner Höhle aus und bauten unsere Zelte auf. Während ich Muscheln in den buntesten Farben und Formen sammelte machten Sina und Fr. Ed noch eine Extrarunde mit dem Kayak, Curt, Fr. Eds Begleiter, grillte das Fleisch auf einem improvisierten Grill (Gabeln und Steine).

Die Sonne ging langsam unter und ein Motorboot tuckerte vorbei. Als es uns sah steuerte es auf unsere kleine Insel zu. Der Fahrer war wohl ein Bote des Himmels, denn er sagte uns, dass diese Nacht „High Tight“( = Flut) sein wird und diese Insel keinen Strand mehr hat. Nun ja nach dem Abendessen am Strand packten wir alles zusammen und verstauten alles auf den Kayaks. Man muss dazusagen, dass Sina und ich unsere Gepäck weder in einer Plastiktonne, noch in Plastiktüten eingehüllt war und so war es ein echtes Abendteuer die Balance zuhalten, sodass nicht alle Sachen samt uns im schwarzen Wasser landete und mit Taschenlampen auf die nächste Insel zu paddeln.

Dort angekommen schlugen wir wieder die Zelte auf und machen uns ein zweites Mal gemütlich.

Eine Stunde nach dem wir uns schlafen gelegt haben, erreichte die Flut zu erst Fr. Eds Zelt und kurz danach auch Curts Zelt. Die Beiden zogen um, direkt hinter einem Felsen, wo es ein kleines Stückchen höher war. Unser Zelt lag am höchsten Punkt des Strandes und das Wasser durfte uns einfach nicht erreichen. Doch das tat es und so erschraken wir uns sehr, als wir plötzlich mit einer Welle ein Wasserbett hatten und an den Seiten das Wasser hinein kam. Wir packten schnurstracks unser Zeug zusammen und flohen aus dem Zelt. Wir mussten wieder umziehen aber wohin? Hinter dem Felsen gab kaum mehr Platz für ein drittes Zelt, außerdem war es komplett nass. Die Männer schleiften das Zelt an einen einigermaßen sicheren Ort und Curt zog ins Zelt von Fr. Ed um. Jetzt hatten wir kein nasses, aber komplett versandetes Zelt mit Sandflöhen und nach dieser Aufregung dachten wir beide nicht mehr an schlafen. Was wenn die Fluten auch diesen Ort erreichten?

Wir hielten uns mit einem Mitternachtssnack bei Laune und nahmen dieses Chaos mit Humor. Wir setzten uns auf einen der Felsen und genossen den Nachthimmel und den Mond und warteten auf die Ebbe. Irgendwann holte uns doch der Schlaf ein und Sina verkroch sich ins Zelt und ich machte es mir auf dem Felsen gemütlich. Wir hatten noch mal Glück gehabt und das Meer verschonte uns.

Am nächsten Morgen um 7 Uhr holte uns dann ein kleiner Fischkutter ab und brachte uns ans Festland.

Ein steht fest, das nächste Mal zelten wir nicht mehr auf den Hundret Islands!

Liebe Grüße

Franziska

Ein Kommentar

  1. Julia Julia 19. Oktober 2012

    FancyFranzi ♥

    ist Deine Anschrift immer noch die Gleiche???

    Ich vermisse Dich!!!

    Ganz viele Küsse aus einer Wohnung mit dekadent viel Privatsphäre