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Mein Geburtstag oder maligayang kaarawan

Draußen pochen die Regentropfen auf das Dach, auf die Straße und auf die Blätter des Baumes vor meinem Fenster. Es hört sich wirklich an, als ob unter meinem Fenster jemand mit einem Regenmacher steht und das alles noch mit einem Megaphon verstärkt!

Abgesehen von dem Getropfe von Draußen, tropft es hier auch noch in meinem Zimmer von der nassen Wäsche, die ich heute Morgen gewaschen habe, an der Wäscheleine.

Es gibt immer wieder neue Sachen zu entdecken und Eindrücke von den Philippinen von denen ich berichten möchte. Aber zunächst schildere ich meinen Geburtstag, der am letzten Freitag war! Denn er war mal komplett anderes, ganz ohne Freunde, Familie, Verwandte und Schulkameraden. Aber dennoch mit einem Haufen netter Menschen.

Morgens bin ich früh aufgewacht und die Sonne schien nach zwei Tagen Regen wieder! Bevor Sina mich in meinem Zimmer abholte packte ich schon mal die ersten Geschenke und Karten aus, die mir von Deutschland mitgegeben wurden.

Sina holte mich von meinem Zimmer ab und wir gingen in das Nachbargebäude, wo der Bischof und die, ich glaube, sieben anderen Priester wohnen.

Ich betrat das Esszimmer und die gerade frühstückenden Priester stimmten ein vierstimmiges „Häppi Börsdäi“ an.

An diesem Morgen gab es zum ersten Mal Pan de Sal zum Frühstück mit beidseitig gebackenem Spiegelei. Normalerweise gibt es nur kalten Reis mit Fisch oder anderen Beilagen, wie Frühlingsrollen, deshalb habe ich mich riesig gefreut, als ich die leckeren warmen kleinen Brötchen, die ein bisschen wie Milchbrötchen schmecken, auf dem Büfett stehen sah! Zusammen mit der H-Milch, die Sina und ich tags zuvor im CSI (der Supermarkt hier) gekauft haben, weil es hier üblich ist, die Milch anzurühren, ließ ich es mir gut gehen.

Vormittags gingen wir mit Sister Carol mit, die für ein Seminar einige Materialien kaufen wollte. Der Schreibwarenladen, war von außen kaum als ein Schreibwarenladen zu erkennen. Denn vor dem Eingang standen vier Käfige mit je einem Hahn drinnen, die ab und zu mal krähten. Unter dem Sonnenschutz oder Vorbau hingen von oben Regenmäntel, Regenjacken und Regenhosen herab. Innen war es dasselbe nur mit einer riesigen Auswahl an Regenschirmen, die von der Decke baumelten. Zwischen Kleber, Scheren, Pappe und Nähgarn fand ich auch Nagellack, Babyparfüm und Plastikmännchen zum Spielen. Alles schien so ungeordnet und zerstreut, aber alles hatte seinen Platz oder mehrere eben. Die Verkäuferinnen konnte jedenfalls alles in dem fahlen Licht gut finden.

Währen Sister Carol ihre Einkaufsliste abarbeitete, entdeckte ich Garn zum Freundschaftsbändchenknüpfen. Wir brauchten nämlich dringend Nachschub. Da wir zum Zeitvertreib Freundschaftsbändchen knüpfen und mein kleiner Vorrat an Garn, den ich aus Deutschland mitgebracht habe, bald zu Neige gehen würde. Denn jeder ist hier begeistert von diesen Bändchen und wir könnten fast die Massenproduktion einschalten. So hoch ist die Nachfrage!

Raus aus dem Laden hievten wir die schweren Einkaufstüten und langen Papprollen in das nächste vorbeifahrende Tricycle. Es war zwar nicht weit zu Laufen, aber Father Rey sagte uns, dass die Filipinos die kürzesten Strecken mit dem Tricycle fahren würden, da sie sehr eitel seien und nicht gerne verschwitzt irgendwo ankommen wollen. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund für die vielen Tricycles auf den Straßen und an den Straßenrändern.Trotz alledem waren die Tüten schwer und ich war froh, dass wir unsere dritte Tour mit einem Tricycle machen konnten. =)

Um drei Uhr war dann das große Geburtstag-Essen für mich. Es gab extra für mich leckeren Salat, Pansit (Glasnudeln mit Gemüse, Ei und Hackfleischsoße), natürlich Pan de Sal und die Krönung: Eis spendiert vom Bischof!

Tja, meine Lieben, wer hat schon mal an seinem Geburtstag Eis vom Bischof spendiert bekommen?

Abends ließ ich den Tag mit einer Freundin, die gerade ein soziales Jahr in Nicaragua macht, bei Skype ausklingen.

Es war ein schöner Tag mit ganz wenig Heimweh.

Am Samstagmorgen hieß es wieder früh aufstehen und den nächsten Bus zu den Tara Falls zunehmen. Das sind kleine Wasserfälle in der Nähe von Sister Carols Konvent. Das war einfacher gesagt als getan.

Sina und ich liefen zu der Stelle, wo uns gesagt wurde, dass die Busse halten. Wir warteten bestimmt eine halbe Ewigkeit, aber kein Bus kam. Stattdessen quatschten uns Leute an, die noch Platz im Auto hätten und Jeepnyes die auch in diese Richtung fahren würden.

Wir waren verunsichert, ob überhaupt Busse an der Stelle halten würden, denn wir hatten bisher noch keinen Gesehen. Also stiegen wir in eines dieser …

 

NEIN, natürlich nicht. 😉

Also gingen wir wieder zurück. Doch auf halber Strecke kam uns genau der Bus entgegen, auf den wir gewartet hatten! Wir machten wilde Gestikulationen am Straßenrand und tatsächlich der Bus hielt ohne Probleme an und nahm uns mit. In Deutschland hätten wir den Bus bestimmt verpasst! Bus fahren muss geübt sein und beim nächsten Mal bleiben wir einfach noch gelassener.

Liebe Grüße aus den Philippinen,

Eure Franziska

2 Kommentare

  1. Andrea Tichy Andrea Tichy 19. August 2012

    Liebe Franziska,
    an Deinem Geburtstag haben wir fest an dich gedacht und wünschen Dir nachträglich alles Gute zu diesem besonderen Tag.Deine Berichte wecken alte Erinnerungen an meine Zeit in Candelaria/ Malimanga (2.Ortschaft in der Provinz Zambales Richtung Manila…..,also nicht ganz so weit von Euch!!?). Wir hatten allerdings richtige Duschen ,dafür Toiletten mit „Handspülung“.Eiscreme und H-Milch gab es nicht! Welch ein Luxus!! Wir wünschen Dir viel Freude und Ausdauer für Deinen Einsatz. GOD bless You! Dein Försterchen.

  2. Ingrid Noll Ingrid Noll 28. August 2012

    Liebe Franziska,
    ich lese gespannt deine Berichte!Toll, was Du alles erleben kannst.
    Und wenn das Heimweh mal über Dich kommt, denk daran, dass ganz viele Menschen in Deutschland an dich denken. Grüße auch an Sina! Seid behütet!
    Herzliche Grüße, Ingrid Noll